
So also präsentiert sich die Neue Rechte heute. Die Erben der Rassisten und Judenhasser von damals diskriminieren Juden heute positiv; aber sie meinen damit nur das aktuelle faschistische Regime in Israel und dessen Anhänger, und sie meinen es als Bollwerk gegen den Islam, gegen Araber, Afrikaner, Linke und sonstwie andere.
«Stolpersteine» auf Gehsteigen zur Erinnerung an die von den Faschisten in Lager deportierten und ermordeten Menschen gibt es mittlerweile in vielen Städten in Europa, 2500 alleine in Italien – ausser in der Werftstadt Monfalcone, aus der während Mussolinis Herrschaft zahlreiche linke Arbeiter und Intellektuelle deportiert worden waren. Nun hat die 92-jährige Tochter von Natale Marchese die Stadtregierung um einen Stolperstein für ihren Vater gebeten, der in Monfalcone gelebt hatte, im Ersten Weltkrieg als Hauptmann diente und als Sozialist im Zweiten Weltkrieg zahlreichen Menschen zur Flucht vor Mussolinis und Hitlers Schergen verholfen hatte, bis er selber nach Mauthausen deportiert und dort umgebracht worden war.
Die seit acht Jahren von einer stramm rechten Koalition gebildete Stadtregierung wies das Gesuch von Carmen Marchese mit der Begründung zurück, ihr Vater sei ja «kein Jude gewesen», daher gebe es keinen Anspruch auf einen Stolperstein für ihn. Dieser fadenscheinigen Begründung tritt sogar der Triestiner Rabbiner entgegen: die Stolpersteine seien nicht nur zur Erinnerung an den faschistischen Massenmord an den Juden ins Leben gerufen worden, sondern auch zur Erinnerung an alle übrigen in die Lager Deportierten, Roma, Linke und andere.
Nun warten wir halt auf einen Wechsel der Stadtregierung, kommentiert die nationale Vereinigung der ehemals in die Konzentrationslager Deportierten. Tatsächlich steht das Stadtpräsidium nächstes Jahr zu Wahl, nachdem die vom Ehrgeiz gezeichnete Amtsinhaberin mit einer rassistischen Kampagne einen Sitz im Europaparlament ergattert hat und nur noch als gewöhnliches Mitglied im Stadtrat die Fäden ziehen darf. Zu wünschen wär ein Wahlsieg der Linken und Gemässigten, in der Stadt wie dereinst im ganzen von der Rechten regierten Land; aber ob die seit Matteo Renzis egomane Zerstörungswut zersplitterte und desolate Linke das schaffen wird, ist leider mehr als fraglich.
Zuerst publiziert am 1.12.2024 auf Facebook
Nachtrag vom 19.12.2024
Inzwischen hat der freisinnige Interim-Stadtpräsident die Angelegenheit genauer studiert und ist nun zusammen mit der Stadtregierung bereit, «Stolpersteine» auch in Monfalcone willkommen zu heissen. Ich hab ihm soeben gedankt, nicht nur hierfür, sondern vor allem für die – in der Politik leider seltene – Bereitschaft, einen Fehler öffentlich zu korrigieren.

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