Ein Traum von Eisenbahn…

Video-Still aus «Zug für zwei Halunken» von Robert Aldrich, mit Lee Marvin und Ernest Borgnine (USA., 1973) 

Ich hatte gestern nacht einen bemerkenswerten Traum. War mit Andi unterwegs, irgendwo in Italien. Wir bestiegen einen Zug, den die Leute dort für etwas vom Feinsten hielten.

Nach dem Einstieg führte eine lange Treppe nach unten, in die Eingeweide des Wagen, danach ging’s einen langen Korridor entlang und schliesslich wieder ein paar Treppen hinauf. Treppe, Wände und Decke, alles in blauen Kunstsamt gekleidet, und nirgends ein Fenster, nur Kunstlicht.

An einen Raum mit Sitzen mag ich mich nicht erinnern, nur daran, dass wir uns dem Kaff näherten, bei dessen Bahnhof wir raus mussten. Treppe runter, Korridor entlang, Treppe hoch – wo zum Teufel ist denn der Ausgang? Wir landeten immer nur in Sackgassen. Der Zug fuhr wieder an, wir waren noch drin, wollten keine Scherereien mit dem bis anhin nicht gesichteten Schaffner riskieren und kletterten kurzerhand aufs Wagendach. Um am nächsten Bahnhof nicht wieder zu spät beim Ausstieg zu sein, kletterte ich bald schon wieder runter, verpasste dabei beinah die enge Luke und hatte mich schon vom Zug fallen gesehen.

Ich stand mit Herzklopfen unten im Wagen und merkte erst, dass ich mein Gepäck auf dem Dach vergessen hatte. Nun ja, Andi wird’s mir schon mit runterbringen… Bloss: er kam und kam nicht. Ich tastete mich zum Ausstieg vor, fand ihn tatsächlich, wunderte mich über die vielen Menschen, die an diesem kleinen Bahnhof ausstiegen oder einsteigen wollten. Plötzlich wird mir bewusst, dass ich mit nichts als mit einem T-Shirt bekleidet bin; ich versteck mich hinter einem Pfeiler des Bahnhofgebäudes und warte auf Andi, der nicht kommt…


Zuerst publiziert am 217.12.2011 auf Facebook.
Mein damaliger Facebook-Freund Andi ist leider wenige Jahre später gestorben, der nachfolgend kommentierende Christof auch.


Ausgewählte Kommentare auf Facebook:

Irmy: Mir gefällt besonders der blaue Kunstsamt und die Passage mit dem T-Shirt… vielleicht wird dieser wundersame Auftritt mal Wirklichkeit? *ggg*

Christof: Ziemlich eindrücklich. Ich kenne so Träume, wo ich entweder ein kleines Fahrzeug oder ein kleines Haus habe, das innen dann viel grösser ist. Da diese «Orte» mir gehören, habe ich dann kaum Stress, im Gegenteil, es ist drinnen sehr gemütlich. Ob da der Umsteigestress bei der Ö-Bahn seine Spuren hinterlassen hat?

Irmy: Finde die Kombination Billo/Andi bemerkenswert… Andi stammt aus Wien… und letztes Mal fuhr Billo (hoffentlich das letzte Mal) über Wien (!) nach Graz – aus Winterthur kommend.

Andi: Der Traum is natürlich ein Hammer! Billo, fühle mich geehrt, in deinen Träumen erscheinen zu dürfen! Er kommt und kommt nicht! LOL! Interessant ist auch: Warum fährt man über Wien nach Graz, wenn man aus der CH kommt?

Billo: Letzteres musst den ÖBB-General Kern fragen. Der überlegt sich derzeit noch, ob er meine Wette annehmen soll…

Irmy: Du bist heut sowas von «im Gespräch», Andi, das glaubst nicht! :-))
Ihr solltet die Italienreise endlich buchen…

Andi: Also, ÖBB und Post, zwei Unternehmen mit öffentlichem Auftrag, also auch bzw. vor allem mit öffentlicher Verantwortung zum großen, nämlich zum lukrativeren, Teil zu privatisieren, den Rest also verkommen zu lassen, war Verdienst unserer Schwarz/Blauen Regierung (ÖVP/FPÖ) . Da sind irreparable Schäden am Unternehmen entstanden. Jeder hatte Angst, es würden repressive Gesetze erlassen werden, wenn die Rechten regieren. Das war aber ein Riesenbluff. Die Leute waren abgelenkt, und haben gar nicht gemerkt, dass sich derweil die Akteure das Staatsvermögen aufteilen, indem sie Riesenprovisionen ihren Freunden vermitteln, und so aus dem Verkauf profitieren. Ich möcht gar nicht wissen, was da noch alles ans Tageslicht kommt….

