Kategorie: Phil&Science

  • Covid-Impfung: lasche Aufarbeitung in der Schweiz

    Ein Flippino musste bei der ersten Impfdosis wegen Angst vor Spritzen von zwei Soldaten festgehalten werden (M Joko Apriyo Putro / Wikimedia)

    Während der Pandemie hab ich mich eine Zeitlang relativ brav an die Anordnungen der (italienischen) Behörden gehalten: Maske, Handschuhe, Desinfektionsmittel, Lockdown, Impfung usw. Die veröffentlichte Angst sass auch mir im Nacken. Nach dem ersten Booster kamen mir Zweifel. Auf eine ehrliche Aufarbeitung der politisch und medial angeheizten Krise warte ich noch immer, zum Beispiel in meiner alten Heimat.

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  • When writing began

    The 55,000-year-old Adorant figurine from a cave in the Swabian Alps contains symbols that may encode similar amounts of information as the earliest forms of written language. (Photo: Landesmuseum Württemberg / Hendrik Zwietasch, CC BY 4.0)
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  • So geht Wissenschaft.

    Und so wird sie attraktiv vertreten.

    Foto: Tim Reckmann / Wikimedia Commons

    Ich bin begeistert, aber nicht etwa, weil im vorliegenden Fall die Resultate meine Erwartungen bestärkt hätten. Nein: Was mich begeistert, ist die neugierige Offenheit, mit der eine Forscherin und ein Forscher jahrzehntelang der beobachtbaren Realität begegnet sind. Nur so konnten sie entdecken, was keiner zuvor erforscht hatte, und nur so konnten sie dank Ergebnissen, die zu akzeptieren auch ihnen selber zunächst schwer fiel, ganz neue Erkenntnisse gewinnen.

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  • The crusade against multiple regression analysis

    ’A huge range of science projects are done with multiple regression analysis. The results are often somewhere between meaningless and quite damaging’, Michigan University professor of psychology Richard Nisbett said in 2016 during a conversation on Egde [1], and added that, should his crusade succeed, ’there’ll be a kind of upfront warning in New York Times articles: These data are based on multiple regression analysis. This would be a sign that you probably shouldn’t read the article because you’re quite likely to get non-information or misinformation’.
    Nisbett is so damn right!

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  • Bauernschlau macht krank

    Foto: Daimlerfahrer 1500 / Wikimedia Commons

    Wie zugenagelt die Gehirne von Bauernfunktionären und Agrarpolitikern in der Schweiz sind, zeigt deren Widerstand gegen die Erforschung der Folgen des Einsatzes von Chemie in der Landwirtschaft. Die Lehre daraus müsste heissen: Auf die Felder darf nur gespritzt werden, was nachweislich unbedenklich ist.

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  • Wann findet das Leben statt?

    Selbstportrait des Autors, 2019

    Sonntag! Endlich frei… Und was machst Du daraus? «Das Leben findet während der Arbeitszeit statt», sagt ein Psychologe. Das hat schon was – unter Umständen.

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  • Schimpansen können rational handeln – nur sie?

    Ameisen (Foto: Thomas Netsch / Wikimedia Commons)

    Was unterscheidet den Mensch vom Tier? Immer weniger, wie die Forschung zeigt. Jedenfalls, wenn es um sogenannt höhere Tiere geht, die uns irgendwie ähnlich sind. Doch wie ist das denn bei anderen Tieren?

    Eine neue Studie hat sogar herausgefunden, dass Schimpansen ihre Entscheidungen überdenken und ihr Handeln ändern können, wenn ihnen neue Informationen zur Verfügung stehen [1]. Für das Experiment wurde Nahrung in verschiedenen, aber gleich aussehenden Kisten versteckt. Zusätzlich erhielten die Versuchstiere starke oder schwache Hinweise darauf, in welcher Kiste sich Nahrung befinden könnte. Danach wurden die Hinweise noch ergänzt um die Angabe, in welcher Kiste sich noch mehr Nahrung befinden könnte. Es zeigte sich, dass die Schimpansen die Wahl der Kiste dementsprechend veränderten. [2]

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  • Wie viel Subjektivität erträgt die Wissenschaft?

    Die neuste Ausgabe des Schweizer Forschungsmagazins «Horizonte» [1] widmet seinen Schwerpunkt der Frage nach der Objektivität in der Wissenschaft, genauer der Frage, wie viel Subjektivität und persönliche Betroffenheit in der Forschung zulässig sind. Am Beispiel von vier Forschenden mit eigener Erfahrung einer Behinderung oder sexistischer oder rassistischer Ausgrenzung wird deutlich, dass gerade die persönliche Betroffenheit ihre Forschung ermöglicht hat. Weitere Beiträge vertiefen die Frage nach der wissenschaftlichen Objektivität und deren historische Entwicklung.

