
Wie zugenagelt die Gehirne von Bauernfunktionären und Agrarpolitikern in der Schweiz sind, zeigt deren Widerstand gegen die Erforschung der Folgen des Einsatzes von Chemie in der Landwirtschaft. Die Lehre daraus müsste heissen: Auf die Felder darf nur gespritzt werden, was nachweislich unbedenklich ist.
Vor der Volksabstimmung über die Trinkwasser- und sie Pestizid-Initiativen [1] im Sommer 2021 hatten Agrarkreise mehr Transparenz versprochen. Nachdem beide Initiativen an der Urne scheiterten, war der Druck weg und das Versprechen schon wieder vergessen.
Während zum Beispiel ausländische Langzeitstudien einen Zusammenhang zwischen Pestizid-Einsatz und Alzheimer-Erkrankungen bei Bauern und benachbarter Bevölkerung nachwiesen, wurden solche Daten in der Schweiz bisher nicht systematisch erhoben. Wissenschafter, die das nun nachholen wollen, stehen unter massivem Druck der Agrarlobby, wie eine Sendung von Radio SRF [2] zeigt . Auch diese Sendung selbst ist ein krasses Beispiel von Wissensverhinderung von rechts, nämlich seitens der unheimlichen bäuerlich-bürgerlich-industriellen Allianz, die derzeit die Mehrheit in Regierung und Parlament stellt – die bisher wöchentliche Wissenschaftsmagazin musste Ende 2025 unter dem von rechts diktierten Spardruck eingestellt werden und wird fortan «ersetzt» durch einen einzelnen Beitrag jeweils montags in der Nachrichtensendung «Echo der Zeit»…
Selbst wenn in der Schweiz dank der jahrzehntelanger Umwelt-Kampagnen einige der anderswo erlaubten Agrarchemikalien inzwischen verboten sind: der Mix der versprühten erlaubten Mittel macht es schwierig, die negativen Gesundheitsfolgen abzuschätzen. Und unter dem Druck der Agrarlobby sollen künftig sogar neue Chemikalien zugelassen werden, was die Folgeabschätzung noch schwieriger macht.
Beweislast umkehren: ein Beispiel zeigt, wie’s geht
Es wäre längst an der Zeit, die Beweislast umzukehren und in der Landwirtschaft nur noch Hilfsmittel zuzulassen, die nachweislich unbedenklich sind. Die entsprechenden Studien sollten von unabhängigen Stellen und nicht von der interessierten Industrie durchgeführt werden. Der Bund verfügt bereits über eigene Agrarforschungsanstalten und könnte zudem seine eigenen und kantonale Hochschulen beauftragen.
Ein Beispiel für erfolgreiche Beweisumkehr in der Landwirtschaft lieferte der Bund selber vor wenigen Jahrzehnten bei der Abschaffung der Haltung von Legehennen in Batterien. Entgegen eines weit verbreiteten Missverständnisses sind Legebatterien in der Schweiz nicht grundsätzlich verboten; jedes Batteriesystem muss sich aber einer ethologischen Prüfung durch das Bundeszentrum für tiergerechte Haltung von Geflügel unterziehen, ohne die keine Betriebsbewilligung zu haben ist. Weil kein einziges System diese Prüfung bestand, gibt es seit über zwanzig Jahren in der Schweiz keine Legebatterien mehr. [3]
Die Schweizer Erfolgsgeschichte ohne Käfigeier zeigt, dass und wie die Landwirtschaft in eine weniger schädliche Richtung gelenkt werden kann – wenn man will und muss.
Quellen:
[1] Wie Biobauern sich ins eigene Knie schiessen
[2] Radio SRF 12.01.2026: Pestizide als Krankmacher – ein heikles Thema
[3] Billo Heinzpeter Studer (2001): «Schweiz ohne Hühnerbatterie. Wie die Schweiz die Käfighaltung abschaffte»
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