Durch diese Hohle Gasse muss er kommen (Foto: Nikater/Wikimedia
Gestern bin ich zur Abwechslung einmal zu einem Opfer der Spitalpolitik und -Bürokratie geworden. Nachdem vor einem Jahr (2021) ein geübter Ultraschallspezialist in meiner Blase einen kleinen Krebs im Anfangsstadium entdeckt hatte, den ein nicht minder geübtes Team vor Ende Jahr während eines kleinen Eingriffs vollkommen entfernt hatte, verschrieb man mir als vorsorgliche Nachbehandlung eine Chemotherapie, der ich mich in den ersten Monaten dieses Jahres unerfreut, aber brav unterzog.
Bild: Der Koloss des Spitals Cattinara oberhalb Trieste.
Erst drei Monaten sind vergangen, seitdem ich aus dem Spital nachhause gekommen war, schwach und froh um jede Hilfe. Heute morgen fragte mich ein Freund am Telefon nach meinem Befinden. Gut, sagte ich, sehr gut sogar, und gleichzeitig wurde mir der Kontrast bewusst zwischen meinen Worten, meinem Zustand noch vor kurzem und der Tatsache, dass ja noch nicht alles wie zuvor ist, und ich füge bei:
Un caffè con Irmy e Thomas in Udine (foto: Irmy Algader)
Heute vor drei Monaten bin ich aus dem Spital in Gorizia entlassen worden. Nach einem Monat liebevoller Rundumfürsorge war ich nach der ersten Freude über das Wiedersehen mit meiner Katze, meinen Pflanzen, meiner Wohnung ziemlich unsicher, wie das nun im Alltag gehen soll, so schwach, ausgemergelt, unsicheren Schrittes und immer gleich erschöpft, immer müde…
Ich weiss nicht, wie ich es in den ersten Wochen zuhause ohne die zweimal tägliche und nicht minder fürsorgliche Unterstützung von Irmy geschafft hätte. Genauso wichtig war es später, schrittweise auf diese Hilfe zu verzichten, um mehr und mehr Kraft und Autonomie zurückzugewinnen.
In den letzten Wochen spürte ich mich zunehmend in meinem Leben zurück, kräftig, sicher, zuversichtlich – nur noch ruhiger als zuvor, noch mehr abwägend, was zählt, und ganz ungeniert liegen lassend, was mir grad zu viel ist.
Wenn ich heute beim Duschen oder beim Yoga meinen Leib betrachte, die Muskeln, die sich wieder bilden, die Haut, die sich wieder mehr strafft, bewundere ich das unermüdliches Wirken der Natur noch im fortgeschrittenen Alter, nicht nur der physischen Natur, auch der geistigen und der sozialen. Im Grunde ist alles wieder gut, sogar die lange Narbe längs über meinen Bauch schreit mir nicht mehr so grell entgegen, als wär ich eben erst aufgeschnitten worden; sie wird sich wenn nicht in meine Haut, so doch immer mehr in mein Körpergefühl Integrieren. Nur das Stoma und dessen tägliche Pflege erinnern mich noch handfest an eine notfallmässige Operation, ohne die ich wohl nicht mehr hier wäre; in wenigen Monaten wird auch dieses Menetekel verschwinden, dank kundiger Medizin und unglaublicher Regenerationskraft menschlicher Physis.
Ja, ich hab oft Glück gehabt in meinem Leben, und ich geniess es grad sehr, in grosser Dankbarkeit.
Zuerst publiziert am 28.06.2022 auf Facebook. Folge #13 — Folge #15 Alle Folgen: Suchbegriff «Spitalalltag» eingeben.
Ausgewählte Reaktionen auf Facebook:
Hans-Georg: Toller Text, beglückende Aussage, begeisternde Lebenskraft, strahlendes Bild. Alles Gute und weiter so, Heinzpeter!
Roland: Du findest wieder ins pralle Leben, darauf würde ich wetten.
Karen: So ein schöner Text. Bin froh und dankbar für dich und alle, die sich ebenfalls erleichtert fühlen. Du wirst das schaffen – stay as strong as you are.
Sabine: Was für ein schönes Bild! Ich kenne dich ja nur von weitem bzw. von deinen Texten hier. Mag dir die Genesung so sehr gönnen und wünsche dir weiterhin alles Gute! Und danke fürs Erzählen deiner Geschichte. Ich lese hier aufrichtig gerne mit.
