Autor: Billo Heinzpeter Studer

  • Alltag im Spital #8

    Medikation eines Patienten (Foto: Elora McCutcheon / Wikimedia Commons)

    Spital: Eingeliefert – ausgeliefert
    In Spitälern bleiben unzählige Körperverletzungen ohne Entschuldigungen und ohne Entschädigungen.
    Urs P. Gasche, Infosperber,   

    Wer ein Spital betritt, setzt sich einem erheblichen Risiko aus: Jeder zehnte Patient und jede zehnte Patientin erleidet wegen Behandlungsfehlern einen gesundheitlichen Schaden. 

    Uff, da hab ich ja noch mal Glück gehabt!

    Ich hab mich allerdings auch nicht wie ein schweigendes Lamm verhalten, sondern wollte immer wissen, was das Ziel bestimmter Infusionen, Medikamente oder Massnahmen sei. Das schafft nicht nur Klarheit für mich, sondern auch einen Moment erhöhter Aufmerksamkeit bei Pflegerin oder Arzt. Vertrauen zwischen ihnen und dem Patienten setzt eben Kommunikation voraus.


    Zuerst publiziert am 10.06.2022 auf Facebook.
    Folge #7 – Folge #9
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    Ausgewählte Kommentare auf Facebook:

    Ralf: Die Kommerzialisierung schreitet voran, die Menschen werden nicht als solche, sondern als Humankapital betrachtet. Dieser verächtliche Ausdruck kam in den 90ern auf. In Deutschland ist zum Beispiel jede zweite Hüftoperation unnötig. Es stecken sich viele an Krankenhauskeimen an, Tausende sterben jährlich. Das Gesundheitssystem muss in der öffentlichen Hand sein.


  • Alltag im Spital #9

    Heut bin ich einen Monat hier
    und heute gehe ich nachhaus.
    Ich freu mich auf mein Katzentier,
    aus meiner Küche ersten Schmaus,
    will meiner Pflanzen Blütenpracht
    geniessen noch zur rechten Zeit,
    den Spargel noch mit seiner Macht
    verzehren, dass er mich befreit.
    Ein grosser Schritt zurück zu mir,
    zurück ins Leben – und voran.
    Respekt mischt sich in mein Plaisir:
    ob ich den Vorsatz halten kann?
    Die Zeit des Wartens war so lang…
    bin ruhig jetzt und geh es an.


    Zuerst publiziert am 10.06.2022 auf Facebook.
    Folge #8 – Folge #10
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    Ausgewählte Kommentare auf Facebook:

    Esther: Viel Geduld! Es ist manchmal nicht so einfach, wie man sich das wohlgepflegt im Spitalbett vorstellt.

    Margrit: Katzen machen vor, wie gelebt werden soll.

    Irmy:
    Da stand Herr Billo schon im Zimmer,
    Sehr rotbehost und fast wie immer,
    Kaum langsamer als sonst im Schritt,
    «Ciao tutti» und schon fuhr er mit,
    über die übliche Stradale,
    Im Panda bis nach Cividale.

    Billo: Na ja, meine Schritte sind schon noch sehr bedächtig, und treppauf bleibt’s bis auf weiteres eine Herausforderung für mich, der sich gewohnt war, mindestens zwei Stufen auf einmal zu nehmen…

    Irmy: Zwei Stufen auf einmal nehmend aus dem Spital springen – das wär dann allerdings die Patientenweltmeisterschaft, dafür hattest du ja nicht geübt.

    Susanne: Auch das Katzentier wird begeistert sein. Möge der Spargel und die eigenen vier Wände dir gut bekommen.

    Dagmar: Freu Dich auf dein eigenes Bett, falls das Katzentier dich zum schlafen mit hineinlässt!

  • Alltag im Spital #7

    Vorgestern nach dem Mittagessen waren drei Hilfspflegerinnen zu mir ins Zimmer gekommen und erklärten mir lachend, dass sie mich nun gleich in ein anderes Zimmer verlegen würden, in una camera di lusso, ganz alleine für mich! Aber ich bin ja auch hier seit Tagen alleine im Zimmer, nicht? Ja, doch die beiden Betten in diesem Zimmer brauchen wir für neue Patienten, darum. Keine Sorge, wir tragen Dir alles ins andere Zimmer, Du musst Dich um nichts kümmern.