Billo: Schon klar; aber verkommen sind die Staatsbetriebe schon vor der schwarzen Zeit, weil auch rote Barone sich bedient statt gedient haben…

Andi: Nicht in dieser Form. Man könnte sagen, sie haben sich Privilegien und zu höhe Löhne verschafft, aber sie haben nicht geklaut! Das ist dann doch ein Qualitätsunterschied..

Billo: Nicht geklaut, das ist wohl richtig, aber versaut (nicht gepflegt, nicht gerechnet, nicht investiert, usw.)

Andi: Erstens haben die Roten, und auch die Schwarzen, nach dem Krieg fast bei Null angefangen, zweitens war jeder Kaff in Ö immer erreichbar, sprich, die Dienstleistung war perfekt. Immer pünktlich, nicht zu teuer, sicher eines der besten Bahnunternehmen in öffentlicher Hand der Welt. Also, da bin ich nicht deiner Meinung. Selbiges gilt auch für die Post. Ein Brief dauerte ca. zwei Tage. Heut kann man froh sein, wenn man ihn überhaupt bekommt…
Das Konzept «Schiene statt Strasse» sah eine Zeit lang sogar vielversprechend aus….

Billo: Andi, wenn ich zu wählen gezwungen wär zwischen Rot und Schwarz, ist schon klar, wo meine Präferenzen lägen. Und ich kann zum Wohl der Republik nur hoffen, dass Grasser und die ihm gleichgesinnten Ministerkollegen und Hintermänner alle vor die Schranken müssen und danach hinter Gitter, inklusive dem damaligen Regierungschef, der das alles ja nur geschehen lassen konnte, weil er entweder ein schöngeistiger Trottel ist oder selber ein Krimineller.
Aber dass eine Bahn innert weniger schwarzblauer Jahre zunichte gemacht werden kann, ist eine rosarote Legende. Bei der Post, na ja, vorstellbar; aber eine Bahn ist ein schwerer Supertanker mit langfristigen Investitionen, die ist nicht innert ein paar Jahren platt – es sei denn, es hat schon zuvor jahrelang keine Investitionen in die Zukunft mehr gegeben, weil das Geld anderswohin floss, in korrupte Ostbahngeschäfte, in überrissene Frühpensionen, in Bahnhoftempel als Mausoleen für mittlerweile ausrangierte Bahnchefs, usw.

Andi: Oh, es waren immerhin 9 Jahre, fast ein Jahrzehnt. Und zweitens wurde der Kurs des Unternehmens ÖBB um mindestens 90° gedreht. Dann: Der Osten schien lukrativ, die Pensionen entsprachen den Gesetzen, und die Bahnhöfe werden jetzt gerade erst renoviert. In Wien sehr ansehnlich zu erkennen, weil alle Bahnhöfe Baustellen sind. (Ausser der Praterstern, ehemaliger Ostbahnhof, der ist fertig.) Die Mausoleen musst Du mir mal zeigen, kenn ich gar nicht….

Billo: Zugfahren in Helvetien ist vorwiegend, aber dafür sehr teuer, weil jahrzehentelang und bis heute immer wieder happig investiert wurde.

Andi: Im Hochgebirge ist der Straßenbau vermutlich auch noch teurer….

Billo: Ich denk z. B. an den eben fertig umgebauten Bahnhof Salzburg: Riesige Bahnsteigüberdachung, toll anzuschauen, bloss wird man tropfnass, wenn’s regnet und man auf der Windseite ein- oder aussteigen muss. Und trotz elend langer Bahnsteige gibt’s genau 1 Unterführung, durch welche sich alle Passagiere zwängen müssen. Hauptsache, das Ganze sieht aus wie ein Palast…
Ich halte Strassenbau prinzipiell für Verschwendung, solang im Einzelfall nicht das Gegenteil bewiesen werden kann.

Andi: Also, ich dachte ja, du sprichst über die Zeit vor der Schwarz/Blauen Koalition. Du, diese Umbauarbeiten, vor allem in Wien (da kenn ich mich aus) waren dringend nötig. Noch ein Punkt, in dem die Schwarzen geschlafen haben. Vor lauter Geld zählen ist es ihnen gar nicht aufgefallen, dass die Infrastruktur gen Osten während des Eisernen Vorhangs natürlich verkommen ist, und erneuert werden hätte müssen. Wir beginnen damit mit 20 Jahren Verspätung! Man wird erst sehen, ob das ausreichend ist, was da gemacht wird….

Billo: Ich sprach auch über die Zeit der Roten, v. a. was langfristige Investitionen betrifft, zu welchen teilweise grosse Bahnhöfe gehören. Dass die direkten Züge Linz-Garz ganz und Salzburg-Graz fast ganz abgeschafft worden sind, liegt nicht an den Schwarzblauen allein; die Strecken verludern schon länger, und die erfolgreich konkurrierenden Autobahnen sind wohl auch schon älter.
Also nur mal um klarzustellen, Andi: der mit dem Hut bin ich, denn blond krieg ich in meinem Alter nicht mehr hin. Okay?


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