Kategorie: Allgemein

  • Untergehende Imperien [1]

    November 29, 1863: the Assault on Fort Sanders. Civil War Lithograph by Kurz and Allison, restored by Adam Cuerden (Wikimedia Commons)

    Frage an die Historiker unter euch:
    Stimmt es, dass Imperien besonders heftig um sich schlagen, bevor sie untergehen, wie manche mit Seitenblick auf die USA behaupten.

    (mehr …)
  • Too big to fail ist tot, es lebe die verkleinerte Bank

    Wenn Banken ihr Eigenkapital nicht so erhöhen wollen, dass es das von ihnen eingegangene Risiko absichert, bleibt nur die Zerschlagung von «too big to fail»-Banken.

    Bildgrundlage von Ank Kumar (Wikimedia Commons)

    Dass überbezahlte Top-Prädatoren wie der Häuptling der UBS sich gegen die Forderung nach Eine Erhöhung ihres Eigenkapitals wären und behaupten, das würde ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden [1], ist nicht weiter erstaunlich – solche Leute haben schon immer auf Kosten von vielen anderen gewirtschaftet und bei missglückten Hochseilakte stets nach grossen bunten Fallschirmen geschrien, die sie auch meist bekommen haben, weil ihresgleichen in der Politik dafür gesorgt hat. Das Wirtschaftssystem hat das bisher einigermassen verkraftet; doch inzwischen hat das Risiko eines Zusammenbruchs der UBS ein Ausmass erreicht, dass die ganze Schweiz existenziell treffen könnte. 

    (mehr …)
  • Die Infantilisierung der Kommunikation — — —       #SchauHier!  #SchauHier!  #SchauHier!

    Die Menschen haben keine Zeit, Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut, die Konkurrenz darum ist enorm – also sag es kurz!

    Doch weil das Schreiben von einleuchtenden Slogans und lange nachwirkenden Aphorismen eine Kunst ist, die wenige beherrschen, gerät die Verkürzung meist zur Verflachung: Der Text bleibt an der Oberfläche, bewirtschaftet einen isolierten Aufreger, leuchtet keine Zusammenhänge aus.

    (mehr …)
  • Wiederbevölkerung der Tundra mit grossen Grasfressern, um die globale Erwärmung einzudämmen

    Von all den gross angelegten Plänen zur Abschwächung der verrückten globalen Erwärmung überzeugen mich nur zwei: die Wiederherstellung der Fischbestände bis zu ihrem historischen Reichtum [1] und die Wiederbesiedlung der Arktis bis zu ihrer historischen Fülle. Wenn wir den Planeten nicht mit allen anderen Lebewesen teilen und uns mit dem Platz begnügen, der dem Homo sapiens gebührt, wird unsere Spezies untergehen. Es geht um uns und unsere Umwelt – die Natur und der Planet werden auch ohne uns auskommen.

    Während die Quatsch-Wissenschaft Geld verbrennt, um die dritte Kommastelle bekannter Fakten zu entdecken, müssen Forschungspioniere ausserhalb des vorherrschenden Paradigmas ihre Idee mit wenig Geld in der Hand verfolgen, zum Glück gesegnet mit ihrem Verstand. Selbst Forscher in gut entwickelten Kontexten laufen Gefahr, die Werkzeuge für ihre Experimente selber bauen zu müssen, wie ein Artikel in „Nature“ zeigt [2]. Der Homo sapiens hat ein grosses und komplexes Gehirn mit einem der höchsten Energiebedarfe im Verhältnis zum ganzen Körper [3] – wir müssen es einfach nutzen!

    (mehr …)
  • Wölfe, Autoritäre und die Ethik

    Wolf Canis lupus (Foto: Tracy Brooks / Wikimedia Commons)

    «Deep Ecology» nannte der norwegische Philosoph Arne Næss die Haltung, aus der heraus wir Menschen allem Leben begegnen sollten, im Anerkennen, dass alle Arten in der Biosphäre grundsätzlich gleichberechtigt sind. Dieser Ansatz reicht tiefer als der Veganismus, weil das Bewusstsein der «Verbundenheit im Recht auf ein gutes Leben», wie ich es nenne [1], nicht nur (bestimmte) Tiere einschliesst, sondern alles, was lebt. Mitakuye Oyasin, alle meine Verwandten, wie die nordamerikanischen Ureinwohner sagen: Alles Leben ist miteinander verbunden, und zwar derart, dass es ganz selbstverständlich ist, den Baum, dessen Holz, oder den Bison, dessen Fleisch und Fell man benötigt, um Verzeihung zu bitten. Eine derartig Haltung ist für von der Kolonisierung noch wenig tangierte Indigene eine praktisch-mystische Selbstverständlichkeit. Respekt als grundlegende Haltung beim Nutzen anderen Lebens: so wenig wie nötig und so schonend als irgend möglich.

