
Meine Bemerkungen unlängst über die hiesige Spitalkost scheinen bei vorbelasteten Leserinnen Bilder von Schlangenfrass provoziert zu haben. Das tut mir leid; ganz so übel ist es denn doch nicht. Es gibt sogar hin und wieder positive Überraschungen auf dem Tablett, das mir mittags und abends auf den Tisch beim Fenster gestellt wird.
Zum Beispiel das nicht zu kleine Stück einer Art Eier-Gemüse-Omelette gestern abend, luftig gebacken. Oder das mit Sorgfalt kurz im Ei gebratene Schollenfilet am letzten Wochenende, auch wenn ich es nur geniessen konnte, indem ich für eine Weile ausblendete, unter welch brutalen Bedingungen das Tier vom Meeresboden gerissen und an Bord dem langsamen Verrecken überlassen worden war. Auch die cremigen Joghurts der Latterie Friulane munden mir sehr, solange ich nicht an die Kühe denke. Vor allem andern aber mag ich im Dampf gegarte Zucchini und cremige Gemüsesuppen, die hin und wieder auf dem Menü stehen. Alles andere ess ich halt ebenfalls, um den Verlust eines Achtels meines Körpergewichts möglichst bald wieder auszugleichen.
Ein paar Ausreisser im umgekehrten Sinne gibt es auch beim insgesamt sehr engagierten und kompetenten Personal. Etwa die junge Ärztin, die kaum Zeit zu haben scheint für mich und der ich die zu stellenden Fragen fast auf die Zunge binden muss. Oder der Hilfspfleger, der sich im fernen Kalabrien den Job hier wohl bequemer vorgestellt hat und sich nun mit Dienst nach Vorschrift schadlos zu halten versucht. Ich bedanke mich gleichwohl jedesmal und versuche, sie in ein kurzes Gespräch zu entführen, und schon tauen sie etwas auf und scheinen anderntags ihre Aufgabe und mich etwas mehr zu mögen. Egal auf welcher Stufe der Spitalhierarchie, die hier in Gorizia viel weniger zu spüren ist: Die Arbeit mit Patienten aller Art fordert viel, und alle, die sie auf sich nehmen, haben meinen grossen Respekt.
Zuerst publiziert am 03.06.2022 auf Facebook.
Folge #3 – Folge #5
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Ausgewählte Reaktionen auf Facebook:
Runa: Weile gerade in Davos in der Reha und freue mich täglich über das feine, gesunde Essen (viel Gemüse).
Ulla: Lieber Billo, gut, das es so läuft. Ich habe meinen letzten Aufenthalt im Krankenhaus sehr gut in Erinnerung. Obwohl ich eine normale Kassenpatientin war, bekam ich einen Einzelzimmer, beim Frühstück meinen Vollkornbrötchen, nur Salat gab es zu wenig. Meine in der Nähe wohnende Freundin brachte mir einen wunderbaren Salat. Wäre ich da in der Nähe, würde ich auch versuchen, deine Wünsche zu füllen.
Andrej: Prima, Billo, und die Einzelmotivation der Gesundheitsarbeiter geht vor der Patientengewerkschaft. Ich hatte in Schwaben Glück, dass ich vom Oberarzt der Klinik unterstützt war. Der wollte auch, dass es sich ändert, und hat mir oben immer beigestanden, wenn er angerufen wurde. Er hatte meine Spassguerilla verstanden. Unter anderem, dass die Gewerkschaft nur in meinem Zimmer lokalisiert war. Die anderen Zimmer waren assoziierte Mitglieder auf Probe.
Daniel: Bei den Zucchinis hat Dich nicht auch das schlechte Gewissen geplagt? Diese armen, kleinen, hilflosen Zucchinis, die im Kindsalter brutal von der Mutterpflanze abgeschnitten werden und dabei Höllenqualen ausgesetzt sind. Es ist einfach barbarisch, über so junges Gemüse herzufallen. Es müsste ein Schutzalter geben!
Billo: Halb so wild, Daniel – das, was in Italien liebevoll Zucchini genannt wird, sind in der Schweiz ziemlich ausgewachsene Zucchetti – im Gegensatz zu den meisten Zuchtfischen, die deutlich vor dem Erwachsenenalter geschlachtet werden. Grundsätzlich ist es aber schon so, dass auch Pflanzen Lebewesen sind und rücksichtsvoll genutzt werden sollen, vor allem, wenn nicht nur – wie im Fall der Zucchini – die Früchte, sondern ganze Pflanzen geerntet werden. Siehe dazu: «Tiere nutzen? Und Pflanzen?»
Maggie: Gibt’s dort noch immer keine bio-vegane Option? Warum wollen die nicht, dass Menschen gesund werden?!
Billo: In welchem Schweizer Spital gibt’s die denn?
Walter: Nicht hundertprozentig durchgezogen im Kantonsspital Winterthur
Wuwi: Hirslanden.
Billo: Im dortigen Restaurant hab ich mal gut gegessen ich; aber wie sieht es denn auf den Zimmern aus? Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter sich begeistert geäussert hätte.
Wuwi: Hirslanden ist Spitze. Aus den diversen Menüs (auch vegetarisch) kannst du jeweils ein Tag vorher bestellen, war immer top und ich war mehrmals dort, zu verschiedenen Zeiten.
Billo: Gedeckt von der Krankenkasse oder von Privatversicherung?
Walter: Im Basler Spital vorzüglich
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