Schlagwort: Reichtumssteuer

  • TAX THE RICH?

    Der deutsche Multimillionär Sebastian Klein will neunzig Prozent seines Vermögens verschenken. (Screenshot aus dem hier zitierten Film)

    Würden die Vermögen des reichsten Prozent der Menschheit einer Steuer von einem Prozent unterworfen, spülte das jedes Jahr drei Billionen in die Kassen der Staaten, die damit bessere Schulen, ein Gesundheitswesen für alle, bessere öffentliche Dienstleistungen und die Bekämpfung von Armut finanzieren könnten. Den Superreichen ginge dabei nichts verloren, denn die Gewinne auf ihren Vermögen sind weit grösser als ein Prozent. Was würde diese Steuer also wirklich ändern?

    Dass Schwerreiche viel weniger zum Gemeinwohl beitragen und gleichzeitig sehr viel mehr Einfluss auf Politik und Wirtschaft haben, ist offenkundig. Eine Abgabe auf ihre grossen Vermögen ist daher gerechtfertigt, und viele Multimillionäre sind durchaus bereit dazu und organisieren sich sogar, um ihrer Forderung nach einer Steuer auf grosse Vermögen Nachdruck zu verleihen, wie ein Dok-Film des ORF zeigt [1].

    Selbst wenn die Reichensteuer auf zwei Prozent angehoben würde, wie einige der Multimillionäre verlangen, würde sich ausser der besseren Finanzierung der öffentlichen Aufgaben wenig an den Gründen für die zunehmende Kluft zwischen wenigen Superreichen und der Mehrheit der Habenichtse ändern ändern. Der grösste Teil der private Vermögen bleibt weiterhin auf eine extrem kleine Minderheit konzentriert und wird via Investitionen in Grundeigentum und Finanzgeschäfte automatisch in die Verfestigung der Kluft investiert.


    Private Vermögen begrenzen

    Warum sollen Superreiche nicht einen grossen Teil ihres Vermögens an die Allgemeinheit zurückgeben, ohne deren tägliches Tun und Konsumieren sie gar nicht der reich geworden wären? Sebastian Klein geht diesen Weg: von den 200 Millionen, die er beim Verkauf seiner App Blinkist eingenommen hatte, will er neunzig Prozent einer Stiftung übergeben, auf die er – anders als Bill Gates und andere Megastifter – selber keinen Einfluss haben wird. Auf diese Art untergräbt ein Superreicher tatsächlich das ungerechte System, dass ihm derart viel Geld beschert hat; mit den 20 Millionen, die ihm verbleiben, ist er immer noch bestens für den Rest seines Lebens ausgerüstet. Bleibt die Frage, ob die 180 Millionen nicht besser eingesetzt würden in staatlicher Hand oder ob angesichts des zunehmend fragwürdigen Spitzenpersonals in der Politik die Lösung bisher nachlässig der Probleme eben gerade in die Hand einer unabhängigen Stiftung gehören.

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    Für jene, die nicht so grosszügig mit ihrem unverhofften Reichtum umgehen wie Sebastian Klein ist auch eine andere Lösung in Diskussion: die Beschränkung privater Vermögen auf einen bestimmten Betrag, was diesen übersteigt, wird wegbesteuert oder müsste gestiftet werden. Auch so würden die Ursachen für die Kluft zwischen Reich und Arm, Mächtig oder Ohnmächtig stark beschnitten. Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit für alle erhielten wieder mehr Luft zum Atmen. Eine derartige Lösung wird sich freilich erst durchsetzen, wenn in den Parlamente und Regierungen vorwiegend Menschen tätig sind, die sich dem massiven Einfluss des grossen Geldes entziehen. Die Mehrheit der sogenannt einfachen Menschen wäre längst dafür.


    Nachsatz: Grundeigentum

    Die Wurzel der ökonomischen Ungleichheit liegt in der extrem ungerechten Verteilung des Eigentums an Boden. Wenige besitzen viel Land, die allermeisten müssen Miete dafür bezahlen, auf einem kleinen Stück Boden leben zu dürfen. Wenn Boden allen gehörte, also niemandem, hätte jeder Mensch das unverlierbare Recht auf die Grundlage seiner Existenz.

    Mehr dazu in «Über den bedingungslosen Anteil jedes Menschen an der Welt»


    [1] Christa Hofmann, ORF-Weltjournal (2025): «Überreichtum – Millionäre fordern Reichensteuer» (30′) oder auch hier zu sehen:

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