    (mehr …)
  • Das Reden über «künstlichen Intelligenz»statt über die Logik dahinter

    Brigitta Garcia Lopez hat unlängst ihren Job als – geniale! – Illustratorin bei der «Handelszeitung verloren. Zu einem jüngst von dieser Zeitung maschinell generierten Bild schreibt sie:

    «Billige KI-generierte Bilder, die oft als unnatürlich und verstörend empfunden werden, erwecken den Eindruck, dass den Lesern nicht viel Wert beigemessen wird. Diese Bilder geben Anlass zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich ihrer Qualität und Ästhetik und sind darüber hinaus ethisch bedenklich. Datenschutzrisiken im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI sind ebenfalls ein Thema. Die Diskussion über den Einsatz dieser Technologie ist von grosser Bedeutung, hinzu kommt die noch nicht abschliessend geklärte Frage des Urheberrechts.
    Dieses Bild erinnert mich an Stile und Ästhetiken, die in der Vergangenheit mit dem Faschismus in Verbindung gebracht wurden. Was denkt ihr darüber? Seht ihr das auch?»

    Bild: HZMontage/Midjourney, https://www.handelszeitung.ch/politik/das-sind-die-to-dos-fur-bundesbern-sozialwerke-649602

    Ja, das war spontan auch mein Gedanke, als mich das Bild ansprang. Es gibt aber auch eine Parallele hinter dem Visuellen, und die beschäftigt mich noch mehr: Die implizite Logik der «künstlichen Intelligenz» – ein beschönigender Newspeak-Begriff, dem wir sprachlich immer entgegentreten sollten – ist jener des Faschismus verwandt und wird sich entsprechend auswirken, wenn sie nicht in demokratisch bestimmte Schranken gewiesen wird – und eben dies ist bis heute nicht in Sicht, was immer die EU und andere Staaten versuchen mögen.

    Die Macht hinter den Algorithmen ist bereits grösser und konzentrierter und ferner von gesellschaftlicher Kontrolle als es je eine Macht war, und sie kann – wie bei Facebook – auf unser Mitmachen zählen, weil alles so schön bunt und bequem ist und weil uns zunehmend gar keine Wahl mehr bleibt. Am Ende sind wir vollkommen austauschbar, bis hin zur automatischen Entsorgung, wenn das System uns nicht mehr braucht. Das ist die faschistische Perversion (oder Vollendung?) des industriellen Paradieses.
    Ist Brigitta von der Handelszeitung gefragt worden, ob sie einverstanden sei damit, als Illustratorin durch eine Maschine ersetzt zu werden? Natürlich nicht. Eben; in einer demokratischen Gesellschaft wäre es selbstverständlich, dass sie darüber mitbestimmt.

    PS:
    Mich beunruhigen nicht zuletzt einige der tröstenden Kommentare unter Brigittas Facebook-Post, die den Wandel für unausweichlich nehmen.

  • Nach dem Spital ist vor dem Spital #18

    Letzte Vorbereitungen vor dem Spitaleintritt.

    Plötzlicher Anfall von Konsumrausch nach Tagen magerer Diät – Bunkern von lange haltbaren Lebensmitteln für die Zeit nach dem Spitalbett, in der ich dann wohl auch zuhause zunächst etwas schlapp herumhänge und keine Lust auf Einkaufstouren hab.

    Für Zizzi, die schon wieder einige Tage ohne ihren Lieblingsmensch auskommen muss (was diesem fast das Herz bricht) steht jetzt ein neuer Freund in der Stube, reingeholt von der Terrasse, bevor es noch kälter wird. Den Mutterkaktus hatte Zizzis Ersatzmutter Irmy einst aus Belgrad ins Friaul gebracht; ein kleines Blatt davon steht seit diesem Frühling bei mir… ein kleines Blatt?


    Zuerst publiziert am 05.12.2022 auf Facebook.
    Folge #17Folge #19
    Alle Folgen: Suchbegriff «Spitalalltag» eingeben.


    Ausgewählte Kommentare auf Facebook:

    Thomas: Dann wünsche ich dir, dass du die leckeren Dinge danach auch genießen kannst.

