
Ich war nach diesen Wahlen von 2013 doch etwas erstaunt; aber Italien und seine Menschen sind offensichtlich aus dem Gröbsten noch eine Weile nicht heraus…
Wenn dann endlich mal die reichen Säcke vom Schlag eines Berlustkonis richtig besteuert würden, wäre es möglich, die normalen Menschen bei Steuern und Gebühren so zu entlasten, dass Schwarzarbeit nicht mehr zwingend zum Einkommen gehören muss; aber derzeit geht ein Viertel selbst kleiner Einkommen als Steuer weg … von den 22% MWST und den hohen Gebühren auf allem und jedem gar nicht zu reden!
Dabei ist nicht etwa die vom krimino-populistischen Milliardär emporgespielte Grundstücksteuer das Problem, sie ist sogar eine der gerechtesten Steuern überhaupt [1], und es ist kein Zufall, dass einer wie der Lustkoni sie aufheben will – und alle finden das wahnsinnig toll…
Nun ja, auch ich werde tun müssen, was alle in Italien tun: sich irgendwie arrangieren… So schade um dieses Land, porca miseria!
Das Spannendste nach dieser Wahl wird sein, was für eine Politik die «Grillini» betreiben werden. Eigentlich schon verrückt, dass eine Bewegung mit Wut und Frust als Klammer, aber keinem klaren Programm nun zum Zünglein an der Waage zwischen rinks und lechts wird. Vielen Wählerenen [2] ist es offenbar relativ wurscht, was die im Parlament tun werden, Hauptsache, irgendwie anders als die andern bisher halt. Das kann tatsächlich etwas aufbrechen und unmögliche Verhältnisse zum Tanzen bringen – es kann aber gerade so gut extrem ins Auge gehen, und zwar nicht in jenes der reichen Säcke, sondern ins Auge der Bürgerenen ohne grosse Reserven.
Zuerst publiziert am 26.02.2013 auf Facebook
Nachtrag vom 28.02.2026
Die fatale Folge von Grossmäulern, die die Politik Italiens verwüstet haben – Berlusconi, Renzi, Grillo – hat am Ende dazu geführt, dass die adrett geschminkten Neofaschisten zur stärksten Partei im Land geworden sind und via Justizreform und Wahlreform alles versuchen, um auf lange Sicht an der Macht zu bleiben [3]. Das nicht zuletzt dank Renzi zersplitterte Mitte-Links-Lager hat noch immer keinen Plan dagegen; es begnügt sich mit der Mär vom campo largo, einer angeblich breiten Front von linksliberal bis ganz links, die bisher nur in ein wenigen regionalen Wahltests Bestand hatte.
[1] Über den bedingungslosen Anteil jedes Menschen an der Welt – zur Bodenfrage
[2] MitgliederInnen – oder wie jetzt? – ein Vorschlag geschlechtsneutraler Sprache
[3] Rettet der «starke Mann» Italien?
Diskussion auf Facebook (2013):
Martin: Es wäre natürlich verhängnisvoll (und vor allem ER würde keine Ordnung, sondern noch mehr Unordung schaffen), wenn in dieser Zeit ein Diktator daherkäme und verspräche, ER würde in diesem Sauladen «Ordnung» schaffen. Also es wäre absolut verhängnisvoll, aber aus der Sicht einiger irgendwie verständlich, dass einige IHM, einem Diktatoren, zujubeln würden
Billo: Purtroppo, sì… Der Vergleich mit Griechenland ist wohl gerade aus diesem strukturell-mentalen Grund nicht abseitig…
Eckart: Wenn es drauf ankommt, versagt die Vernunft der Menschen – ansonsten aber auch.
Billo: Das klingt schon fast nach Einstein…
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