Schlagwort: Flughafen Zürich

  • Die Welt spinnt – Schweiz vorn dabei

    Schweizerfähnchen im Blumenkasten zum Nationalfeiertag (Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons)

    Die kleine, so nette und friedliche Schweiz ist dank eines Teils ihrer Elite vorn dabei, wenn es ums Profitieren geht. Oft mit Erfolg. Drei Radiobeiträge in der Woche vor dem Nationalfeiertag: Fliegen, Banken, Fussball – sozusagen ein Ersatzfeuerwerk für das in diesem Jahr klimabedingt verbotene Abbrennen von Raketen, Böllern und Vulkanen.


    Grossflughafen

    Die Grünen wollen mit ihrer Mobilitätsfonds-Volksintitiative unter anderem dafür sorgen, dass die Spiesse der Bahn endlich gleich lang werden wie jene der steuerlich noch immer massiv privilegierten Herumfliegerei. Damit soll es der halbwegs klimabewussten Mehrheit leichter gemacht werden, aufs Fliegen und aufs faule Ausreden hierfür zu verzichten. Denn bis jetzt verzeichnet Zürich konstant steigende Passagierzahlen. Dabei ist Fliegen für immerhin 12 Prozent der Schweizer Treibhausgasemissionen verantwortlich, von anderen Klimafolgen ganz zu schweigen.

    Ich abonniere den Newsletter von Billo.

    Doch die Politik hat bisher eine gerechtere Besteuerung des Fliegens verhindert. Gar nicht goutiert wird das Anliegen der Grünen etwa vom notorisch am rechten Rand der FDP politisierenden Berner Nationalrat Christian Wasserfallen. Er hält das für eine «Zwängerei», denn die Forderung sei ja schon einmal bei der Volksabstimmung über das CO2-Gesetz abgelehnt worden. Während das Klima zusehnds aufgeheizt wird, sollen die Stimmbürger also nicht klüger werden dürfen – als wäre es eine Zwängerei gewesen, dass die Frauen in der Schweiz nach mehrmaligem Anlauf endlich das Stimmrecht erhalten haben. Zudem gebe es laut diesem Parlamentarier ja gute Gründe, zu fliegen, weil «sehr viele Leute auch Familie im Ausland haben». Ja, wenn einem die Argumente ausgehen… [1]


    Grossbank

    Der im Bankenparadieslein Lugano aufgewachsene Sergio Ermotti, das immer üppiger werdende verwöhnte Kind an der Spitze der für die Schweiz schon viel zu gross gewordenen UBS, will mit «seiner» Bank den US-Finanzmarkt erobern. Warum das, jenseits persönlicher Ambitionen einiger Banker und Investoren, für die Schweizer Volkswirtschaft von Vorteil sein soll, weiss kein Mensch. Was jedoch alle wissen: Das kann zum Super-GAU werden für die Schweiz, die bei der Implosion der Grossbank Crédit Suisse (CS) nur mit viel Glück mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Die seit der Einverleibung der CS noch gigantischer gewordene UBS erreichte im Jahr 2025 eine Bilanzsumme von 1662 Milliarden US-Dollar, das ist fast doppelt so viel wie das Bruttoinlandprodukt der Schweiz im selben Jahr (868 Mia CHF). Die UBS ist nicht nur too big to fail, sondern die Schweiz ist too small to survive a UBS flop.

    Darum verlangen die Schweizer Regierung und vor allem deren iron lady, die Finanzministerin Karin Keller-Suter, dass die UBS ihre Auslandsgeschäfte zu 100 Prozent mit Eigenkapital absichern muss. Ermotti und die Seinen laufen dagegen Sturm, als ob damit die Zukunft der UBS auf dem Spiel stünde; wie üblich steht die Drohung eines Wegzugs ins Ausland im Raum.