    Irmy: So gut! Und so isses: Katzen brauchen überall Pflanzenfreunde, besonders gern Kakteen! So gewachsen das Teil, verrückt

  • Nach dem Spital ist vor dem Spital #17

    Aseem Malhotra

    Nachdem ich diverse bürokratischen Hürden überwunden und die unumgänglichen Voruntersuchungen bestanden habe, werden mir Chirurgen kommende Woche eine Vollnarkose verpassen, den Bauch von oben bis unten aufschneiden, den entzwei geschnittenen Dickdarm wieder zusammenfügen und mich so vom auf Dauer doch etwas umständlichen Alltag mit einem künstlichen Darmausgang befreien.

    (mehr …)
  • Alltag nach dem Spital #14

    Un caffè con Irmy e Thomas in Udine (foto: Irmy Algader)

    Heute vor drei Monaten bin ich aus dem Spital in Gorizia entlassen worden. Nach einem Monat liebevoller Rundumfürsorge war ich nach der ersten Freude über das Wiedersehen mit meiner Katze, meinen Pflanzen, meiner Wohnung ziemlich unsicher, wie das nun im Alltag gehen soll, so schwach, ausgemergelt, unsicheren Schrittes und immer gleich erschöpft, immer müde…

    Ich weiss nicht, wie ich es in den ersten Wochen zuhause ohne die zweimal tägliche und nicht minder fürsorgliche Unterstützung von Irmy geschafft hätte. Genauso wichtig war es später, schrittweise auf diese Hilfe zu verzichten, um mehr und mehr Kraft und Autonomie zurückzugewinnen.

    In den letzten Wochen spürte ich mich zunehmend in meinem Leben zurück, kräftig, sicher, zuversichtlich – nur noch ruhiger als zuvor, noch mehr abwägend, was zählt, und ganz ungeniert liegen lassend, was mir grad zu viel ist.

    Wenn ich heute beim Duschen oder beim Yoga meinen Leib betrachte, die Muskeln, die sich wieder bilden, die Haut, die sich wieder mehr strafft, bewundere ich das unermüdliches Wirken der Natur noch im fortgeschrittenen Alter, nicht nur der physischen Natur, auch der geistigen und der sozialen. Im Grunde ist alles wieder gut, sogar die lange Narbe längs über meinen Bauch schreit mir nicht mehr so grell entgegen, als wär ich eben erst aufgeschnitten worden; sie wird sich wenn nicht in meine Haut, so doch immer mehr in mein Körpergefühl Integrieren. Nur das Stoma und dessen tägliche Pflege erinnern mich noch handfest an eine notfallmässige Operation, ohne die ich wohl nicht mehr hier wäre; in wenigen Monaten wird auch dieses Menetekel verschwinden, dank kundiger Medizin und unglaublicher Regenerationskraft menschlicher Physis.

    Ja, ich hab oft Glück gehabt in meinem Leben, und ich geniess es grad sehr, in grosser Dankbarkeit.


    Zuerst publiziert am 28.06.2022 auf Facebook.
    Folge #13 — Folge #15
    Alle Folgen: Suchbegriff «Spitalalltag» eingeben.


    Ausgewählte Reaktionen auf Facebook:

    Hans-Georg: Toller Text, beglückende Aussage, begeisternde Lebenskraft, strahlendes Bild. Alles Gute und weiter so, Heinzpeter!

    Roland: Du findest wieder ins pralle Leben, darauf würde ich wetten.

    Karen: So ein schöner Text. Bin froh und dankbar für dich und alle, die sich ebenfalls erleichtert fühlen. Du wirst das schaffen – stay as strong as you are.

    Sabine: Was für ein schönes Bild! Ich kenne dich ja nur von weitem bzw. von deinen Texten hier. Mag dir die Genesung so sehr gönnen und wünsche dir weiterhin alles Gute! Und danke fürs Erzählen deiner Geschichte. Ich lese hier aufrichtig gerne mit.

    Charlotte: Gute, schöne, starke Worte und ein starkes Bild, auch für das Leben: «…dank kundiger Medizin und unglaublicher Regenerationskraft menschlicher Physis“» und deines Geistes und deiner Gelassenheit, yes. Und Irmy ist auch nicht ganz ohne.

