
Sonntag! Endlich frei… Und was machst Du daraus? «Das Leben findet während der Arbeitszeit statt», sagt ein Pschologe. Das hat schon was – unter Umständen.
Die wesentliche Frage aber stellte der Psychologe Robert Betz in seinem Artikel «Der Unsinn der Work-Life-Balance» [1] gar nicht: Um was für eine Arbeit es denn da geht, ob sie für mich Sinn macht, wie stark sie mein Leib & Seel in Anspruch nimmt und wie die Arbeitsbedingungen aussehen.
Das Leben findet umso eher auch während der Arbeit statt, je mehr ich selber über sie bestimmen kann. Würden sich mehr Menschen genau hierfür wehren, sähe die Welt erheblich anders aus – und wäre die vom Artikel gestellte Frage ganz unerheblich.
Ich fand es für mich selber grundsätzlich immer wichtiger to do the right thing (und hab dafür gern den grössten Teil meiner Lebenszeit bei bescheidenem Entgelt investiert), als den Frust mit Freizeit zu kompensieren.
Was ist Frei-Zeit überhaupt? Die Zeit, die mir für mein Leben gegeben ist, die mir allein gehört und die vertan ist, wenn ich sie mir nicht nehme.
Oder wie es Adorno so trefflich sagte: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen.»
Des Nachdenkens wert find ich in solchem Zusammenhang wieder einmal den Gedanken des leider fast vergessenen österreichisch–lateinamerikanischen Philosophen und Befreiungstheologen Ivan Illich, den ich hier sinngemäss wiedergebe:
Das wirkliche Problem der immer zahlreicher werdenden Menschheit ist weniger, alle hungrigen Münder zu sättigen, als den Hunger so vieler Menschen nach Sinn in ihrem Leben zu befriedigen.
Oder, wie ich unlängst in einem Portrait im St. Galler Tagblatt [2] zitiert wurde: ««Wenn man nicht in sich selbst zuhause ist, wird man es nirgends werden.».
Zuerst publiziert am 05.01.2014 auf Facebook, hier aktualisiert am 08.01.2026
Quellen:
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