Am 10. März 2010 auf Facebook: Ich denke über Eifersucht nach. Irgendwelche Wortmeldungen dazu?

Michaela: «L’Enfer» d’Henri-Georges Clouzot, avec Romy Schneider et Serge Reggianivor 13 Stunden ·
Christian: Nur eine Wortspende … süchtig eifernd.
Billo: Ich werd’s mir überlegen…
Paz fand irgendwann mal, dass ihm der Eifer abhanden gekommen war, und die Sucht blieb. Schön blöd so etwas! Und ehrlich, ich weiss zwar nicht um was es geht, doch habe ich eine kleine Geschichte zu erzählen. Mein Vater war extrem eifersüchtig. ich erlebte ihn als Sieben- oder so jähriger durch die Strassen des Dorfes irren. Meine deutsche Stiefmutter hatte bBsuch von einem Frankfurter Ex-Studienkollegen gekriegt. Hippiegeneration, mit Seesack und so. Ein lieber Kerl. Mein Vater schäumte und kriegte sich fast nicht mehr ein. Ich habe mich damals 1967 entschlossen, dass Eifersucht in meinem Leben nicht vorkommen soll! Natürlich kam es dann trotzdem vor!
Christof: Ich sag nix, sonst lande ich wieder in der Gummizelle.
Billo: Gummizelle für Tobeifersüchtige? Nicht die dümmste Idee für eine Gesellschaft, die nicht lauter Othellos produzieren möchte…
Christian: Noch eine Wortspende… Entzugserscheinung
Dieter: Eifersucht ist in der buddhistischen Terminologie eine der fünf «störenden Emotionen» (neben Unwissenheit, Zorn/Hass/Abneigung, Stolz und Begierde/Anhaftung). Wird Eifersucht «überwunden», dann erscheint ihre Energie als «Erfahrungsweisheit» und als «kraftvoll schützende Aktivität».
Menschen mit Eifersuchtsneigung sollten auf alle Fälle sehr gut meditieren lernen.
Ybbstalerin: Eifersucht grenzt mich ein. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und ich werde wütend, wenn ich eifersüchtig bin, weil ich merke, wie mein Raum enger wird. Ausserdem weiss ich noch, wie es war, als ich Eifersucht nicht kannte. da war ich frei! Drum ärgert’s mich noch mehr! Mein grösstes Problem an der Eifersucht ist also, dass ich wütend auf mich selber werde. Das fordert viel Energie, die ich viel besser anderweitig nutzen könnte! Zum Beispiel, um zu vertrauen! zu lieben! zu tanzen und zu singen! oder zu trommeln!
Drum geh ich jetzt immer gleich trommeln und singen, wenn ich eifersüchtig bin. Das hilft!
Christof: Solange man eifersüchtig ist kann man nicht lieben, das ist eigentlich der grösste Schaden, der dadurch entsteht. Diese eigene Einschränkung ist womöglich der Grund für den damit verbundenen Schmerz. Wenn die Ursache dafür ausserhalb gesucht wird, kommen Rachegefühle auf, die Spirale dreht sich nur noch schneller.
Ybbstalerin: Das ist etwas ganz Wichtiges, was du da ansprichst. Man sucht in so einem Eifersuchtsmoment gerne die Ursache beim anderen…. (Du hast der Frau hinterhergeschaut! Du hast also damit angefangen! und Du bist deshalb Schuld dran, dass wir jetzt streiten!)
Das war auch ein wichtiger Moment für mich, als ich erkannte, dass die Ursache in mir liegt, und ich begonnen habe, nicht mehr ihm die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich glaube mein Mann hat damals viel mitgemacht mit mir. Ich bin glücklich darüber, daß wir zusammen durch diese Zeit gegangen sind und so daraus Vertrauen wachsen konnte. Ich bin aber auch stolz auf mich, daß ich bereit war, Denkweisen aufzugeben und an mir zu arbeiten. Wenn die Eifersucht jetzt kommt, dann dauert die Wut zwei Sekunden und dann denk ich mir: «Mei bin ich blööd».
Astrid: Und damit ich auch noch meinen Senf dazu gegeben habe: ich hab’s da in der Erfahrung mit der Ybbstalerin, daraus resultierte die Erkenntnis von Christof und das Endprodukt ist bei Dieter nachzulesen.
Yvonne: Zu unterscheiden wäre die Eifersucht unter Liebespaaren sowie die Eifersuch bzw. Missgunst menschen gegenüber, die etwas mehr besitzen, erreichen, wie auch immer. Zum Letzteren darf ich sagen, dass man sich selber degradiert und letztendlich blockiert. also eine absolut negative Eigenschaft.
vor 12 Stunden ·
Ybbstalerin: Nennt man das dann nicht Neid? Neid wird in Mexiko «envidia» genannt, und die curanderos haben damit zu tun, Neider energetisch abzuschneiden, weil die Leute dran glauben, dass Neid töten kann.