    Viola: Meine Grossmutter hat mir mal diesen Tipp gegeben:

    Wenn die Zeiten schwierig sind, gehe in kleinen Schritten weiter.
    Tu, was du tun kannst, aber tu es langsam.
    Denk nicht an die Zukunft oder was morgen passieren kann.
    Gestalte dir ein gemütliches zu Hause.
    Koche dir ein leckeres Essen.
    Schreibe einen Brief.
    Lies ein schönes Buch.
    Gehe in die Natur und genieße die Vielfalt.
    Nimm ein Bad und lass die Seele baumeln.
    Siehst du es?
    Du gehst vorwärts, Schritt für Schritt.
    Mach einen Schritt und dann Pause.
    Ruh dich aus.
    Schätze dich selbst.
    Mach den nächsten Schritt.
    Dann noch einen.
    Du wirst es kaum merken, aber deine Schritte werden länger werden.
    Bis es soweit ist, wo du wieder an die Zukunft denken kannst, ohne zu weinen.
    Elena Mikhalkova

    Thomas: Schön, wenn es wie oben beschrieben weiter aufwärts geht! Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls auch live. Vermutlich wärst du der erste am Gipfel des Matajur gewesen, hättest du nicht den Termin gehabt.


  • Alltag im Spital #6

    Bald wieder heim zu Katze Zizzi und den Pflanzen (Foto: Irmy Algader)

    Gestern war ein besonderer Tag. Genau vor vier Wochen hatte ich das Spital betreten, mit arg gewölbten Bauch, ausgerüstet mit einer Notfalleinweisung meiner Hausärztin und Gepäck für zwei Wochen. Damals schon zu wissen, dass mein Aufenthalt viel länger dauern würde, hätte mich wohl noch mehr belastet; vielleicht wollte ich einfach nicht wahrhaben, dass die Situation nach einer Woche Darmverschluss schon eher lebensbedrohlich war. Heute bin ich froh, dass ich so lange hier bleiben muss; endlich ist es meinem Körper gelungen, meinen Kopf ganz herunterzuholen von all den Dingen, die dauernd erledigt sein müssen, und endlich bin ich soweit, die Ruhe und das Wenigtun so zu geniessen, dass ich bald nach Hause gehen kann, ohne in alte Muster zurückzufallen.

    (mehr …)
  • Übers Vergiften und Klauen von Agrarland am Beispiel Chinas

    Die Weltbevölkerung wächst weiter. Die landwirtschaftlichen nutzbaren Flächen nehmen weiter ab. Sorgsamer Umgang mit dem Agrarland wäre angesagt. Doch reiche Länder wie China lösen ihr Nahrungsproblem im Weltsüden…

    (mehr …)
  • Warum es in die Irre führt, über den menschgemachten Anteil am Klimawandel zu streiten [1]

    Schulstreik gegen den Klimawandel am 15. März 2019 in Bad Mergentheim (Holger Uwe Schmitt / Wikimedia)

    Wenn Kritik an den Aussagen der überwiegenden Mehrheit der Klimaforscher, dann bitte aus berufenem Mund und mit seriöser wissenschaftlicher Argumentation. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein 2010 gehaltener Vortrag [2] des ehemaligen Leiters des Instituts für Meteorologie an der Freien Universität Berlin, Prof. Horst Malberg. Die 33 Minuten Zuhören sind gut investiert, weil sie das kritische Denken fördern.

    (mehr …)
  • Burka und andere Monstranzen

    Noch ein Versuch, die «Burka-Diskussion» aus dem engen Blickwinkel vermeintlicher Toleranz zu rücken. Warnung: Es  könnte einigen, die sich wie ich zur Linken zählen, nicht gefallen, wenn auch aus andern Gründen, als sie nun vermuten.

    Worum geht es eigentlich?
    – Es geht nur an der Oberfläche darum, ob eine Frau ihr Gesicht verhüllt.
    – Es geht auch nicht um Kleidervorschriften an sich. 
    – Es geht darum, jenen in den Arm zu fallen, die meinen, sie müssten ihre herrische Ideologie vor sich hertragen: Schaut her, wir sind die Guten! Ihr seid die Schlechten!

    (mehr …)
  • Nicht Burka oder Niqab sind das Problem; aber dieses kommt im Schlepptau

    Ein paar Dinge scheinen immer noch ungeklärt in Köpfen links der Mitte. Nochmals ein Versuch, den Dingen auf den Grund zu gehen.

    Die Volksintiative der Rechtsaussenpartei SVP für ein Burkaverbot ist ein populistischer Schwindel; dieser Partei geht es einzig darum, weiter auf dem Hass gegen alles Fremde zu reiten, um weiter eine «grosse» Partei zu bleiben. Etwas anderes hat diese Partei nie verstanden und nie zustande gebracht, sie hat im Gegenteil schon viel von dem zerstört, was die politische Schweiz einst ausgemacht hat. Meine Stimme für diese Zerstörung kriegen die sicher nie.

