
Die Weltbevölkerung wächst weiter. Die landwirtschaftlichen nutzbaren Flächen nehmen weiter ab. Sorgsamer Umgang mit dem Agrarland wäre angesagt. Doch reiche Länder wie China lösen ihr Nahrungsproblem im Weltsüden…
Die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Welt bedecken rund 48 Mio. Quadratkilometer. Rund 10 Prozent davon liegen in China (das aber rund 20 Prozent der Weltbevölkerung zu ernähren hat).
Chinas Industrie vergiftet Böden
Eine Untersuchung kam zum Schluss, dass 33’300 qkm der landwirtschaftlichen Flächen in China derart mit Industrie-Dreck verseucht sind, dass hier kaum mehr Nahrung produziert werden könne [1]. Das sagt nicht irgendein antikommunistischer USamerikanischer Thinktank, sondern ein Funktionär der Regierung in Peking. Die Verseuchung der Böden mit Schwermetallen ist längst ein Thema bei der betroffenen Bevölkerung und in den Medien (zum Beispiel die Cadmium-Kontamination von Reis). Die betroffenen Flächen machen zwar nur knapp ein Prozent der chinesischen Agrarflächen aus, aber es gibt Wissenschafter, die davon ausgehen, dass die Behörden das Problem mengenmässig herunterspielen. Tatsächlich spricht man von insgesamt einen Fünftel der Flächen, die nicht mehr für die Nahrungsproduktion geeignet seien – wegen des explosiven Wachstums der Industrie, des zunehmenden Einsatzes von Agrochemikalien und fehlender Umweltmassnahmen.
Die chinesische Regierung plant offenbar, Milliarden von Euros für die Behebung der Schäden aufzuwenden, zum Beispiel für die Pflanzung von Millionen von Bäumen, welche Schwermetalle aus den Böden absorbieren würden.
Landgrabbing in Afrika: China vorn dabei
Man wird sehen. Heute sind vor allem ganz andere Massnahmen der chinesischen Regierung sichtbar, und zwar auf landwirtschaftlichen Böden in fernen Ländern, deren Bewirtschaftung und Ertrag sich China durch Kaufverträge gesichert hat – zum Schaden der lokalen Bevölkerung zum Beispiel in zahlreichen afrikanischen Ländern. Land grabbing heisst das, zu deutsch: Land wegschnappen. Bereits 2009 nannte ein Artikel in der Zeit Agrarflächen von 200’000 qkm, die China in Afrika und Asien einkaufe [2]. Heute dürfte bereits ein Mehrfaches davon in chinesischer Hand sein [3]. Von staatlichen und privaten Investoren aus andern reichen Ländern ganz zu schweigen. Laut dem Weltbank-Ökonomen Klaus Deininger sind bereits 10 bis 30 Prozent der globalen Agrarflächen Gegenstand von Landgrabbing. [3]
Wer reich ist, kann den Armen nach Belieben wegfressen, das war schon immer so. Heut ist es nur viel schlimmer, weil es global passiert, so dass es nicht mehr nur arme Dörfer und Quartiere trifft (was schlimm genug war), sondern ganze Ländern, so dass Hungernde kaum mehr ausweichen können. Wer reist schon von Afrika nach Peking, um sich Essen zu klauen, bevor er Hungers krepiert?
Wenn ganze Völker vor dem Hungertod stehen, möchte ich nicht in der Rolle der Lakaien Pekings sein, die vor Ort in Afrika bewachen, was im Land bitter fehlt, aber für China bestimmt ist. Da wird Blut fliessen, wenn die Massen gar nichts mehr zu verlieren haben. Allerdings nicht das Blut der Herren in Peking, Washington, London und Berlin. So weit ist die Menschheit noch nicht.
Ursprünglich am 13.03.2021 auf Facebook publiziert, hier aktualisiert am 30.12.2025
Quellen:
[1] Artikel: «Troppo inquinato per produrre cibo. Il terreno della Cina e’ incoltivabile»
[2] https://www.zeit.de/online/2009/34/china-saudi-arabien-landgrabbing
[3] https://www.landmatrix.org
Anmerkung:
Einige der im ursprünglich 2021 publizierten Artikel zitierten statistischen Angaben sind nur vier Jahre später online nicht mehr auffindbar…
Wie immer sind statistische Angaben aus China widersprüchlich und mit Vorsicht zu geniessen. Der staatskapitalistische Zwang zur Übererfüllung des Plans führt oft zu fantastischen Meldungen an die Zentralregierung. Bei der Fischerei hatte die FAO unmöglich hohe Erträge der chinesischen Fangflotten schon Ende der 1990er Jahre enttarnt. Man darf auch über die angebliche Zunahme der landwirtschaftlichen Nutzflächen in China staunen, von 3.4 Mio qkm im Jahr 1961 auf 5.2 Mio qkm im 2001 laut factfish.com (noch so eine Quelle, die nach vier Jahre nicht mal mehr als Domain existiert) – womöglich waren da bereits Agrarflächen in Afrika eingerechnet…
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