
Ich bin erfreut darüber, dass in der stets gediegen argumentierenden NZZ einer wie Berlusconi unumwunden als Krimineller bezeichnet wird.
Die Parallele zwischen Schettino und Berlusconi hat einen gewissen Reiz, die hieraus gezogene Schlussfolgerung hingegen, Italien brauche neues Führungspersonal, ist kurzsichtig. Kein anderes Land Westeuropas hat seine Chefetage so oft durchgespült. Dafür ist das mittlere Personal seit Jahrzehnten das ewig gleiche: immer die selben hochbezahlten Politkastenangehörigen, welcher Couleur auch immer (noch nicht mal die mit den 5 Sternen wurden zum Lichtblick), und schlimmer noch: immer die selben grauen Eminenzen mit ihren Anhängen in einer Verwaltung, die den Bürgerenen schwer auf Tasche und Gemüt liegt. So lange sich die Italienerenen all dies gefallen lassen, wird sich gar nichts ändern, höchstens die Namen der Ministerenen und der von ihnen unterzeichneten Gesetze und Erlasse.
Ja, wenn das Aufrichten Italiens so einfach wär wie jenes der Costa Concordia, der man ohne eigenes Tun bequem an der tivù zuschauen kann.
Quelle:
https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/der-charme-der-bruchkapitaene-ld.723254
Zuerst publiziert auf Facebook am 18.09.2013
Reaktionen auf Facebook:
Michele: So ist es, auch mit Fussball, Papst, Royal Baby und anderen Schmarren… Kneipenjournalisten…
Bruno: Nach dem Aufrichten werden die Schäden sichtbar…
Billo: Du meinst, nach der Reparatur von Facelifting und Hairweaving?
Martin: Angesichts der Fakten kommt ja wohl niemand darum herum, Berlusconi als Kriminellen zu bezeichnen.
Billo: Es gibt noch genug Politfritzen und Journis, die sich darum herumreden…
Martin: … und schreiben, der Papst sei evangelisch.
Barbara: Ja, und ganz besonders der Verbrecher selber ist uneinsichtig und viele Millionen Bürger glauben ihm. Das haben viele Befragungen meinerseits in Italien ergeben. Das ist kaum zu glauben, aber wahr.
Billo: Dazu gibt es die schöne Zeile in einem Berner Troubadour-Lied. Sinngemäss übersetzt: Die schauen alle bald die Radieschen von unten an, während ich mich des Lebens freu. Ich war allerdings wesentlich jünger, als ich das zum erstenmal hörte und mich dran freute…
Barbara: Ich denke, Europa hat das härteste Stück Arbeit in Form einer politischen, finanziellen und sozialen Krise noch vor sich. Es wird jedesmal Italien sein. Die Dreissigerjahre kommen mir da in den Sinn.
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