Charlotte: Gute, schöne, starke Worte und ein starkes Bild, auch für das Leben: «…dank kundiger Medizin und unglaublicher Regenerationskraft menschlicher Physis“» und deines Geistes und deiner Gelassenheit, yes. Und Irmy ist auch nicht ganz ohne.
Viola: Meine Grossmutter hat mir mal diesen Tipp gegeben:
Wenn die Zeiten schwierig sind, gehe in kleinen Schritten weiter. Tu, was du tun kannst, aber tu es langsam. Denk nicht an die Zukunft oder was morgen passieren kann. Gestalte dir ein gemütliches zu Hause. Koche dir ein leckeres Essen. Schreibe einen Brief. Lies ein schönes Buch. Gehe in die Natur und genieße die Vielfalt. Nimm ein Bad und lass die Seele baumeln. Siehst du es? Du gehst vorwärts, Schritt für Schritt. Mach einen Schritt und dann Pause. Ruh dich aus. Schätze dich selbst. Mach den nächsten Schritt. Dann noch einen. Du wirst es kaum merken, aber deine Schritte werden länger werden. Bis es soweit ist, wo du wieder an die Zukunft denken kannst, ohne zu weinen. Elena Mikhalkova
Thomas: Schön, wenn es wie oben beschrieben weiter aufwärts geht! Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls auch live. Vermutlich wärst du der erste am Gipfel des Matajur gewesen, hättest du nicht den Termin gehabt.
Schon vier Wochen wieder zuhause? Ich war doch erst noch im Spital… Die Zeit scheint mir im Rückblick viel kürzer; dabei ist so viel passiert, dass ich meinen müsste, vier Wochen reichten gar nicht hin dafür.
Die erforderlichen Pflegeutensilien bei künstlichem Darmausgang.
Seit 18 Tagen bin ich wieder bei mir zuhause. Ich staune oft in dieser Zeit. Zum Beispiel darüber, dass meine Katze Zizzi mir nichts übel nimmt, nicht mein ungewohnt langes Fernbleiben während eines ganzen Monats, nicht meine schlappe Unbeholfenheit in der ersten Woche nach meiner Rückkehr.
Oder darüber, dass das kleine Loch in meiner Bauchwand, durch welches ein Blutgerinnsel in meiner Bauchhöhle drainiert worden war, schon eine Woche nach Entfernung der beiden Katheter von selber ganz zugewachsen war. Bei meinem Alter und meiner körperlichen Verfassung hätte ich das nicht erwartet; ein gutes Zeichen, meinte die Pflegerin bei der ersten Nachkontrolle im Spital. Und bei der zweiten Nachkontrolle gestern wurde bereits eine dritte für September in Aussicht genommen; dann soll die Operation geplant werden, die meinen Darm wieder mit dem Enddarm verbinden wird. Bis dahin behelfe ich mir mit dem künstlichen Darmausgang (Stoma) auf der linken Bauchseite, in dessen täglicher Pflege ich längst Routine habe.
Und ich staune, wie rasch ich meine physische Selbstständigkeit Stück um Stück zurückgewinne. In den ersten Tagen nach der Entlassung war ich in vielem von Irmys Unterstützung im Alltag abhängig und hätte mich ohne ihre Begleitung nicht auf kurze Gänge für Besorgungen gewagt. Nicht einmal zwei Wochen später begann ich, alleine für mich einzukaufen, nur wenig, wie ich Irmy zur Beruhigung gesagt hatte, um dann allerdings mit einem vollen Rucksäcklein und zwei vollen Tragtaschen heimzukehren. Denn ich hab Appetit und Hunger wie ein Jungspund und lege täglich gut 200 Gramm an Gewicht zu, ein veritables, aber freiwilliges Mastprogramm. Als ich aus dem Spital kam, wog ich 21 Prozent weniger als mein langjähriges Normalgewicht, inzwischen lieg ich nur noch 14 Prozent darunter.
Vor allem aber staune ich über das schon weitgehend wiedererlangte mentale Gleichgewicht, nein, genauer: darüber, dass ich mich an ein neues Gleichgewicht gewöhne, das aus weniger Arbeit und mehr dolce far niente besteht. Mein neuer Alltag beginnt früher und endet früher, was ich alte Nachteule mir nie hätte vorstellen können. Ich weiss, dass der Weg bis zur völligen Genesung noch lang ist und Geduld und Beharrlichkeit von mir verlangt. Aber so, wie es ist, bin ich zufrieden und geniesse, wer ich bin und was mich umgibt.
