
Moritzli nimmt seit zehn Tagen stetig zu.
Heute abend wog er 363 Gramm, jedenfalls solange er die Nase noch auf der Waage beliess. Nach Lehrbuch müsste ein nicht ausgewachsener und zu magerer Igel täglich sieben Gramm zulegen, er aber hat in dieser Zeit fast zehn Gramm pro Tag geschafft. Ausser Fressen (110 Gramm Katzenfutter pro Tag) und Scheissen (mehrmals tüchtig) hält er tatsächlich sowas wie Winterschlaf. Wenn er so weitermacht, erreicht er oder sie Ende März das Gewicht, bei dem ich ihn in den Garten setzen kann, falls die Nachttemperaturen dann schon günstig sind.
Folge #08 — Folge #10
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(Ursprünglich publiziert auf Facebook)
Einige Reaktionen auf Facebook:
Daniela: Du hast einfach ein gutes Herz und eine kindliche Neugier. Beides bewundere ich sehr an dir!
Brigitte: Schön, dass das so wunderbar klappt – und danke für die Geduld, die es auch braucht.
Walter: Bis zu den Iden des März wird er dich locker domestiziert haben.
Linda: Bravo, alles richtig gemacht, mit Deinem all inclusive Service. Bei uns wuseln nachts auch bereits seit längerem wieder Igel rum, aber ist ja kein Wunder bei den Temperaturen, es spriesst und macht wie ich es noch nie zuvor erlebt habe.
Ulla: Der Moritzli hat tüchtig zugenommen, wie kühl ist sein Winterschlafplatz?
Billo: 17-18° – er soll ja eben nicht durchschlafen, sondern dazwischen immer wieder mal fressen.
Doris: Das freut mich für dich und Moritzli sehr. Es gefällt ihm offenbar sehr bei dir. Geniesst diese gemeinsame Zeit. Vielleicht bekommst du im Frühjahr, wenn du ihn/sie freilässt im Garten später noch eine ganze Igelfamilie als Gartengäste.
Dominique: Wäre spannend, wenn man ihn/sie danach mit einem Tracker ausstatten könnte, um weiterhin sehen zu können, wie er vom Haustier wieder zum «Ausserhaustier» wird. Aber die Dinger sind wohl nicht klein genug.
Billo: Das mit dem Tracker hab ich mir ja schon für meine Zizzi überlegt, ich lese grad bei Jonathan B. Losos darüber; allerdings hätte ich tiefergreifende ethische Bedenken als er: Inwiefern könnte es überhaupt zulässig sein, eine andere Person zu beobachten bei einem bewusst ausserhalb meiner Sicht ausgelebten Verhalten? Wenn diese Frage gegenüber menschlichen Personen gilt, muss sie auch gegenüber nichtmenschlichen Personen erst genommen werden. Dass der Igel bei mir einen Namen hat, zeugt von seinem Status als Person, also…
Sie dazu auch meinen Beitrag «Tierbeobachtung, künstliche «Intelligenz» und Tiernutzung».
Ich beschäftige mich seit langem mit Ethologie, angesteckt von den bahnbrechenden Studien des Schweizer Forschers Alex Stolba, der in den 1980er Jahren ein Jahr lang das Verhalten von Hausschweinen beobachtet hatte, die in einen riesigen Park freigelassen worden waren; so etwas wie Tracker, Drohnen usw. war damals unbekannt, Stolba hat einfach akribisch notiert und dann daraus Schlüsse gezogen, was Schweine in einem Stall brauchen, um ihr Verhaltensrepertoir ausleben zu können.
So ähnlich mach ich das mit Katze Zizzi; ich beobachte ihr Verhalten dann, wenn sie in meiner Sichtweite ist, und ziehe Schlüsse daraus, wie wohl es ihr ist. Bei Igel Moritzli ist das schwieriger, da er ja fast immer in seiner Hütte schläft; ich muss mich also an bescheidene Daten wie Gewichtszunahme und Zustand der Exkremente halten.
Aber natürlich würd es mich schon sehr wundernehmen, was Zizzi so in anderen Gärten treibt und wie Moritzli sich dort wieder zurechtfinden wird… Neugier ist der Anfang aller Wissenschaft.
Manfred: Obacht, adipöse Igel vermehren sich schlecht.
Billo: Na, von adipös kann ja keine Rede sein. Ob er, einmal wieder in Freiheit, überhaupt eine Partnerin begeistern kann, halte ich aus ganz anderen Gründen für fraglich, angefangen damit, ob er sich autonom in Freiheit am Leben erhalten kann.
Vor allem aber: Wäre meine spontane Motivation vom Artenschutz geprägt gewesen, hätte ich dem armen kleinen Kerl vielleicht gar keine Gefangenschaft zugemutet. Mir ging es zuerst darum, den Überlebenskampf dieses einen Individuums zu unterstützen.
Helmut: Hab schon dreimal Igel aufgepäppelt, jeweils auf ca. 650 g. Wundert mich, dass der jetzt schon wach ist. Richten sich vermutlich nach der tatsächlichen Wärme. Du kannst dem auch Rührei, recht weich und ungewürzt machen. Die lieben auch Regenwürmer. Ab und zu einen lebend. Ist deren Hauptnahrung in der Natur.
Billo: Ei mag er nicht, Helmut, und ich keine Würmer 😉
Laura: Bello lui ! Billo tu ! Una bella bolla !
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