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  • Englisch als «Amtssprache» steht der Wissenschaft im Weg 

    Endlich spricht ein junger Akademiker [1] aus, was mich im Wissenschaftsbetrieb schon lange stört: der angloamerikanische Kulturimperialismus. Die Muttersprache von 95 Prozent der Weltbevölkerung ist nicht Englisch; aber heute muss jeder Wissenschafter auf Englisch publizieren, wenn er wahrgenommen werden will. 

    Der Turmbau zu Babel, unbekannter Künstler, 17./18. Jahrhundert (Wikimedia Commons)

    Englisch ist in den Wissenschaften nicht etwa die lingua franca, sondern die Amtssprache, ja: die Hochamtssprache. Für Forscher mit anderer Muttersprache ist das ein Spiessrutenlauf, wenn nicht gar eine unüberwindbare Hürde. Papers von Autoren, für die Englisch eine Fremdsprache ist, werden laut einer Studie des japanischen Biologen Tatsuya Amano zweieinhalb Mal so oft abgelehnt wie die von englischsprachigen, «simply because certain language standards weren’t met». Amano weist darauf hin, «dass die Wissenschaft viel zu verlieren hat, wenn sie die durch Sprachbarrieren verursachten Ungleichheiten ignoriert». Er fordert darum mehr Unterstützung in den wissenschaftlichen Institutionen für Autoren fremder Muttersprache, durch Lernpartner und durch Zugang zu hochwertigen Übersetzungsprogrammen. 

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  • Künstliche Idiotie (KI) #4: Wir Idioten

    Schlägerei, Gemälde von Adriaen van de Venne aus dem 17. Jahrhundert

    Wenn statt tumber Algorithmen fortan die User auf den sozialen Netzwerken selber Polizei spielen sollen, wie es Zuckerberg vorschwebt, dann wird das kein Siegeszug der freien Rede, wie Musk behauptet, sondern noch mehr Krieg [1].

    In der Internet-Realität spielen User längst Räuber und Polizist, organisieren sich in Bubbles, die sie von Andersdenkenden säubern und von wo aus sie diese attackieren. Es herrscht längst Krieg auf den sozialen Netzwerken, und Frieden findet nur, wer sich eine kleine überschaubare Gruppe von Freunde schafft – doch genau das war ja nicht das Versprechen  sozialer Netzwerke, dafür hätte es genügt, bei den guten alten E-Mail-Gruppen zu bleiben.

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  • Cities existed existed earlier and were more egalitarian than previously thought, and pristine nature is a myth

    Reconstruction of a Cucuteni–Trypillia settlement of 320 hectares for about 22,000 people near Talianki, Ucraine, 3700 BC. (Credit: Kenny Arne Lang Antonsen / Wikimedia Commons.)

    Correcting cherished beliefs:

    One of Europe’s longest-lived civilisations, the so-called Cucuteni-Trypillia in central-eastern Europe, could live in cities consisting of up to 3,000 houses, all of the same size, style and layout, with no sign of social hierarchy. After more than 2,000 years of existence, the culture disappeared around 3400 BC. Scientists have not yet been able to determine the reason for the cities‘ demise. Various factors probably played a role: a climate shift towards lower temperatures had a negative impact on the sedentary and self-sufficient agrarian and possibly matriarchal society and made it vulnerable to invasion by nomadic and patriarchal peoples from the east. [1]

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  • Die Infantilisierung der Kommunikation — — —       #SchauHier!  #SchauHier!  #SchauHier!

    Die Menschen haben keine Zeit, Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut, die Konkurrenz darum ist enorm – also sag es kurz!

    Doch weil das Schreiben von einleuchtenden Slogans und lange nachwirkenden Aphorismen eine Kunst ist, die wenige beherrschen, gerät die Verkürzung meist zur Verflachung: Der Text bleibt an der Oberfläche, bewirtschaftet einen isolierten Aufreger, leuchtet keine Zusammenhänge aus.

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  • Tierbeobachtung, künstliche «Intelligenz» und Tiernutzung

    Illustration: Irmy Algader [2]

    Hightech, Roboter, big data und künstliche «Intelligenz» werden in der Landwirtschaft zunehmend eingesetzt, um optimales Wachstum von optimierten Pflanzen sicherzustellen, von der automatisierten Saat bis zur automatisierten Ernte. Ja, auch in der biologischen Landwirtschaft. Die meisten Bio-Tomaten werden in China angebaut und weltweit exportiert, und der big-data-Konzern Amazon hat nicht von ungefähr Whole Foods aufgekauft, den grössten Biovermarkter der USA. Kritische Gedanken nach einem Dokumentarfilm.

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  • Should I worry more about the brain or the soul?

    Image of a human brain organoid stained with DAPI (teal) and VIPR2 (magenta).
    (Credit: Nreis1/Wikimedia)

    Many bother about „artificial intelligence“. Should we bother more about brain models built on tissue from aborted foetuses? I suggest that we bother first of all about the enormous lag in ethical and social development of ourselves.