    Dies vorausgeschickt, bin ich klar für ein Verbot der Kopfverhüllung in Europa.

    Wir sollten ein paar Dinge nicht vorschnell vermischen und in den falschen Topf werfen. Dass «der Westen», genauer die Regierungen, noch genauer die Kapitalisten in diesem Teil der Welt, seit ein paar Jahrhunderten Chaos im weit grösseren Rest der Welt verursacht haben, ist klar. Dass die Bevölkerung «im Westen» dabei etwas mitprofitiert hat, ist auch klar – die Absicht der Oberprofiteure war ja, das «eigene» Proletariat ruhig zu halten, weil man es in den Fabriken oder auch mal als Soldaten fern der Heimat brauchte. Die ganze Geschichte wurde dann immer mehr auf die Spitze getrieben (Stichwort «Globalisierung»), bis sie zu kippen begann.
    Nun kommen, späte Rache der Geschichte (von klugen Linken schon vor ein paar Jahrzehnten angesagt als «Einbruch der Peripherie ins Zentrum»), viele Menschen aus unlebbar gewordenen Gegenden der Welt zu uns, weil sie hier auf ein besseres Leben hoffen. Was folgt daraus?

    Sind nun wir hier, die bisher nur ein wenig mitprofitiert haben (immer weniger im Vergleich zu den Superprofiteuren, etwas mehr im Vergleich zu Menschen in fernen Ländern), fraglos verpflichtet, alles hinzunehmen, was diese Menschen aus der Ferne an Gewohnheiten (um es mal neutral zu formulieren) mit sich bringen und hier ausbreiten? 
    Müssen wir, nachdem es unseren Vorfahren endlich gelungen ist, die einstige Allmacht der Kirche in die Schranken zu weisen, und nachdem es unserer Generation gelungen ist, reaktionär verkrustete Gewohnheiten (s. o.) unserer Eltern und Grosseltern aufzulösen, jetzt aus Fremdenfreundlchkeit, Internationalismus, Toleranz oder was auch immer tolerieren, dass Menschen kommen, die so leben wollen (oder unter dem Druck von reaktionären Obermachos, Tradition usw.) so leben müssen, wie es bei uns vor ziemlich langer Zeit mal üblich war?
    Will jemand von Euch das Mittelalter wirklich zurück bei uns? Ich nicht. Und darum schreib ich schon gegen die ersten Anzeichen an. Die Burka, ich wiederhole mich, ist nicht das eigentliche Problem; aber sie zeigt das Problem an. Wenn dieses Anzeichen toleriert werden, kommt das Problem ungehindert mit.

    Die europäischen Staaten haben es bisher nicht verstanden, etwas zu tun, was in klassischen Einwanderungsstaaten wie etwa den USA selbstverständlich ist: Es gibt klare Regeln für den Eintritt ins vermeintliche Paradies. Persönlich würde ich es für richtig halten, wenn den nach Europa Einreisenden eine Liste von Dingen vorgelegt wird, die unter Androhung der sofortigen Ausschaffung nicht toleriert werden. Einreisen darf, wer es gelesen, verstanden und unterschrieben hat. Lieber hier eine Stunde pro Person für ein Gespräch «verlieren» als später Jahre aufreibender (und fruchtloser) Polizei- und Sozialarbeit. 


    Debatte rund um Burka et cetera

    ▶︎ Über Burka, Beschneidung und die Durchsetzung von Frauenrechten

    ▶︎ Burka zwischen links und rechts

    ▶︎ Weitere Beiträge zum Thema unter Suche: Burka

  • KAGfreiland: Kurswechsel ins Abseits?

    KAG-Logo08_Org

     

    Einige langjährige, aktive KAGfreiland-Mitglieder sind besorgt über bevorstehende Weichenstellungen, die der KAG-Vorstand in die Wege leiten will:

    • Die Tierhaltungs-Richtlinien sollen gelockert werden,
    • in der Vermarktung ist Zusammenarbeit mit einem Discounter vorgesehen,
    • politische Öffentlichkeitsarbeit tritt in den Hintergrund.

    Darum haben wir Ende 2015 eine Reihe von Anträgen eingereicht, die garantieren, dass die weit reichenden Entscheide nicht vom Vorstand getroffen werden, sondern von der Generalversammlung am 16. April 2016.