Astrid: Ganz deiner Meinung. Missgunst und Neid heissen für mich, etwas haben wollen, was man nicht haben kann, und die deshalb negative Gefühle entwickeln, was dann in Unzufriedenheit und eigenem Unvermögen ausartet. Dieses Gefühl ist mir fremd. Eifersucht unter Liebenden kenne ich und ist für mich eher ein Gefühl/eine Angst, etwas zu verlieren. Auch darin liegt aber eine grosse Portion Unsicherheit. Legt man diese ab, ist es eine Befreiung. Und doch glaube ich, dass ein gewisses Mass an Eifersucht gesund ist. Neid und Missgunst aber sind niedrige Eigenschaften. Ich denke auch, dass Neid töten kann! ·
Rebecca: Es gibt einen alten Spruch über Eifersucht: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
Billo: Christof, genau das ist es, Eifersucht hält die Liebe von innen her aus.
Astrid, etwas Eifersucht gehört immer zur Liebe, das denk ich auch. Wenn sich in mir nicht dieses Gefühl von Eifersucht regen würde, wenn meine geliebte Frau sich mit einem andern trifft, wenn es mir also gleichgültig wär, was sie mit ihm tut, dann müsste sie wohl zu recht annehmen, dass ich sie ja nicht absolut liebe und begehre. Wobei das Begehren das Schlüsselwort ist für diese Art von Liebe, von der wir hier sprechen – es geht ja hier nicht um die Liebe im z. B. christlichen Sinn, die alles annimmt und akzpetiert.
Christof: Eifersucht hat etwas mit dem Blut zu tun (siehe Foto von Billo zu diesem Posting), dieses gerät dabei in Wallung. Wenn man das Blut ablässt, dann ist auch die Eifersucht schnell und nachhaltig vorbei. Gut, man kann das Blut auch beim Nebenbuhler ablassen, aber dann kommt man ins Gefängnis und hat auch nix davon.
vor 11 Stunden ·
Billo: Mann kann das Blut auch bei der Angebeteten ablassen, siehe «Carmen» von Carlos Saura, ein Film, der Eifersucht in schönen und verrückt machenden Bildern in Szene setzt.
Aber genau das zeigt, was die Ybbstalerin schon so gut zur Sprache gebracht hat: Eifersucht, die zerstört. Hingegen berfürworte ich Eifersucht, die zu tieferem Erkennen der Liebe, des geliebten Menschen und vor allem seiner selbst führt – egal, ob dadurch die Liebe mit diesem Menschen tiefer wird oder bricht.
Christof: Die Blutwurst als konzentriertes Drama?
Billo, Du hast was Ernsthaftes gesagt, finde ich: wer das nie erlebt hat, dem fehlt eine Erfahrung.
Anita: Äusserst interessant und spannend, diese vielen gedanklichen Ergüsse… freue mich auf mehr!
Christof: Anita, ich empfehle den «Selbsterguss», dann musst Du nicht warten.
Irmy: Anita, interessieren dich auch gedankliche Ergüsse zum Thema «Leidenschaft?» Ich schick dir eine Anfrage!
Billo, ja, wenn man «dahinterschaut», führt die Beschäftigung mit wesentlichen Beziehungsthemen wie Eifersucht und Leidenschaft zu mehr gelebter Tiefe innerhalb einer Liebesbeziehung, sowie mit dem Umfeld und sich selbst. Und nachdem die Karten jeden Tag neu gemischt sind, muss man sich immer wieder mit dem Thema «wir und die anderen» auseinandersetzen.
Billo: Kann sein, Irmy, dass die Karten jeden Tag neu gemischt werden – entscheidend ist, was man selber will, dann passt man die Hand Karten, die man erhält, diesem Ziel an, statt sich dem Zufall der Karten zu überlassen…
Anita: Irmy, oh ja, diese Themen sind sehr spannend! Ich kann aber nicht länger hier hängen und mich begiessen lassen… muss jetzt Pakete verpacken… (Ein Einblick in das, was ich mache, in der Femintim-Gruppe…). Christof: auch keine Selbstergüsse… leider!
Irmy: Billo, alles fliesst… und Wichtiges zusammen« immer wieder.
Walter: Wenn ich jetzt anfinge, so richtig auszupacken, ginge ich wohl auch noch des letzten Restchens von Chance verlustig, nochmals mit Dieter in einen Dialog zu treten zu versuchen zu können…
Billo: Irmi: Ja, alles fliesst, wie der Fluss, der in seinem Bett bleibt, auch wenn immer wieder neues Wasser kommt, manchmal mehr, manchmal weniger. Anders wird’s nur, wenn viel zuviel Wasser kommt oder gar keines mehr.