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  • Alltag im Spital #6

    Bald wieder heim zu Katze Zizzi und den Pflanzen (Foto: Irmy Algader)

    Gestern war ein besonderer Tag. Genau vor vier Wochen hatte ich das Spital betreten, mit arg gewölbten Bauch, ausgerüstet mit einer Notfalleinweisung meiner Hausärztin und Gepäck für zwei Wochen. Damals schon zu wissen, dass mein Aufenthalt viel länger dauern würde, hätte mich wohl noch mehr belastet; vielleicht wollte ich einfach nicht wahrhaben, dass die Situation nach einer Woche Darmverschluss schon eher lebensbedrohlich war. Heute bin ich froh, dass ich so lange hier bleiben muss; endlich ist es meinem Körper gelungen, meinen Kopf ganz herunterzuholen von all den Dingen, die dauernd erledigt sein müssen, und endlich bin ich soweit, die Ruhe und das Wenigtun so zu geniessen, dass ich bald nach Hause gehen kann, ohne in alte Muster zurückzufallen.

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  • Alltag im Spital #5

    Als ich vor etwas mehr als drei Wochen nach der Notaufnahme in die Degenze eingeliefert wurde, die Etage der Bettlägerigen vor oder nach einer Operation, war ich erstaunt, nur zwei Betten im Zimmer vorzufinden; später erklärte mir eine Pflegerin dass das Vier-Bett-Zimmer, in dem ich letzten Dezember für drei Nächte lag, hier die Ausnahme sei. Und ich hatte Glück: das freie Bett lag bei den zwei grossen Fenstern mit Blick in die Weite.

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  • Alltag im Spital #4

    Blick über das Spitalgelände in Gorizia

    Meine Bemerkungen unlängst über die hiesige Spitalkost scheinen bei vorbelasteten Leserinnen Bilder von Schlangenfrass provoziert zu haben. Das tut mir leid; ganz so übel ist es denn doch nicht. Es gibt sogar hin und wieder positive Überraschungen auf dem Tablett, das mir mittags und abends auf den Tisch beim Fenster gestellt wird.

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  • Alltag im Spital #3

    Ob ich mir denn nicht von Freunden Mahlzeiten ins Spital bringen lassen könnte? Auch mein Lieblingsarzt hier hat mir das vorgeschlagen, als ich vor sechs Tagen endlich Normalkost essen durfte. Abgesehen davon, dass dem in meinem Fall ein paar Hindernisse entgegenstehen: Ich zweifle, dass dies der richtige Weg wäre. Denn so würde die Dreiklassenmedizin nur noch gefördert: Oben die vermögenden Privatversicherten, hier der grosse Rest und darunter jene, die noch nicht ganz durch das soziale Netz gefallen sind und keine Freunde haben, die es auf sich nähmen, was Feines herzubringen, oder sich ein Catering nicht leisten könnten. Auch darum gehört genesungsfördernde Kost zu den Kernaufgaben eines Spitals.

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  • Alltag im Spital #2

    Blick aus dem Spitalzimmer in Gorizia

    Heute bin ich schon drei Wochen im Spital. Und ich bin sehr froh, hatte ich bei meiner Hausärztin darauf bestanden, im Spital von Gorizia aufgenommen zu werden, und nicht etwa in Monfalcone, war noch immer mein steuerlicher Wohnsitz liegt. Das menschliche Klima in Gorizia sei einfach deutlich angenehmer, sagte ich, vielleicht, weil die Struktur nicht zu gross und unübersichtlich sei. Monfalcone ist eben eine Industriestadt, sagte sie. Verdienen denn verletzte oder erkrankte Arbeiter weniger Zuwendung? Vielleicht vor allem jene, die aus mehr oder weniger fernen Ländern stammen? Bei 20 Prozent liegt der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung, fast so hoch wie in der Schweiz, dreimal so hoch wie im italienischen Durchschnitt, und die lokale Politik tut sich schwer damit, populistisch geifernd die Rechte, Probleme negierend die Linke.