    Mehr Hintergrund? Hier ein paar Überlegungen zu einer Strategie für KAGfreiland.

    Bist Du ein stimmberechtigtes Aktivmitglied  von KAGfreiland? Dann lies die Anträge hier: Anträge – und nimm dann mit uns Kontakt auf.

  • Die USA sind nicht ganz Amerika

    Hört auf, der Arroganz der USamis zu folgen und die USA zu benennen, als wären sie ganz Amerika! Weiter…

  • Schluss mit der billigen Klage über den «Label–Salat»

    Die Klage über den «Label–Salat» ist so alt wie die Label selbst. Und die Kritik an Wischi–Waschi–Ökosiegeln ist auch ein Dauerbrenner. Labels sind für Menschen geschaffen worden, die denken, bevor sie kaufen. Für die Mehrheit der Konsumoerenden sind sie völlig ungeignet, denn ohne Denken gibt’s wirklich nichts als Geiz ist geil. Weiter…

  • Über das nahende Ende der Blockherrschaften in Italien [1]

    Screenshot

    Ecco finalmente l’inizio della fine!

    Der Rechtsblock in Italien bricht auseinander. Berlusconi begräbt den Polo della Libertà und baut mit seinen «Falken» die Forza Italia wieder auf. Sein Ziehsohn Alfano, bisher Parteisekretär und seit Frühjahr Vizeministerpräsident in der Grossen Koalition, arbeitet mit seinen «Tauben» auf die Gründung eines neuen Zentrums hin. [2] Dem Linksblock besteht eine ähnliche Spaltung bevor. Nach zwanzig Jahren Lähmung dürfte Italiens Politik wieder offener werden. Wenn die Linke die Chance packt und sich für die Menschen statt für ihre eigenen Funktionäre engagiert, gibt es wieder Hoffnung für das Bel Paese.

    (mehr …)
  • Über drei österreichische Wirte

    Drei Gastwirte mit Tiroler Akzent belegen die einzigen drei Tischchen im Speisewagen des RailJet, wohl seit Wien und seit einigen Flaschen Blaufränkisch, und prahlen laut und angeheitert von ihren gastronomischen Heldentaten. Nur beste Qualität!

    Mit Müh rückt der Erste seinen Arsch ein wenig zur Seite, als ich frage, ob hier noch was frei sei. Mit noch mehr Müh rückt der Dritte zur Seite, nachdem ein Paar unschlüssig auf und ab gegangen war, sich offenkundig nach Platz umgesehen hatte und schliesslich darum bitten musste.

    Noch eine Flasche, noch mehr ungeniertes Fachwissen fliesst auf der Weiterfahrt in die Kehlen dieser drei wackeren Köche respektive aus ihren Kehlen heraus. Ich könnte daraus ein unnützes Kochbuch zusammenschreiben.

    Nützlicher erscheint es mir, die Gesichter der drei Typen in meinem Gedächtnis: damit ich ein Lokal gleich wieder verlassen könnte, würde ich einen von ihnen hinter der Theke erkennen. Man mag in der Schweiz des Lobes voll sein über den Service, pardon: das Service in österreichischen Etablissements – bei diesen drei Wirten dürft es sehr unaufmerksam sein.

  • Über die Wahrheit von Information

    Information ist umso wahrer, je näher ich ihrer Quelle bin. Vorausgeschickt, dass «die» Wahrheit ohnehin nicht zu fassen ist: Nichts kann wahrer sein als etwas, was ich selber erlebt habe – worüber ich freilich keine Information brauche.

    Kann ich mich auf Information verlassen, die auf fremder Anschauung beruht? Nein, vorsichtshalber glaub ich «meiner» Zeitung nicht. Mehr dazu weiter unten.

    Ausnahmsweise gilt dies freilich nicht für Kommentare. (mehr …)

Suche

Übersetzen · Translate

Kategorien


Alle Stichwörter · Keyword list

Algorithmen Autofahren Automatisierung Bahnfahren Bedingungsloses Grundeinkommen Burka Bürokratie Cinque Stelle Darmverschluss democracy Demokratie Deutschland Energie EU Europa Evolution Faschismus Gewichtsverlust Gewinne Graz Iran Israel Italien Landwirtschaft Lega Linke Marokko Migration Monfalcone Mussolini NATO Politik Schweiz Populismus Salvini Schweiz Solidarität Spanien Spitalalltag Spitalkost Traum Trump USA ÖBB Österreich öffentlicher Verkehr


Artikelarchiv · Articles by date