Autor: Billo Heinzpeter Studer

  • Igel-News #21: Gibt’s ihn noch?

    Auf wiederholte Nachfrage: Doch, Moritz kriegt noch täglich frisches Wasser, morgens und abends. Nein, gesehen hab ich ihn seit Wochen nicht mehr. Aber ja, die Schale ist nach einem halben Tag fast leer. Und nein, die Zizzi hab ich nie dort trinken sehen, und andere Katzen sind selten herum.

    Folge #20Folge #22
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    (Ursprünglich publiziert auf Facebook als Folge #22)

  • Erinnern, vergessen, manipulieren

    Es gibt Menschen, die eher dazu neigen, bestimmte Erlebnisse vergessen zu wollen. Und es gibt jene, die alles festhalten wollen, um es nicht zu vergessen. Ich gehöre zur zweiten Gruppe, und manchmal leide ich darunter. Denn je mehr  ich festgehalten habe, desto schwerer trage ich daran.

    Das kann auch ganz physisch verstanden werden: in Form von Archivschachteln randvoll mit Briefen, Entwürfen, Notizen, ein Tausende von Seiten umfassendes Tagebuch, in fremden und eigenen Hand- und Maschinenschriften, bei jedem Umzug treppab, treppauf geschleppt und wieder chronologisch in die Regale eingeordnet. Dieses Frühjahr hatte ich mir die ersten zwanzig Jahrgänge im Versuch vorgenommen, Unwichtiges auszusortieren, also alles, was selbst mich in zehn Jahren nicht mehr interessieren würde. Wirklich viel war es nicht, was ich zum Altpapier gab. 

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  • Tierbeobachtung, künstliche «Intelligenz» und Tiernutzung

    Illustration: Irmy Algader [2]

    Hightech, Roboter, big data und künstliche «Intelligenz» werden in der Landwirtschaft zunehmend eingesetzt, um optimales Wachstum von optimierten Pflanzen sicherzustellen, von der automatisierten Saat bis zur automatisierten Ernte. Ja, auch in der biologischen Landwirtschaft. Die meisten Bio-Tomaten werden in China angebaut und weltweit exportiert, und der big-data-Konzern Amazon hat nicht von ungefähr Whole Foods aufgekauft, den grössten Biovermarkter der USA. Kritische Gedanken nach einem Dokumentarfilm.

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  • Igel-News #20: Halbpension ohne Hotel

    Nachdem Moritz sich seit Tagen nicht mehr in seiner Tannenholz-Heu-Stroh-Loge hat blicken lassen – was ein gutes Zeichen ist – hab ich das Hotel heute abgebaut.

    Nun steht nur noch die umgekehrte Wanne, unter der ich ihm morgens und abends das Buffet serviere. Da er jeweils aller sauber verputzt, bin ich nicht alarmiert darüber, dass ich ihn nicht mehr gesehen hab.

    Die Auswilderung geht gut voran. In den nächsten Tagen reduziere ich die Morgenration schrittweise bis auf Null, danach auch das Nachtmahl. Bis dahin bleiben die Warnschilder noch stehen.

    Folge #19Folge #21
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    (Ursprünglich publiziert auf Facebook als Folge #21)



    Einige Reaktionen auf Facebook:

    Anita: Wenn ich deine Berichte hier so verfolge, packt mich im Nachhinein fast ein schlechtes Gewissen. Ich habe Igel nach dem Winter einfach ohne Vorbereitungsmaßnahmen in den Garten verfrachtet. Abends bot ich ihr freilich noch etwas zu fressen an, wenn sie zur Wohnzimmertüre kam.

    Renate: Würde ihn weiter füttern , eine Nachtsichtkamera aufbauen, ist so schön, dass er zum Fressen kommt. Vielleicht demnächst mit seiner ganzen Familie, so spannend und macht doch auch Freude und Neugierig . mit Grüssen an das stachelige Tierchen.

    Billo: Renate, eben nicht! Igel sind Wildtiere und sollten sich grundsätzlich selber ernähren, abgesehen von Ausnahmen wie Winterfütterung von Magerchen wie in meinem Fall oder Zufütterung im Spätherbst für jene Igel, die zu wenig Nahrung fanden. Igel sind auf keinen Fall Heimtiere (ist übrigens gesetzlich verboten), und es ist auch aus gesundheitlichen Gründen nicht ratsam; denn Igel sind Träger von Parasiten, die beim Menschen sehr unangenehme Krankheiten auslösen können.

