Autor: admin

  • Soll Blocher auch noch samichläuslen im Radio?

    Alt-Bundesrat und Noch-Provocateur Christoph Blocher ist vom Winterthurer Alternativ-Radio Stadtfilter zuerst ein- und dann doch ausgeladen worden – und fast alle schreien Zeter & Mordio… (mehr …)

  • Wofür sollen sich Schweizer/innen jetzt entschuldigen?

    I disagree with US based campaign Avaaz.org asking Swiss people who shared other protests in the past to apologize for the Swiss vote against minarets. Avaaz and many others don’t understand what happened. Imagine that other western countries would know the same liberty of democratic decision – the result could even be worse. Blame the messenger? Try to understand the disgusting message and take appropriate action.

    Lesenswerte Gedanken aus feministischer Sicht zu einer Analyse des Schweizer Volksentscheids über Minarette: Alice Schwarzer in EMMA.

  • Merz/Gaddafi: Es geht nicht um böse Buben

    – es geht um Führungsentscheide, die alle braven Bubis unbedingt treffen und durchstieren müssen, kaum sind sie gross geworden. (mehr …)

  • Kernige Stadtwerke Winterthur

    Wer diktiert eigentlich den (grün regierten) Stadtwerken Winterthur die Sprachregeln?

    Ich hatte als Kunde angeregt, statt von «Kernstrom» doch allgemeinverständlich von «Atomstrom» zu sprechen. Antwort: «Die Bezeichnung Kernstrom bezieht sich auf den Ursprung der Energieform (Kernspaltung).» Meine Replik: «Der Ursprung dieser Energieform ist nicht die Spaltung irgendwelcher Kerne, sondern von ATOMkernen.» (mehr …)

  • Richard Dooling: «Grab des weissen Mannes» (1994)

    dooling  Ein US-Amerikaner versucht, Afrika zu verstehen, Jahre nachdem er neun Monate lang in kleinen Städten und Dörfern Sierra Leones gelebt hat. Seine Auseinandersetzung mit dem fast unüberwindbaren Graben zwischen beiden Kulturen ist ehrlich, in eine spannende Geschichte verpackt und voller Witz und Intelligenz, (mehr …)

  • Schon die Wahl von Regierungsrät/innen und Bundesparlamentarier/innen ist eine Farce!

    Eine direkte Demokratie hat es in der Schweiz bei Wahlen überlokaler Art nie gegeben. Direkte Wahl hiesse: Ich wähle Personen als meine Vertretung auf die nächste Ebene (Gemeinde, Bezirk), diese Ebene wählt ihre Vertretung in die nächsthöhere Ebene (Kanton), usw. (mehr …)

  • Lion Feuchtwanger: Die Jüdin von Toledo» (1955)

    feuchtwanger  Das Thema seines Romans «Goya», die katholisch verkrusteten Verhältnisse im Spanien des 18. Jahrhunderts, hatte Feuchtwanger ursprünglich in einem zweiten Buch fortsetzen wollen. Stattdessen und für uns zum Glück blätterte er weit zurück (mehr …)

  • Grüne Biotech als Nahrung für alle?

    Grüne Woche in Berlin: Selbst die grausten Mäuse und die eiersten Köpfe verkleiden sich grün und fressen Kreise. Das klingt dann etwa so: «Nur die grüne Biotechnologie kann die Welternährung sicherstellen» (BASF-Vorstand Stefan Marcinowski). Mehr von diesen gefährlichen «Experten» hier.

  • Michail Bulgakov: «Hundeherz» (1925)

    Eine beissend ironische Abrechnung mit dem Kommandokommunismus der frühen Sowjetjahre. Kein Wunder, zog der junge Arzt Bulgakow, der sich bei keiner der miteinander verfeindeten Parteien und Armeen zuhause fühlte, mit solchen Schriften den Argwohn des Vaterlands der Arbeiter auf sich. «Hundeherz» wurde in der Sowjetunion denn auch erst 1987 publiziert…

    dtv, Taschenbuch, 1994
    
  • Lion Feuchtwanger: «Goya» (1951)