    Humankind is still a long way from understanding how to evolve into a society of peaceful, compatible beings who live in respect for all living beings, including themselves—let alone from recognising this situation and trying to get out of it. 

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  • Vorwärts zurück zum Winterschlaf?

    Ein Streifenhörnchen beim Winterschlaf (Foto: Michael Himbeault / Wikimedia Commons)

    Vorgestern mochte ich schon am Morgen kaum aus dem Bett, sehr müde und sehr schlapp. Ich stand bloss auf, um meine Katze rauszulassen und mir eine Kanne Tee zu kochen. Abgesehen von weiteren kurzen Aufenthalten für ähnliche Zwecke verbrachte ich den ganzen Tag sehr faul im Bett, bis gestern morgen um elf Uhr. Dann entdeckte ich als Erstes auf Facebook bei Thomas ein kleine kleine Ode an den Winterschlaf – und war hellwach: Meine Rede seit Jahren!

    Tatsächlich täte es uns und der Menschheit und allen den Planeten mit uns teilenden Lebewesen gut, wenn wir dem Rhythmus der Jahreszeiten folgen und unser emsiges Tun in den kalten Monaten herunterfahren würden. Zumindest in Europa und Nordamerika tut der moderne Homo sapiens, wie ich ihn als Sozialpsychologe kennen gelernt habe, eher das Gegenteil: Er geniesst im Sommer die langen freien Abende, doch wenn der Herbst in den Winter übergeht, verfällt er in hektischen Aktivismus, weil er vor Weihnachten und Jahresende noch so viel erledigen muss, als könnte das nicht bis zum Frühling warten.

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  • In a nutshell: There is no research without teaching. [1]

    The noble task of a university professor is to enable students to become candid scientists. Some of them will then follow the road of research, which is but one part of science, being the motor of knowledge production. Others will opt for opportunities to apply such knowledge, or will teach what they learnt to students, or will do something far from the science they have been trained in.

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  • Religion ist Unsinn. Ein Beispiel.

    Ein Mädchen betet vor dem Essen, offeriert vom US-Schulmahlzeitenprogramm während der Great Depression, 1936. (Foto: Autor unbekannt / Wikimedia Commons)

    Im Januar 2018 warf der Leiter des theologischen Sekretariats der reformierten Schweizer Landeskirche dem damaligen Papst «Populismus» vor. Der Anlass: Franziskus überlegte sich, ob das Vaterunser nicht umzuschreiben sei. «Und führe uns nicht in Versuchung» spiegle nicht die Haltung eines Vaters; stattdessen müsste gebetet werden: «Und lass uns nicht in Versuchung geraten».

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  • Über künstliche Intelligenz, uralte Träume und das Ende menschlicher Hochmut [1]

    Zur kleinen Universität im helvetisch-mondänen Lugano gehört eines der weltweit führenden Institute für Künstliche Intelligenz (KI). Hier lehrt und forscht nebst anderen Jürgen Schmidhuber, ein nett aussehender Professor aus Bayern, der gern grobe Dinge sagt, wie jüngst im Interview mit einem Kulturredaktor des Tages-Anzeigers. Über die Folgen seines Forschens etwa: «Der Mensch wird keine dominante Rolle mehr spielen», oder: «Bewusstsein ist ein Nebenprodukt der Datenkompression». Er provoziert aber auch gern mit Sätzen über Dinge fern seiner Wissenschaft, wie: «Die Erfindung des Kunstdüngers war das wichtigste Ereignis im 20. Jahrhundert».

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  • Menschen zum Widerstand gegen Konformität ermuntern

    Ein Gruppe von Friedensaktivisten 2006 in Colorado (Foto: Phil Weinstein, Colorado Communities for Justice and Peace / Wikimedia Commons)

    Als Student der Sozialpsychologie war ich fasziniert von experimenteller Forschung, und Stanley Milgram [1] war für mich ein Vorbild. Leider ist sein berühmtestes Elektrofolter-Experiment oft missbraucht worden als Beleg für die Schlechtigkeit des Menschen, und es ist wohl nicht so zufällig, dass seine Fortsetzung mit einer dritten, widerständigen Person nie so bekannt geworden ist – schliesslich hat ja irgend jemand seine Forschung finanziert, und wer genügend Geld hat, mag Widerständige nicht so sehr…

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  • Über die historische Hoffnung des Menschen jenseits genetischer Fesseln

    Hecht (Esox lucius) (Foto: Raita Futo / Wikimedia Commons)

    Der österreichische Unternehmer und politische Autor Klaus Woltron schrieb am 22. November 2013 in seinem Posting «Mich wundert, dass ich so fröhlich bin» über «die Selbsthemmung der Demokratie und die Arroganz des Westens» ein paar bedenkenswerte Dinge, freilich aus einer fast etwas griesgrämigen Perspektive der Art, dass die Dinge sich eh nur vorwärts bewegen, wenn das ein paar beherzte Unternehmer (wie er) und Staatsmänner für die Masse tun, die ihrerseits eh nichts zustande bringt.

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