  • Igel-News #19: Und ward nicht mehr gesehen

    Und dann ward Moritz nicht mehr gesehen… Jedenfalls richtet er es so ein, dass er von mir nicht gesehen wird. Allerdings hab ich die Zizzi im Verdacht, dass sie schon weiss, wo er steckt, ihm aber versprechen musste, es mir nicht zu verraten. Als ich vor drei Tagen mit dem Rückbau des Freigeheges beschäftigt war, trieb sie sich herum, verschwand dann plötzlich jenseits der Hecke, und kurz danach tauchte plötzlich Moritz auf, ganz so, als hätte sie ihn aus dem hinteren Garten, einem ihrer Lieblingsplätze, zu mir geschickt oder getrieben.

    Und doch weiss ich, dass Moritz da ist. Die Mahlzeiten, die ich ihm morgens und abends hinstelle, find ich später immer aufgefressen. Nein, nicht von einer Katze! Denn ich stelle den kleinen Fressnapf unter die am Boden befestigte Plastikwanne, und zwar an die am weitesten von der igelgrossen Öffnung in der Wannenwand entfernte Stelle. Das kann nur ein Igel sein, und alles spricht dafür, dass er Moritz heisst. Nicht zuletzt der Umstand, dass er den Napf wie früher schon unter der Wanne hervorzieht und schön säuberlich davor zurücklässt, manchmal wie heute sogar auf den Kopf gestellt. Ungesichert ist dagegen, ob das etwas grössere Wassergefäss daneben ebenfalls von ihm ausgetrunken wurde; es ist auch für Katzen erreichbar, und ein grosser Trinker war er nie.

    Folge #18Folge #20
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    (Ursprünglich publiziert auf Facebook als Folge #20)



    Einige Reaktionen auf Facebook:

    Claire: Wonderful story!

    Ursula: So schön. Also ein absolutes Happyend… Du hast alles toll gemacht. Alles Gute in der Freiheit Igel Moritz.

  • Igel-News #18: Der Regenduft der grossen Freiheit

    Gewitter gestern und sehr heftiger Regen in der Nacht. Zizzi hatte sich schon am späten Nachmittag vor dem Donner in meine Bettdecke verkrochen.

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  • Igel-News #17: Alles gut!

    Video: https://www.facebook.com/reel/479765327709062

    Es ist eine Freude, wie Igel Moritz im Freigehege frisst, sich tagsüber artgerecht in der strohgedeckten Schlafhütte aufhält und die Umzäunung nun nicht mehr als Rennbahnbande missversteht. Wenn das so weiter geht, werd ich ihn (sie) noch vor Mitte Mai ganz frei lassen können. Dann ist mein Herz wieder zu haben. Nicht, dass ich es ausgerechnet einem Papagei öffnen möchte – aber so mit ihm über die hiesige Pampa zu fräsen wär schono geil, auch wenn er bei mir mit einem Velo vorlieb nehmen müsste; Motorengeräusche könnt ich ihm ja vornachahmen.

    Folge #16 Folge #18
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    (Ursprünglich publiziert auf Facebook als Folge #18)

  • Igel-News #16: Zweiter Freiland-Versuch

    Moritzens Gartenhaus und Zizzis Wachparade

    Die kontrollierte Freilassung von Moritz vor zwei Wochen hatte ich unvermittelt abbrechen müssen. Die zwei sommerlichen Tage im Freilandgehege verbrachte er damals nur damit, unablässig dem Zaun entlang zu wetzen auf der Suche nach einem Loch, durch welches er in den Nachbarsgarten hinter der nahen Hecke entwischen könnte, wo er letztes Jahr wohl gewohnt hatte.

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  • Igel-News #14: Igel-Retter

    Junger Braunbrustigel (Erinaceus europaeus),
    Foto Michael Gäbler / Wikimedia Commons

    Irgendwas ist mit mir und den Igeln, offenbar schon länger. Beim Sichten meines Archivs stiess ich kürzlich auf eine Korrespondenz beenden der achtziger Jahre, als ich nebenbei eine Schweizer Tierschutzorganisation reorganisieren half.

    Eine Kommunikationsfirma hatte eine Zeitschrift namens «Tierpost» gegründet und offerierte Tierschutzvereinen Seiten mit deren Inhalten zu füllen, um neue Spender zu gewinnen. Die Herausgeber hatten wahrscheinlich kein grosses Fachwissen. Sie boten in der Zeitschrift auch ein paar Bücher zum Verkauf an, darunter ein Buch über Igel, das von Fachkreisen sehr kritisiert wurde. Ich hatte daraufhin die Herausgeber mit wiederholten, stets strenger werdenden Briefen aufgefordert, das Buch sofort aus dem Programm zu nehmen. Eine Geschichte, die ich komplett vergessen hatte.

