Hightech, Roboter, big data und künstliche «Intelligenz» werden in der Landwirtschaft zunehmend eingesetzt, um optimales Wachstum von optimierten Pflanzen sicherzustellen, von der automatisierten Saat bis zur automatisierten Ernte. Ja, auch in der biologischen Landwirtschaft. Die meisten Bio-Tomaten werden in China angebaut und weltweit exportiert, und der big-data-Konzern Amazon hat nicht von ungefähr Whole Foods aufgekauft, den grössten Biovermarkter der USA.Kritische Gedanken nach einem Dokumentarfilm.
Brigitta Garcia Lopez hat unlängst ihren Job als – geniale! – Illustratorin bei der «Handelszeitung verloren. Zu einem jüngst von dieser Zeitung maschinell generierten Bild schreibt sie:
«Billige KI-generierte Bilder, die oft als unnatürlich und verstörend empfunden werden, erwecken den Eindruck, dass den Lesern nicht viel Wert beigemessen wird. Diese Bilder geben Anlass zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich ihrer Qualität und Ästhetik und sind darüber hinaus ethisch bedenklich. Datenschutzrisiken im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI sind ebenfalls ein Thema. Die Diskussion über den Einsatz dieser Technologie ist von grosser Bedeutung, hinzu kommt die noch nicht abschliessend geklärte Frage des Urheberrechts. Dieses Bild erinnert mich an Stile und Ästhetiken, die in der Vergangenheit mit dem Faschismus in Verbindung gebracht wurden. Was denkt ihr darüber? Seht ihr das auch?»
Ja, das war spontan auch mein Gedanke, als mich das Bild ansprang. Es gibt aber auch eine Parallele hinter dem Visuellen, und die beschäftigt mich noch mehr: Die implizite Logik der «künstlichen Intelligenz» – ein beschönigender Newspeak-Begriff, dem wir sprachlich immer entgegentreten sollten – ist jener des Faschismus verwandt und wird sich entsprechend auswirken, wenn sie nicht in demokratisch bestimmte Schranken gewiesen wird – und eben dies ist bis heute nicht in Sicht, was immer die EU und andere Staaten versuchen mögen.
Die Macht hinter den Algorithmen ist bereits grösser und konzentrierter und ferner von gesellschaftlicher Kontrolle als es je eine Macht war, und sie kann – wie bei Facebook – auf unser Mitmachen zählen, weil alles so schön bunt und bequem ist und weil uns zunehmend gar keine Wahl mehr bleibt. Am Ende sind wir vollkommen austauschbar, bis hin zur automatischen Entsorgung, wenn das System uns nicht mehr braucht. Das ist die faschistische Perversion (oder Vollendung?) des industriellen Paradieses. Ist Brigitta von der Handelszeitung gefragt worden, ob sie einverstanden sei damit, als Illustratorin durch eine Maschine ersetzt zu werden? Natürlich nicht. Eben; in einer demokratischen Gesellschaft wäre es selbstverständlich, dass sie darüber mitbestimmt.
PS: Mich beunruhigen nicht zuletzt einige der tröstenden Kommentare unter Brigittas Facebook-Post, die den Wandel für unausweichlich nehmen.
Die überhitzten Debatten über Bewusstsein künstlicher Intelligenz – und über political correctness, Gender-Sterne, kulturelle Aneignung und weitere Aufreger – sind Ausdruck einer Gesellschaft, in der die Einsicht in das Zusammenhängen von allem mit allem verloren gegangen ist. «Mitakuye Oyasin» nennen es nordamerikanische Ureinwohner, (for, to) all my relations. Noch haben einige von ihnen überlebt und könnten der bigotten und brutalen Gesellschaft, die ihre Völker ausgerottet hat, den Ausweg aus hyperaktivem Rechthabenwollen zeigen.
Nichts ist ohne alles das, was meine Vorfahren dachten und taten, nichts ist, ohne dass ich es mit allen Wesen teile, nichts wird gewesen sein, wenn meinen Nachkommen kein Denken und Tun mehr bleibt. Rücksicht im Umgang mit allem ist die Lehre daraus. Wenn ich alles, was mir zur Verfügung steht, achtsam behandle und mit Rücksicht auf andere nutze, ist es vollkommen unerheblich, ob ein Computer eine Seele hat.
Zuerst publiziert am 31.07.2022 auf Facebook
Reaktionen auf Facebook (2022)
Johannes: Spitze! Sticht aus den unzählige Kommentaren wohltuend hervor.
Ralf: Danke, Billo. Ich bin auch nur noch sprachlos. Es begann vereinzelt mit Trump, Bolsonaro, Orban und einigen anderen. Nun breitet sich ein Irrsinn immer weiter aus und das dann auch noch auf verschiedenen Wellen. Irrsinn, Blödheit oder was auch immer es ist. Und diese Menschen meinen, etwas Besseres zu sein, mehr zu wissen! Dabei zerstören sie alles, sind nicht bereit, nachzudenken (oder können es nicht). Es ist wie ein Virus in verschiedenen Varianten. Ich merke immer wieder live, wie viel wir von anderen, insbesondere von diesen «Primitiven» lernen können. Sie sind uns weit voraus!
Erich: Ein Hauptproblem ist, dass jeder eine eigene Meinung hat, aber keine eigene Bildung.
Reaktionen auf Facebook (2026)
Reingard: Du sprichst mir aus dem Computer oder aus der Seele vieler menschlicher Sichtweise: Rücksicht im Umgang mit allem ist die Grundlage. Es braucht dazu nichts als die Fähigkeit, die Umgebung und Stimmungen wahrzunehmen. Eine Art Kommunikationsbereitschaft und Verbundenheit to all my relations. Leider hat der Konkurrenzkampf uns das abtrainiert. Wir rennen mit geschlossenen Augen und mit Stöpseln in den Ohren durch die Stadt, um den Baulärm nicht zu hören, verkabelt mit dem I-Phone und hören uns Vogelgezwitscher zur Entspannung an. Ganz verloren sind wir noch nicht, aber bald.
Zur kleinen Universität im helvetisch-mondänen Lugano gehört eines der weltweit führenden Institute für Künstliche Intelligenz (KI). Hier lehrt und forscht nebst anderen Jürgen Schmidhuber, ein nett aussehender Professor aus Bayern, der gern grobe Dinge sagt, wie jüngst im Interview mit einem Kulturredaktor des Tages-Anzeigers. Über die Folgen seines Forschens etwa: «Der Mensch wird keine dominante Rolle mehr spielen», oder: «Bewusstsein ist ein Nebenprodukt der Datenkompression». Er provoziert aber auch gern mit Sätzen über Dinge fern seiner Wissenschaft, wie: «Die Erfindung des Kunstdüngers war das wichtigste Ereignis im 20. Jahrhundert».