
Wenn mich die grauslichen Bilder gleich zweimal anschauen, von der Packung und in natura, und ich mich frag, wieso meine Füsse und Fesseln plötzlich derart angeschwollen sind, und ich auf dem Netz recherchiere, womit das zu tun haben könnte, und schliesslich nicht um die Feststellung herumkomme, dass es jedenfalls klüger wär, sofern ich dies und jenes noch reissen und meine Enkelkinder grösser werden sehen möchte…
Aber wie jetzt? Die zwei letzten Päckchen einfach entsorgen? Zehn Euros wegwerfen, sozusagen? Ach was, die hab ich ja beim Kauf schon weggeworfen, was soll’s.
Und einen Tag später fühlt es sich in diesem alten, oft rücksichtslos behandelten Leib schon besser an. Siehst du.
Bloss stand da noch im Netz, Alkohol sei auch im Spiel. Na geh, das bisschen Wein am Abend. Wie bitte? Ein Glas, ausnahmsweise allerhöchstens zwei, das hatte mir meine Ärztin schon früher empfohlen, und täglich höchstens zwei caff`è, und das hier in Italien…
Aber den caffè lass ich mir nicht nehmen!
Bear with me! Zu Deutsch: Hilf mir, das Fell des Bären zu waschen, solang er das noch will.
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Zuerst publiziert am 06.06.2018 auf Facebook
Nachtrag 06.06.2026
Es blieb dann nicht dabei. Drei Jahre später musste ich mich erneut aufraffen, endgültig mit dem Rauchen aufzuhören; ein Darmverschluss und meine Katze, die plötzlich Reissaus nahm, wenn ich mir eine Zigarette anzündete, haben mir dabei geholfen. Aber bin ich nun für immer clean?
Im Grunde bin ich ein Raucher. Ich begann damit im Alter von 16 Jahren, zum Missfallen meiner Mutter, die von meinem Vater ein Machtwort erwartete; aber was wollte der mir sagen, wenn er selber immer ein starker Raucher gewesen war? In unserer Klasse rauchten einige, wir fanden das cool. Mit 17 hörte ich auf, hatte Sport im Kopf; mit 18 fing ich wieder an. Ich bin geübt im Aufhören, ich habe es oft geschafft, für ein paar Monate, manchmal sogar für ein paar Jahre. Ich habe viel Erfahrung mit mir selber, ich weiss genau, dass die Versuchung immer wartet. Meine beiden Geschwister hatten auch geraucht, beide rauchen schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Ich bin ein Raucher geblieben, der es schafft, eine längere Zeit keine Zigarette anzurühren; doch sicher ist das nie.
Zwei einfache Testfragen: Kann ich jemanden zu Besuch haben, der raucht, und aus Genuss ein wenig mitrauchen, ohne wieder in das alte Muster zu verfallen? Ja, wenn der Besuch nicht so lange bleibt. Kann ich aus Genuss alleine nach dem Essen eine Zigarette rauchen, ohne wieder zum Raucher zu werden? Nicht, wenn ich dafür ein Päckchen kaufen muss. Ich bin ein Raucher, Punkt.
Im Grunde bin ich suchtgefährdet. Immerhin ist es mir gelungen, andere Süchte zu zähmen. Eine jahrzehntelange Arbeitssucht hat sich mit dem Alter in den letzten Jahren gelegt. Mein Verlangen nach Rotwein gibt sich heute zufrieden mit einem Glas zum Abendessen, manchmal zwei, manchmal auch keines. Fleisch schon lange nicht mehr, das ist ja auch eine Sucht. Bleiben das Lesen und das Schreiben, allerdings mit mehr Musse und wenig Müssen. Und es bliebe die Lust auf Sex, verstanden als körperliche Kommunikation in einer festen Beziehung, die einem alten Single eher nicht noch einmal in den Schoss fällt.
Bleibt die Lust am Leben; ist das eine Sucht?
Einige Reaktionen auf Facebook (2018)
Paul: Du rauchst?
Billo: Allora finito basta!
Paul: Ich hab’s gar nicht gemerkt.
Aelly: Pass jut uff dir uff meen Billo & eben… such‘ Dir lieber andere «Laster». Habe vor über 16 Jahren aufgehört & das war eine meiner besten Entscheidungen! Die Kohle kannste nu lieber in juten Kafi investieren – sieh’s so & deine Gesundheit dankt’s dir dann a no.
Barbara: Gute Entscheidung mit den Zigaretten! Ich lasse auch Kaffee und Alkohol weg, fällt uns Damen aber vielleicht auch leichter. Was Mensch an Kaffee findet, habe ich nie verstanden. Fand den schon immer eklig, höchstens als Irish Coffee zu ertragen. Einen Schluck Wein oder ein Cüpli trinke ich drei-, viermal im Jahr, mehr muss nicht sein. Allerdings lasse ich inzwischen auch diverse Einladungen und Veranstaltungen sein, denn viele davon sind ohne einen gewissen Alkoholpegel wenig unterhaltsam.
Billo: Na ja… Ich hab ja nicht geraucht, weil, ich es eklig gefunden hätte. So ist es auch bei Wein und caffè (nicht Kaffee, das ist was ganz anderes…)
Barbara: Ok, vielleicht muss ich bei meinem nächsten Mailand-Besuch mal die italienische Version probieren. Aber ich befürchte, für mich schmeckt caffè wie Kaffee…
Billo: Es ist eben so: Wenn dir Kaffee nicht mundet, wirst Du caffè nicht ertragen. Und umgekehrt: Wenn Du an caffè gewöhnt bist, kannst Du Kaffee nicht ausstehen.
Bärbel: Fidel hat’s dann auch mal gelassen und noch 10 Jahre rausgeschlagen.
Fatma: Ich habe heute zum 1001. Mal die letzte geraucht, auch bei mir ist es höchste Zeit. Das Leben ist schön. Wir schaffen das!
Silvia: Tolle Entscheidung, Billo! Wenn du aufhörst zu rauchen und alles andere ein wenig zurückschraubst, wirst du es bestimmt bald merken. Gute Besserung und viel Kraft zum Durchhalten!
Reto: Ich hab Kaffee, Alkohol und Zigaretten vor drei Monaten abgestellt. (Kaffee war nicht geplant, hat mir einfach nicht mehr geschmeckt.)
Billo: Diese Verbindung hab ich gottlob nicht; ich kann caffè trinken, so viel ich mag, es ruft nicht nach Zigarette. Bei mir heisst die Verbindung eher: raus an die frische Luft – denn nur da hab ich geraucht, seit Jahrzehnten nie mehr drinnen. Es ist aber nicht sooo schlimm, dass ich nun nicht mehr ins Freie könnte.
Aber Reto, du? Das Schöne im Leben ist immer wieder das Staunen! Und wo treffen wir uns jetzt, wenn nicht in der Raucherlounge am Flughafen…?
Reto: Wir können ja trotzdem da reinsitzen und ein wenig passiv rauchen.
Judith: Ich rauche jetzt eine. Zu einem Glas Wein.
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