Zuerst publiziert am 28.06.2022 auf Facebook. Folge #11 — Folge #13 Alle Folgen: Suchbegriff «Spitalalltag» eingeben.
Ausgewählte Reaktionen auf Facebook:
Sabine: Danke fürs Erzählen deiner Geschichte. Ich lese mit Interesse mit – deine Berichte sind viel besser als das meiste in den zusammengesparten Zeitungen. Und ich wünsche dir weiterhin gute Genesung.
Ulrike: Ich lese alles von Ihnen. Ganz egal, wieviel Sie wiegen. Ihre Geschichte wiegt alles auf.
Ralf: Die Waschmaschine gehört aber nicht zu den Utensilien dazu, nicht wahr? Dann wäre ich doch beunruhigt. Super, dass du so schnell wieder hochkommst. Das zeigt doch: «Forever Young»!
Ulli: Du beschreibst sehr gut, wie untrennbar Körper und Geist zusammenhängen oder der Körper eben auch Geist ist und umgekehrt. Dein Staunen ist erfrischend und es macht Mut, mit potenziell auftretenden eigenen Erkrankungen geduldig umzugehen. Danke, Billo!
Nilda: So einen begnadeter Schreiber… Das dolce far niente kommt dir diesbezüglich sehr entgegen. Ich freue mich, noch vieles von dir zu hören/lesen und unterdessen, schön Brav bliibe, gäuet Sie!
Franca: Buon proseguimento, la calma è la virtù dei forti.
Vor einer Woche bin ich nachhause zurückgekehrt, voller Optimismus und Vorfreude auf die Lebewesen, die ich einen Monat lang hatte vermissen müssen. Schwäche nach der ersten Euphorie; ich musste mich erschöpft hinlegen, froh darum, dass Irmy noch eine Weile in der Nähe blieb und sich auch weiterhin um Dinge kümmern wird, die mich noch zu sehr anstrengen. Und so verbrachte ich die ersten Tage in meiner Wohnung, zum Glück von sommerlichem Licht und Luft durchströmt: erschöpft nach jeder kleinen Anstrengung, körperlich wie geistig.
Zweites Frühstück auf meinem Balkon (Foto: Irmy Algader).
Seit zwei Tagen bin ich wieder zuhause, genauer: ich versuche noch, ganz zuhause und bei mir anzukommen. Es ist viel schwieriger, als ich dachte; manchmal fühle ich mich gewisser Weise zurückversetzt in die ersten Tage nach der Operation, in ein Hinundhergerissensein zwischen ich schaff das und: bloss wie? Doch damals vor einem Monat hatte mich das das viel existenzieller getroffen, eine Geschichte, die ich bis jetzt nicht einmal mir selber von Grund auf zu erzählen wagte…
Medikation eines Patienten (Foto: Elora McCutcheon / Wikimedia Commons)
Spital: Eingeliefert – ausgeliefert In Spitälern bleiben unzählige Körperverletzungen ohne Entschuldigungen und ohne Entschädigungen. Urs P. Gasche, Infosperber,
Wer ein Spital betritt, setzt sich einem erheblichen Risiko aus: Jeder zehnte Patient und jede zehnte Patientin erleidet wegen Behandlungsfehlern einen gesundheitlichen Schaden.
Uff, da hab ich ja noch mal Glück gehabt!
Ich hab mich allerdings auch nicht wie ein schweigendes Lamm verhalten, sondern wollte immer wissen, was das Ziel bestimmter Infusionen, Medikamente oder Massnahmen sei. Das schafft nicht nur Klarheit für mich, sondern auch einen Moment erhöhter Aufmerksamkeit bei Pflegerin oder Arzt. Vertrauen zwischen ihnen und dem Patienten setzt eben Kommunikation voraus.
Zuerst publiziert am 10.06.2022 auf Facebook. Folge #7 – Folge #9 Alle Folgen: Suchbegriff «Spitalalltag» eingeben.
Ausgewählte Kommentare auf Facebook:
Ralf: Die Kommerzialisierung schreitet voran, die Menschen werden nicht als solche, sondern als Humankapital betrachtet. Dieser verächtliche Ausdruck kam in den 90ern auf. In Deutschland ist zum Beispiel jede zweite Hüftoperation unnötig. Es stecken sich viele an Krankenhauskeimen an, Tausende sterben jährlich. Das Gesundheitssystem muss in der öffentlichen Hand sein.
