Unser Hausarzt im Grazer Stadtteil Andritz ist in Pension. Seit etwa einem Jahr wird er von einem jungen, motivierten und freundlichen Arzt vertreten. Wer die Praxis betritt, spürt sofort: dieser Arzt ist beliebt, denn die Patienten blieben der Praxis auch unter neuer Leitung treu. Nach dem unerforschlichen Ratschlag der Grazer Ärztekammer soll das mit Ende Jahr Geschichte sein.

Die Kammer hat nämlich eine andere Ärztin gefunden, die «mehr Punkte» hat (dass man das doppeldeutig verstehen kann, ist wohl kein Zufall). Sie – und nicht der bisherige Stellvertreter – soll ab 2014 eine Praxis in Andritz führen. Es wird aber nicht die bestehende Praxis sein, sondern eine wo auch immer in Andritz gelegene. Und sie wird nicht zum 1. Jänner eröffnet, sondern irgendwann im April.
Was die Ärztekammer durch mutwillige Zerstörung von Gewachsenem an Schaden anrichtet, ist beträchtlich. Erstens sind die Patienten, darunter sehr langjährige, plötzlich ohne Vertrauensarzt und verunsichert. Und zornig, weil ihre Bitte um Wahl des jungen Arztes nicht einmal zur Kenntnis genommen wurde. Zweitens muss Dr. Schroeder seine funktionstüchtige Praxis nun auf eigene Kosten entsorgen, anstatt sie einem Nachfolger verkaufen zu können. Drittens müssen die Steuerzahler erkennen, dass sie für die Ausbildung einer Ärztin aufgekommen sind, die es sich aus einer Laune heraus offenbar leisten kann, nicht nur eine bestehende Infrastruktur zu verschmähen, sondern auch eine bestehende Kundschaft; denn wegen paar ominösen Punkten werden Schroeders Patienten kaum zu ihr in ihre bis auf weiteres inexistente Praxis kommen, nachdem sie inzwischen einen andern, real existierenden Arzt konsultiert haben. Und viertens müssen die Krankenkassen, welche den fragwürdigen Entscheid der Ärztekammer fraglos nachvollziehen, am Ende höhere Kosten tragen, wegen Beeinträchtigung des Vertrauen zwischen Arzt und Patient, das für jeden Heilungsprozess wichtig wäre.
Österreich ist ein schönes Land, aber es wird durch menschenferne Hinterzimmerentscheide hässlich gemacht. Vielleicht hat eine gewählte Behörde für einmal den Mut, die Ärztekammer in die Schranken zu weisen und dem gesunden Menschenverstand Bahn zu brechen. Das wäre allen Beteiligten sehr zu wünschen.
Zuerst publiziert am 11.12.2013 auf Facebook
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