Es ist eine Freude, wie Igel Moritz im Freigehege frisst, sich tagsüber artgerecht in der strohgedeckten Schlafhütte aufhält und die Umzäunung nun nicht mehr als Rennbahnbande missversteht. Wenn das so weiter geht, werd ich ihn (sie) noch vor Mitte Mai ganz frei lassen können. Dann ist mein Herz wieder zu haben. Nicht, dass ich es ausgerechnet einem Papagei öffnen möchte – aber so mit ihm über die hiesige Pampa zu fräsen wär schono geil, auch wenn er bei mir mit einem Velo vorlieb nehmen müsste; Motorengeräusche könnt ich ihm ja vornachahmen.
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Die kontrollierte Freilassung von Moritz vor zwei Wochen hatte ich unvermittelt abbrechen müssen. Die zwei sommerlichen Tage im Freilandgehege verbrachte er damals nur damit, unablässig dem Zaun entlang zu wetzen auf der Suche nach einem Loch, durch welches er in den Nachbarsgarten hinter der nahen Hecke entwischen könnte, wo er letztes Jahr wohl gewohnt hatte.
Junger Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), Foto Michael Gäbler / Wikimedia Commons
Irgendwas ist mit mir und den Igeln, offenbar schon länger. Beim Sichten meines Archivs stiess ich kürzlich auf eine Korrespondenz beenden der achtziger Jahre, als ich nebenbei eine Schweizer Tierschutzorganisation reorganisieren half.
Eine Kommunikationsfirma hatte eine Zeitschrift namens «Tierpost» gegründet und offerierte Tierschutzvereinen Seiten mit deren Inhalten zu füllen, um neue Spender zu gewinnen. Die Herausgeber hatten wahrscheinlich kein grosses Fachwissen. Sie boten in der Zeitschrift auch ein paar Bücher zum Verkauf an, darunter ein Buch über Igel, das von Fachkreisen sehr kritisiert wurde. Ich hatte daraufhin die Herausgeber mit wiederholten, stets strenger werdenden Briefen aufgefordert, das Buch sofort aus dem Programm zu nehmen. Eine Geschichte, die ich komplett vergessen hatte.
Moritz ist also nicht mein erster Kontakt mit Igeln, wenn auch der erste in persona. Mittlerweile liegt sein Gewicht klar über 700 g, und nachdem die letzten kühle Nächte offenbar vorüber sind, werde ich demnächst ein Freigehege im Garten einrichten, damit Moritz sich wieder an seine natürliche Umgebung gewöhnen kann, bevor ich ihn ganz frei lasse. Mehr dazu in den nächsten Igel-News.
Anders als in deutschsprachigen Europa gibt es in Italien leider nur wenige Auffangstationen für Igel und keine in meiner Region. Auch auf Igel spezialisierte Tierärzte sind selten; ein einziger in Italien befasst sich ausschliesslich mit Igeln. Seine Klinik mit jeweils etwa 150 Patienten befindet sich im malerischen Novello im Piemont, von mir aus gesehen genau an der gegenüberliegenden Ecke Norditaliens. Ein Arte-Dokumentationsfilm begleitet ihn bei seiner Arbeit [1].
Folge #13 — Folge #15 Alle Folgen oder Suchbegriff «Igel-News» eingeben (Ursprünglich publiziert auf Facebook als Folge #15)
Endlich… Heute gegen Abend war das Freilaufgehege für Moritz bereit, nach ein paar Stunden Basteln und etlichen Rückmeldungen von meinem Rücken. Es war höchste Zeit; mittlerweile wiegt Moritz 777 Gramm (+ 590 in 81 Tagen), und die Temperaturen sind seit ein paar Tagen auch nachts frühsommerlich. Ich hatte drei Tage zugewartet, um Moritz den Lärm des Mähens der hochstehenden Wiese zu ersparen; doch das findet offenbar später statt.