
«Der Irrtum bleibt gut verborgen hinter dem vital wirkenden Wort Wachstum. Im Unterschied zur Industrie wachsen Pflanzen und Tiere aber nur bis an ihre genetisch gegebenen Grenzen.
Was immer mit Natur gemeint ist, sie kann nicht grösser werden, auch nicht effizienter oder konkurrenzfähiger. Gegen wen oder was müsste denn eine Hektare Ackerboden im Wettbewerb antreten? Wie hoch sollten Obstbäume in den Himmel wachsen? Welche Effizienz verlangen wir von Regenwürmern und Schmetterlingen? Oder, um diese Fragen auf die landwirtschaftliche Praxis zu beziehen: Muss eine Kuh eine Hochleistungskuh sein und das Saatgut eine vom Konzern gelieferte hybride Superzüchtung, damit Landwirte glücklich sind?»
Jakob Weiss [1]
Was für ein erfrischender Text! Da wird das, was uns ernährt, in treffenden Bildern vom Kopf auf die Füsse gestellt, auf die Erde und in die Natur, zu der wir als Lebewesen gehören, und wenn wir uns noch so gescheit fühlen und als etwas ganze Spezielles ohne sie auskommen zu können.
Eine Bemerkung zur «Ökonomie», die Jakob Weiss als Begriff für alles braucht, was mit einer auf Profit konzentrierten Wirtschaft zusammenhängt: Ich erinnere daran, dass Aristoteles mit «Ökonomie» die Kunst des guten Haushaltens bezeichnete. So gesehen umfasst ökonomisches Verhalten auch das, was Weiss mit nachhaltiger Bodenbewirtschaftung meint – unbegrenztes Wachstum (der Profite) gehört genau nicht dazu.
[1] Jakob Weiss: «Die Schweizer Landwirtschaft – existiert nicht», Infosperber, 14.02.2020
Zuerst publiziert am 14.02.2020 auf Facebook
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