    Feuchtwangers Roman «Goya oder der arge Weg der Erkenntnis» spielt im von Inquisition und feudaler Dekadenz beherrschten Spanien zur Zeit der französischen Revolution. Vor diesem düsteren Hintergrund verläuft die Entwicklung eines der grössten Malers, vom schillernden, mal geliebten, mal gehassten Portraitisten des Königshauses und von Granden hin zum freien, frechen Chronisten mit spitzer Nadel. Wie immer bei Feuchtwanger erschliesst sich der Text sprachlich nicht so leicht, doch die Tiefe und die Lebendigkeit der epischen Erzählung lohnen die Mühe wirklich.

    Aufbau Verlag, Taschenbuch, ISBN 978-3-7466-5613-7
  • Marlen Haushofer: «Die Wand»

    Unter all den Büchern, die ich im Lauf der Jahre gelesen hab, ist «Die Wand» vermutlich jenes, das mich am stärksten beeindruckt hat, unmittelbar beim Lesen und nachhaltig in der Erinnerung.

    Die Geschichte ist enorm beklemmend. Plötzlich ist da nichts mehr, alle andern Menschen sind verschwunden, die Protagonistin sieht sich über Nacht allein gelassen in einer abgelegenen Gegend, die sie im Erkunden zudem als abgeschlossen erfahren muss, ungläubig zunächst, aber unentrinnbar: eine hohe Wand aus dickem durchsichtigem Material umschliesst ihre kleine Welt. Was sie durch die Wand erblickt, sieht nicht lebendig aus. Etwas muss passiert sein; was, bleibt ungewiss.

    Die im Grunde wenig ereignisvolle Geschichte ist beklemmend gerade in der ruhigen, fast beschaulichen Art, in der sie erzählt wird. In einer meisterhaften Sprache, um genau zu sein. Präzis, knapp, anschaulich. Die Sprache einer Frau, die ihren Alltag berichtet; aber nicht den gewohnten Alltag als Hausfrau, sondern den einer Frau, die all ihr Wissen und Können darauf verwendet, unabhängig und selbständig zu werden und zu überleben: zu leben!

    Es ist keine feministische, rebellische Sprache, in der Marlen Haushofer erzählt. Selbst als die Protagonistin einen Mann umbringt, der unerwartet als einziger Mitmensch in ihrem Biotop auftaucht und ihr Leben durchkreuzt, wird nicht als Tat einer Frauenbefreiung herausgestrichen; der Mord ergibt sich vielmehr aus der Autonomie der Person unaufgeregt folgerichtig, im Lesen nachvollziehbar.

    Für mich gehört dies zur unglaublichen Stärke dieses Buchs, dass es im Kleinen beschreibt, was im Leben einer Person passiert, die plötzlich vollkommen auf sich allein gestellt wird und sich ohne fremde Hilfe im wahrsten Sinn autonom organisieren muss. In der Gesellschaft, in welcher die 1920 in einer österreichischen Landgemeine geborene Marlen Haushofer aufwuchs, war Autonomie vielleicht das, was ein Mann erringen konnte, wenn er klug und wohlhabend genug war; aber gewiss nicht eine Frau. Das spricht ihr Roman nicht frontal an, sondern macht es durch das lesende Miterleben erfahrbar, aber so, dass es erst allmählich ins Bewusstsein gerät, vielleicht erst Jahre nach der Lektüre, weil die einfachen, aber kraftvollen Bilder nicht aus dem Gedächtnis weichen.

    Es passt zur ohne absehbares Ende gebliebenen Geschichte und zu jener Zeit, dass die zu derartiger Sprachkunst Begabte und damals auch Gelobte von der Literaturwelt bald wieder vergessen wurde. Hätte sich Marlen Haushofer mit weiteren grossartigen Werken dagegen zu wehren vermocht, wenn sie nicht im Alter von 49 Jahren an Knochenkrebs gestorben wäre? Ich wünschte es ihr.

    Roman, 1963. Klett, 1986, ISBN 3-12-351960-0 (oder dtv, 1991)

    Kongenial verfilmt von Julian Roman Pölsler mit Martina Gedeck (2012)

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