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  • Alltag im Spital #1

    Nach halb sechs Uhr früh beginnt der Betrieb zu brummen. Da in italienischen Spitälern die Zimmertüren meist offen stehen, kriege ich alles mit: die Pflegerinnen, die von Bett zu Bett eilen, um Temperatur, Blutdruck und Sauerstoffsättigung zu messen, und die ersten Patienten, die wach werden und zu schwatzen beginnen. ¨

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  • Werner Herzogs Kaspar Hauser

    Was für ein feiner Film, was für schön sich einprägende Bilder, wie viel Mitmenschlichkeit in einer Zeit, in der wir sie weniger vermutet hätten als heute, wo’s doch jetzt schon schlimm genug ist…

    Videostill aus dem Film

    Werner Herzogs frühen Film über die Geschichte von Kasper Hauser hab ich damals 1974 verpasst und danach vergessen; dank Veit Stauffers Hinweis hab ich ihn jetzt endlich gesehen und bin sehr begeistert vom Spiel, der Darstellung und immer wieder von den Bildern. Die spanischen Untertitel – gesprochen wird Deutsch – in der einzigen in voller Länge auf YouTube verfügbaren Version vermögen den gewaltigen Eindruck nicht zu schmälern.

  • Schlecht rasiert oder: Tschechows Rache


    Bild: Shaving made easy, 1905 (Wikimedia Commons)

    Es gibt Tage wie heute, an denen ich mich nicht rasiere, manchmal mit Absicht und manchmal einfach so, wie ich mir einbilde – obwohl ich es doch besser weiss: Ich fürchte vernichtende Kritik an meinem Unvermögen, die Stoppeln so akkurat zu stutzen, dass selbst die zarteste Hand keinen Widerstand spüren könnte, würde sie mich denn streicheln wollen.

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  • Ein nicht so schlimmes Weihnachtsgeschenk

    Preludio zu: Alltag im Spital

    Rotalgenbällchen (Sphaerococcos coronipifolius)
    (Foto: Gronk / Wikimedia) Commons)

    So also sah das aus in meiner Blase, wie ein kleines rosafarbenes Algenbällchen. So zeigte es mir der Urologe, den ich im November für eine Zweitmeinung in Zürich konsultiert hatte, bevor ich dem Eingriff in Italien zustimmen mochte, während der Blasenspiegelung und meinte dann trocken: Es handelt sich um Krebs; aber Sie haben Glück, dass er so früh erkannt wurde.

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  • Von Aalen und Menschen

    Ich kann mich an kein Buch über eine Fischart erinnern, das mich je derart berührt und begeistert hat. Das «Evangelium» im Titel mag zunächst irreführen. Was der schwedische Kulturjournalist Patrik Svensson auf 253 Seiten ausbreitet, ist randvoll von wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Lebenszyklus dieser Fische, die in der fernen Sargassosee östlich von Florida als kleine Larven an der Oberfläche auftauchen, sich von den Strömungen an die europäische Küste treiben lassen, als junge Glasaale in die Flüsse aufsteigen und dort in Gewässern oft viele Jahre lang im Verborgenen leben, bis sie eines Tages den Drang verspüren, die weite und beschwerliche Reise zurück an ihren Ursprungsort auf sich zu nehmen, um sich dort zu paaren und zu sterben.  (mehr …)

  • Wenn Biobauern sich ins eigene Knie schiessen

    Die ökonomischen Argumente des Schweizer Biobauern-Verbands «Bio Suisse» gegen die Trinkwasser-Initiative haben einen wahren Kern: Der vorwiegend industriell organisierte Absatzmarkt würde gerne Bio in grösserer Menge und Vielfalt anbieten, aber bei tendenziell sinkenden Produzentenpreisen, während die Margen für Migros, Coop usw. tendenziell weiter steigen.