Heut bin ich einen Monat hier und heute gehe ich nachhaus. Ich freu mich auf mein Katzentier, aus meiner Küche ersten Schmaus, will meiner Pflanzen Blütenpracht geniessen noch zur rechten Zeit, den Spargel noch mit seiner Macht verzehren, dass er mich befreit. Ein grosser Schritt zurück zu mir, zurück ins Leben – und voran. Respekt mischt sich in mein Plaisir: ob ich den Vorsatz halten kann? Die Zeit des Wartens war so lang… bin ruhig jetzt und geh es an.
Zuerst publiziert am 10.06.2022 auf Facebook. Folge #8 – Folge #10 Alle Folgen: Suchbegriff «Spitalalltag» eingeben.
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Esther: Viel Geduld! Es ist manchmal nicht so einfach, wie man sich das wohlgepflegt im Spitalbett vorstellt.
Margrit: Katzen machen vor, wie gelebt werden soll.
Irmy: Da stand Herr Billo schon im Zimmer, Sehr rotbehost und fast wie immer, Kaum langsamer als sonst im Schritt, «Ciao tutti» und schon fuhr er mit, über die übliche Stradale, Im Panda bis nach Cividale.
Billo: Na ja, meine Schritte sind schon noch sehr bedächtig, und treppauf bleibt’s bis auf weiteres eine Herausforderung für mich, der sich gewohnt war, mindestens zwei Stufen auf einmal zu nehmen…
Irmy: Zwei Stufen auf einmal nehmend aus dem Spital springen – das wär dann allerdings die Patientenweltmeisterschaft, dafür hattest du ja nicht geübt.
Susanne: Auch das Katzentier wird begeistert sein. Möge der Spargel und die eigenen vier Wände dir gut bekommen.
Dagmar: Freu Dich auf dein eigenes Bett, falls das Katzentier dich zum schlafen mit hineinlässt!
Vorgestern nach dem Mittagessen waren drei Hilfspflegerinnen zu mir ins Zimmer gekommen und erklärten mir lachend, dass sie mich nun gleich in ein anderes Zimmer verlegen würden, in una camera di lusso, ganz alleine für mich! Aber ich bin ja auch hier seit Tagen alleine im Zimmer, nicht? Ja, doch die beiden Betten in diesem Zimmer brauchen wir für neue Patienten, darum. Keine Sorge, wir tragen Dir alles ins andere Zimmer, Du musst Dich um nichts kümmern.
Bald wieder heim zu Katze Zizzi und den Pflanzen (Foto: Irmy Algader)
Gestern war ein besonderer Tag. Genau vor vier Wochen hatte ich das Spital betreten, mit arg gewölbten Bauch, ausgerüstet mit einer Notfalleinweisung meiner Hausärztin und Gepäck für zwei Wochen. Damals schon zu wissen, dass mein Aufenthalt viel länger dauern würde, hätte mich wohl noch mehr belastet; vielleicht wollte ich einfach nicht wahrhaben, dass die Situation nach einer Woche Darmverschluss schon eher lebensbedrohlich war. Heute bin ich froh, dass ich so lange hier bleiben muss; endlich ist es meinem Körper gelungen, meinen Kopf ganz herunterzuholen von all den Dingen, die dauernd erledigt sein müssen, und endlich bin ich soweit, die Ruhe und das Wenigtun so zu geniessen, dass ich bald nach Hause gehen kann, ohne in alte Muster zurückzufallen.
Als ich vor etwas mehr als drei Wochen nach der Notaufnahme in die Degenze eingeliefert wurde, die Etage der Bettlägerigen vor oder nach einer Operation, war ich erstaunt, nur zwei Betten im Zimmer vorzufinden; später erklärte mir eine Pflegerin dass das Vier-Bett-Zimmer, in dem ich letzten Dezember für drei Nächte lag, hier die Ausnahme sei. Und ich hatte Glück: das freie Bett lag bei den zwei grossen Fenstern mit Blick in die Weite.
Meine Bemerkungen unlängst über die hiesige Spitalkost scheinen bei vorbelasteten Leserinnen Bilder von Schlangenfrass provoziert zu haben. Das tut mir leid; ganz so übel ist es denn doch nicht. Es gibt sogar hin und wieder positive Überraschungen auf dem Tablett, das mir mittags und abends auf den Tisch beim Fenster gestellt wird.
