
Fleisch von Masthühnern ist gefragt, der Konsum nimmt laufend zu, während die Nachfrage nach Fleisch von Schweinen sinkt und von Rindern stagniert. Es ist billiger zu produzieren, und es gilt als leichter verdaulich und gesünder. Für die in riesigen Herden in grossen Hallen gemästeten Tiere ist das freilich alles andere als gesund.
Ähnlich ungesund ist das Leben der Legehennen; auch sie werden in viel zu grossen Herden gehalten, ob in der Batterie (in der Schweiz «verboten»), in den irreführend beschönigend als «Bodenhaltung» bezeichneten grossen Ställen oder im Freiland.
«Artgerecht» ist das Leben in keinem dieser Fälle.
Eine hervorragend recherchierte und geschriebene Reportage von Kaspar Surber in der WoZ [1] zeichnet die industrielle Geschichte des Masthuhns (Poulet) nach; ein Massenprodukt, über das die meisten, die es in zunehmenden Mengen essen, so gut wie nichts wissen. En Guete, falls du nach der Lektüre noch Lust hast…

Die Geschichte der Legehenne – das gleiche Huhn wie in der Mast, einfach auf Eier- statt Fleischleistung getrimmt – ist nicht minder industriell. Vor 25 Jahren habe ich in einem Buch [2] geschildert, wie die auf die Spitze getrieben Eierproduktion, die Legebatterie, in der Schweiz faktisch abgeschafft worden ist. Eine spannende Geschichte; denn die Batterie ist in der Tierschutzverordnung nicht verboten, ein Batteriesystem muss aber eine ethologische Prüfung durch die zuständige Bundesanstalt bestehen, in der untersucht wird, ob die Tiere ihre typischen Verhaltensweisen ausleben können; kein System hat bestanden. Während die Schweizer Eierproduzenten noch auf Widerstand gebürstet waren, machten die beiden Grossverteiler Migros und Coop plötzlich Druck auf die renitenten Hühnerhalter; damit war das Ende der Batteriehaltung besiegt.

Unnatürliche Hühnerherden
Ein Lehrstück, wie positiver Wandel möglich wird, auch wenn damit das Hühnerparadies nicht ausgebrochen ist, selbst nicht auf Biobetrieben, da auch sie die Tiere in unnatürlichen Gesellschaften halten: bis 500 Tiere in einer Herde, nach Geschlecht, Alter und Produktionszweck getrennt und in nicht artgemässen Ausläufen. Wenn Hühner wählen dürften, würden sie nicht in Herden leben, sondern in gemischten Gruppen von etwa 50 Tieren, Küken junge und alte, Hühner und Hähne zusammen, auf einer Weide im Schutz von Büschen und Bäumen.
Die Herdengrösse war unlängst auch Gegenstand einer Anzeige wegen unlauterer Werbung. Vier Schweizer Tierschutzorganisationen kritisierten die Behauptung, Schweizer Eier stammten meist aus «kleinen Herden», während in Wahrheit zwei Drittel aller Legehennen in Beständen mit über 4000 Tieren leben. Die Schweizerische Lauterkeitskommission, eine privatrechtliche Organisation der Werbewirtschaft, hat die Beschwerde gutgeheissen und empfiehlt der Werbeplattform «Suisse Garantie» der Schweizer Agrarverbände, die beanstandete Aussage in Zukunft nicht mehr zu verwenden. [3]
Quellen:
[1] Kaspar Surber: «Die schier unglaubliche Geschichte des Pouletbooms», WoZ-Beilage wobei, September 2026
[2] Billo, 2001: «Schweiz ohne Hühnerbatterie: Wie die Schweiz die Käfighaltung abschaffte»
[3] «Lauterkeitskommission rügt Eier-Werbung von Suisse Garantie», 29.09.2026
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