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  • Bürokratie auf- statt abgebaut

    Ich hab den geschleckten Typen und ihren Versprechungen schon immer misstraut. Heut hab ich wieder mal hautnah erlebt, wie gut mein Riecher damals war. Mehr Wettbewerb, weniger Bürokratie? Im Gegenteil!

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  • Übers Vergiften und Klauen von Agrarland am Beispiel Chinas

    Die Weltbevölkerung wächst weiter. Die landwirtschaftlichen nutzbaren Flächen nehmen weiter ab. Sorgsamer Umgang mit dem Agrarland wäre angesagt. Doch reiche Länder wie China lösen ihr Nahrungsproblem im Weltsüden…

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  • Warum es in die Irre führt, über den menschgemachten Anteil am Klimawandel zu streiten [1]

    Schulstreik gegen den Klimawandel am 15. März 2019 in Bad Mergentheim (Holger Uwe Schmitt / Wikimedia)

    Wenn Kritik an den Aussagen der überwiegenden Mehrheit der Klimaforscher, dann bitte aus berufenem Mund und mit seriöser wissenschaftlicher Argumentation. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein 2010 gehaltener Vortrag [2] des ehemaligen Leiters des Instituts für Meteorologie an der Freien Universität Berlin, Prof. Horst Malberg. Die 33 Minuten Zuhören sind gut investiert, weil sie das kritische Denken fördern.

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  • Über den 8. März hinaus gedacht: Gleicher Nutzen für alle statt halbe Männerrenten für Frauen

    Ursprünglich publiziert am 11.03.2021 auf Facebook

    Frauen in einem abgelegenen Fischerdorf im Süden des Senegals, die sich auf die Aussicht freuten, dank der Zusammenarbeit mit fair-fish einen Zugang zum europäischen Markt und damit ein besseres Einkommen zu bekommen. Das Projekt ist leider gescheitert. (Foto: Billo Studer, 2006)

    Tamara Funiciello, die Präsidentin der Schweizer Jusos, deren klare Haltung und pointierte Stellungnahmen ich schätze, schrieb kürzlich in einer Kolumne über unbezahlte Tätigkeiten von Frauen einen Satz, der mich hellhörig gemacht hat:
    «Die sogenannte unbezahlte Sorgearbeit (eben das Putzen, das Kindergrossziehen etc.), die heute vor allem von Frauen geleistet wird, muss rentenbildend werden.» 

    Rentenbildend. Echt jetzt?

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  • Vom schönen, seltenen Blau

    Irgendwer hatte mir während einer Diskussion zugeraunt: Übrigens BLAU, dieses Buch würde Dir sehr gefallen, und aus dem Zusammenhang heraus ging ich von einem Buch übers Meer aus, denn was könnte überwältigender blau sein als das Meer? Und was könne mich mehr interessieren als alles, was mit der Lebenswelt von Fischen zu tun hat? Also bestellte ich mir das Buch, out of the blue sozusagen, und entnahm bald darauf einem Paket ein seltsames Ding, weder Blau noch Violett, jedenfalls für mich nicht, eher eine Beleidigung für meinen Farbsinn im allgemeinen noch gar für Blau, eine meiner Lieblingsfarben. 

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  • L’Avventura

    Videostill aus dem Film

    Dieser Spielfilm von Michelangelo Antonioni aus dem Jahr 1960 erzählt die an sich beliebige und insofern völlig uninteressante Geschichte eines Liebesabenteuers in der jungen Generation der italienischen Bourgeoisie zur Zeit des industriellen Wiederaufschwungs nach dem zweiten Weltkrieg. Wie auch in anderen seiner Filme zeichnet Antonioni ein schonungsloses Bild der inneren Orientierungslosigkeit vor einer modern-kalten Kulisse scheinbaren Fortschritts – so später vor allem in «L’Eclisse» (1962), der die «Trilogie der Kontaktunfähigkeit» abschliesst, zu der «La Notte» (1961) sowie eben «L’Avventura» gehören, und in «Deserto Rosso» (1964), alle drei mit der unvergleichlichen Monica Vitti in Hauptrollen.

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