Ob ich mir denn nicht von Freunden Mahlzeiten ins Spital bringen lassen könnte? Auch mein Lieblingsarzt hier hat mir das vorgeschlagen, als ich vor sechs Tagen endlich Normalkost essen durfte. Abgesehen davon, dass dem in meinem Fall ein paar Hindernisse entgegenstehen: Ich zweifle, dass dies der richtige Weg wäre. Denn so würde die Dreiklassenmedizin nur noch gefördert: Oben die vermögenden Privatversicherten, hier der grosse Rest und darunter jene, die noch nicht ganz durch das soziale Netz gefallen sind und keine Freunde haben, die es auf sich nähmen, was Feines herzubringen, oder sich ein Catering nicht leisten könnten. Auch darum gehört genesungsfördernde Kost zu den Kernaufgaben eines Spitals.
Heute bin ich schon drei Wochen im Spital. Und ich bin sehr froh, hatte ich bei meiner Hausärztin darauf bestanden, im Spital von Gorizia aufgenommen zu werden, und nicht etwa in Monfalcone, war noch immer mein steuerlicher Wohnsitz liegt. Das menschliche Klima in Gorizia sei einfach deutlich angenehmer, sagte ich, vielleicht, weil die Struktur nicht zu gross und unübersichtlich sei. Monfalcone ist eben eine Industriestadt, sagte sie. Verdienen denn verletzte oder erkrankte Arbeiter weniger Zuwendung? Vielleicht vor allem jene, die aus mehr oder weniger fernen Ländern stammen? Bei 20 Prozent liegt der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung, fast so hoch wie in der Schweiz, dreimal so hoch wie im italienischen Durchschnitt, und die lokale Politik tut sich schwer damit, populistisch geifernd die Rechte, Probleme negierend die Linke.
Nach halb sechs Uhr früh beginnt der Betrieb zu brummen. Da in italienischen Spitälern die Zimmertüren meist offen stehen, kriege ich alles mit: die Pflegerinnen, die von Bett zu Bett eilen, um Temperatur, Blutdruck und Sauerstoffsättigung zu messen, und die ersten Patienten, die wach werden und zu schwatzen beginnen. ¨
Was für ein feiner Film, was für schön sich einprägende Bilder, wie viel Mitmenschlichkeit in einer Zeit, in der wir sie weniger vermutet hätten als heute, wo’s doch jetzt schon schlimm genug ist…
Videostill aus dem Film
Werner Herzogs frühen Film über die Geschichte von Kasper Hauser hab ich damals 1974 verpasst und danach vergessen; dank Veit Stauffers Hinweis hab ich ihn jetzt endlich gesehen und bin sehr begeistert vom Spiel, der Darstellung und immer wieder von den Bildern. Die spanischen Untertitel – gesprochen wird Deutsch – in der einzigen in voller Länge auf YouTube verfügbaren Version vermögen den gewaltigen Eindruck nicht zu schmälern.
Es gibt Tage wie heute, an denen ich mich nicht rasiere, manchmal mit Absicht und manchmal einfach so, wie ich mir einbilde – obwohl ich es doch besser weiss: Ich fürchte vernichtende Kritik an meinem Unvermögen, die Stoppeln so akkurat zu stutzen, dass selbst die zarteste Hand keinen Widerstand spüren könnte, würde sie mich denn streicheln wollen.
So also sah das aus in meiner Blase, wie ein kleines rosafarbenes Algenbällchen. So zeigte es mir der Urologe, den ich im November für eine Zweitmeinung in Zürich konsultiert hatte, bevor ich dem Eingriff in Italien zustimmen mochte, während der Blasenspiegelung und meinte dann trocken: Es handelt sich um Krebs; aber Sie haben Glück, dass er so früh erkannt wurde.
Ich kann mich an kein Buch über eine Fischart erinnern, das mich je derart berührt und begeistert hat. Das «Evangelium» im Titel mag zunächst irreführen. Was der schwedische Kulturjournalist Patrik Svensson auf 253 Seiten ausbreitet, ist randvoll von wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Lebenszyklus dieser Fische, die in der fernen Sargassosee östlich von Florida als kleine Larven an der Oberfläche auftauchen, sich von den Strömungen an die europäische Küste treiben lassen, als junge Glasaale in die Flüsse aufsteigen und dort in Gewässern oft viele Jahre lang im Verborgenen leben, bis sie eines Tages den Drang verspüren, die weite und beschwerliche Reise zurück an ihren Ursprungsort auf sich zu nehmen, um sich dort zu paaren und zu sterben.(mehr …)