Marlise: Wenn ich eifersüchtig bin, dann weiss ich: Achtung, ich muss höllisch aufpassen und mich nicht von diesen Gefühlen kontrollieren lassen. Loslassen lernen, indem ich das Objekt oder den Menschen, für seine Eigenschaft lobe, ihn aufwerte und nicht abwerte, wie das die Eifersucht tut. Das gelingt nicht immer auf den ersten Anhieb.
Astrid: «Das Herz geht zum Messer bis es sticht …» (Emotional/Falco)
Walter: Irmy, kennst du F. K. Wächter? Der zeichnete mal ein Cartoon, wo eine gepflegte Ehefrau in mittleren Jahren ihrem Liebsten zuruft: «Klaus-Dieter, Klaus-Dieter, du bist ein blöder Schieter!» Darauf die Antwort: «Gertrude, Gertrude, verlasse meine Bude!»
Marlise: Wen wertest du auf? – Deine Konkurrentin oder den Noch-Partner?
Irmy: Jetzt kenn ich es. Und ich danke dir dafür, Walter.
Marlise: klar, die Konkurrenz gehört aufgewertet..
Marlise: Walter, die Konkurrentin, sie ist ja in den Augen der Eifersucht die «Böse», die mir den Partner streitig macht. Einen Schritt zurück machen, auf jeden Fall aus der Eifersucht raus gehen und sich einen objektiven Überblick erschaffen. Niemals werten! Eifersucht ist ein Kind des Egos….·
Billo: Astrid, geht nun der Brunnen zum Krug…?
Marlise, einen Schritt zurücktreten heisst für mich, sollte mir meine Frau Grund zu Eifersucht geben: Auf Distanz gehen, damit auch sie sich klar werden kann, was sie will, und was mit mir. Das Gegenteil von Klammern.
Walter: Irmy, sorry, aber den Wächter kennst du erst, wenn du ihn gesehen hast. Hab jedenfalls selten so gelacht!
Billo, würde ich die Pandorabüches meiner Eifersüchte und der damit verbundenen Unwissenheit, Begierde und Anhaftung öffnen, dann wäre mein Todsündenregister nachgerade übervoll, fehlte ja dann nur noch der Stolz..
Marlise, und wenn der objektive Überblick unerfreuliches zutage fördert? Auch dann nicht werten???
Irmy: Bei der Konkurrenz M. Thatcher oder S. Palin würd ich vermutlich einen Hang zur Wertung entwickeln. Dumm aber auch.
Marlise: Walter, werten aufgrund einer objektiven Basis ist etwas völlig anderes als emotionales Werten als Folge von Eifersucht. Wenn der Überblick Unerfreuliches zeigt, muss ich loslassen! Hat die Konkurrenz etwas, das ich nicht bringen kann, ist es besser zu gehen! Oder wie siehst du das?
Walter: Na ja, im Moment seh ich auch keine Möglichkeit, dir entscheidend zu widersprechen, ohne mich aufs Glatteis zu begeben. Nur, damit wir uns richtig verstehn: Das ist ja eigentlich die Übertragung des schrankenlosen Neoliberalismus auf den Beziehungsmarkt, die totale Deregulierung sozusagen!
Marlise: Ich würde sagen, «die Auf und Abs des Lebens» und die Weisheit, damit umgehen zu können. Regulierungen und Regeln sollen den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Weiss nicht, ob man Markt und Leben gleichsetzen kann. Hat der Markt eine Seele? 🙂
Walter: Der Markt hat keine Seele, aber die Seelen haben einen Markt!
Billo: Schon interessant, dass die Kritiker des Neoliberalismus in den selben Denkschemen gefangen sind – als ob Markt eine Realität der Seele wär und nicht eine (in ihrer kapitalistischen Abart) historisch doch ziemlich neue und vermutlich auch eher kurzlebige Organisationsform von wirtschaftlichem Austausch. Es riecht hier jetzt ein wenig nach Vilfredo Pareto, muss mal tüchtig lüften.
Ich danke allen, die mit nachgedacht haben – reichhaltige und schön nachdenkliche Ausbeute!
Irmy: Ein unerschöpfliches Thema, und viele spannende Meldungen! Fein.
Linda: Eifersucht = Sucht, die mit Eifer sucht, was Kummer macht (blöde Eigenart aller denkenden Lebewesen, welche schlecht gesteuert werden kann und zu nichts Gutem taugt. Per Definition: Fehlsteuerung in der Entwicklungsgeschichte von empfingdungsfähigen Lebensformen unseres Planeten, welche in mannigfacher Weise zum Ausdruck kommt).
Zuerst publiziert am 20.03.2010 auf Facebook, hier mit den wichtigsten Wortmeldungen wiedergegeben.
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