    Ja, dann lasst sie doch ziehen! Was die Schweizer Volkswirtschaft an Bankdienstleistungen braucht, können auch grosse Institute wie die Zürcher Kantonalbank, die Raiffeisenbank und andere erbringen. Der lebendige Schweizer Bankbranche würde die Lücke (?) rasch und durch ein besseres Gleichgewicht ersetzen. Die Schweiz wäre ein nicht mehr zu bewältigendes Risiko los, mitsamt dem allfälligen Reputationsschaden, denn mit Sitz im Ausland müsste die «Union de Banques Suisses» auf die Marke Schweiz in ihrem Namen ja dann verzichten.

    Aber noch hauptsitzt die UBS in Zürich, und dass das so bleibe, dafür engagieren sich bürgerliche Parlamentarier, diese Vertreter der freien, notfalls vom Staat zu rettenden Wirtschaft: sie wollen der UBS-Forderung nach einer geringeren Kapitalabdeckung entgegenkommen – bluten würden ja im Notfall nicht sie, sondern wie immer die Allgemeinheit. [2]


    Grossfussball

    Der Präsident des Weltfussfallverbands FIFA, Gianni Infantino – nomen est omen, auch er ein mental superadipöses Baby seines ebenfalls nicht gerade der Korruption abholden Ziehvaters und Vorgängers Sepp Blatter; offenbar gedeiht diese Sorte besonders gut im Kanton Wallis – will mit dem üppigen Geschäft mit den allvierjährlichen Fussballweltmeisterschaften ein noch viel grösseres Geschäft machen, indem er es aus dem Verein auslagert und auf den Kapitalmarkt wirft, wohl dann mit Geschäftssitz in einem Steuerparadies.

    Dabei profitiert die in Zürich domizilierte FIFA bereits seit langem von steuerlichen Privilegien, die Vereine in der Schweiz geniessen. Sie muss dem Fiskus nur etwa einen Fünftel dessen abliefern, was Aktiengesellschaften vergleichbarer Grösse an Steuern bezahlen [3]. Der Missbrauch der Vorzugsbehandlung von Vereinen durch die reiche FIFA ist seit Jahren ein Thema im Schweizer Parlament; bis ins rechtsbürgerliche Lager wird eine Änderung der geltenden Praxis verlangt, bisher erfolglos, vielleicht auch aus Angst, den FIFA-Hauptsitz und damit Renommée an ein anderes Land zu verlieren. Sollte Infantinos Plan trotz Kritik seitens diverser nationaler und kontinentaler Fussballverbände durchkommen, würde das nicht nur massiv Geld in seine und seiner Freunde Kassen spülen, sondern die FIFA von der einzigen gewinnbringenden Tätigkeit befreien und somit die Schweizer Steuerdebatte ins Leere laufen lassen. [4]


    Quellen:

    [1] https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/ambitionierte-klimaziele-ja-flugverhalten-anpassen-nein?partId=LzHpdaLYTMUFl8NNwW58uUbvdOo#autoplay

    [2] https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/wie-die-ubs-endlich-den-us-markt-erobern-will?partId=wx98ep1_wEoN0ZbPTE6PfOytpjc

    [3] https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/geld-und-loyalitaet-warum-die-fifa-die-wm-teilprivatisieren-will?partId=k3XfmGwsqrOLQhe6zFd4928dXzE

    [4] https://www.watson.ch/wirtschaft/schweiz/712769465-wie-viel-steuern-bezahlt-die-fifa-in-der-schweiz-die-nackten-zahlen

Suche

Übersetzen · Translate

Kategorien


Alle Stichwörter · Keyword list

Automatisierung Bahnfahren Bedingungsloses Grundeinkommen Berlusconi Burka Bürokratie Covid-19 democracy Demokratie Deutschland EU Europa Evolution Faschismus Gesundheitswesen Gewichtsverlust Graz Igel Impfung Iran Israel Italien künstliche Intelligenz Landwirtschaft Lega Linke Matteo Renzi Meloni Migration Monfalcone Politik Schweiz Populismus Salvini Schweiz Spanien Spitalalltag SVP Traum Trump Ukraine USA Verschleierung ÖBB Österreich öffentlicher Verkehr


Artikelarchiv · Articles by date