    Moritz ist also nicht mein erster Kontakt mit Igeln, wenn auch der erste in persona. Mittlerweile liegt sein Gewicht klar über 700 g, und nachdem die letzten kühle Nächte offenbar vorüber sind, werde ich demnächst ein Freigehege im Garten einrichten, damit Moritz sich wieder an seine natürliche Umgebung gewöhnen kann, bevor ich ihn ganz frei lasse. Mehr dazu in den nächsten Igel-News.

    Anders als in deutschsprachigen Europa gibt es in Italien leider nur wenige Auffangstationen für Igel und keine in meiner Region. Auch auf Igel spezialisierte Tierärzte sind selten; ein einziger in Italien befasst sich ausschliesslich mit Igeln. Seine Klinik mit jeweils etwa 150 Patienten befindet sich im malerischen Novello im Piemont, von mir aus gesehen genau an der gegenüberliegenden Ecke Norditaliens. Ein Arte-Dokumentationsfilm begleitet ihn bei seiner Arbeit [1].

    Folge #13Folge #15
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    (Ursprünglich publiziert auf Facebook als Folge #15)


    [1] «Die Igel-Retter aus dem Piemont», ARTE-GEO-Reportage, 2021 (33′):



    Einige Reaktionen auf Facebook:

    Ralf: Neija, nun bezieht sich der Titel schon auch auf dich, Billo! 

    Billo: Na na, ich bin ja bestenfalls ein einmaliger Igeldurchfütterer, wenn alles klappt.

  • Igel-News #15: Fast schon Freiheit!

    Endlich… Heute gegen Abend war das Freilaufgehege für Moritz bereit, nach ein paar Stunden Basteln und etlichen Rückmeldungen von meinem Rücken. Es war höchste Zeit; mittlerweile wiegt Moritz 777 Gramm (+ 590 in 81 Tagen), und die Temperaturen sind seit ein paar Tagen auch nachts frühsommerlich. Ich hatte drei Tage zugewartet, um Moritz den Lärm des Mähens der hochstehenden Wiese zu ersparen; doch das findet offenbar später statt.

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  • Igel-News #13: Ein Abend in meiner Menagerie

    Zizzi mag es, von mir in ihrem Korb von der Stube in die Küche getragen zu werden und dort dann zu dösen, während ich koche und Nachrichten höre.

    Moritz nimmt derweil so wacker zu, dass er nächste Woche wohl schon ins Freigehege darf. Er motzt jeweils ein wenig, wenn ich ihn aus seiner Kiste hebe, doch nur selten macht er nachts Radau. Die meiste Zeit schläft er sich Gewicht an und büxt nur ausnahmsweise aus. Bin ja gespannt, wie er auf Gras und Laub und Erde reagiert.

    Folge #12Folge #14
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    (Ursprünglich publiziert auf Facebook als Folge #14)



    Einige Reaktionen auf Facebook:

    Brigitte: Schöne Geschichte! Zizzi wird in der Sänfte herumgetragen und der Igel ruht sich aus und frisst sich Reserven an! Du machst das sehr gut! Tierpension «Chez Billo». 

    Esther: Und wir sind natürlich gespannt, wie es dem Tierheger ergeht, wenn er das lieb gewonnene Wesen seinem Schicksal auf der freien Wildbahn überlassen wird.

  • Igel-News #12: Nein, meine Suppe ess ich nicht!

    Der Suppenkasper in Heinrich Hoffmanns «Struwwelpeter», 1844

    Es liegt ein Fluch auf dem Hause Billo. Nicht nur weigert sich Katze Zizzi bisher hartnäckig, irgendein anderes Nassfutter als das billige Felix zu fressen, das ja nur darum billig ist, weil es viel Getreide enthält, was in einer katzengerechten Nahrung nichts verloren hat. Felix ist sozusagen eine unverschuldete Jugendsünde, weil Billo in Zizzis jungen Jahren knapp bei Kasse war.

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  • Un omicidio del tutto inatteso

    Dietro un titolo fuorviante si nasconde un intelligente romanzo giallo – attenzione: elevato rischio di dipendenza! – con una storia non improbabile ambientata nella fittizia cittadina emiliana di Valdenza*, raccontata in modo spiritoso, pur toccando temi seri della società italiana e in particolare i rapporti tra uomini e donne. Nel suo primo romanzo giallo, l’autrice si cimenta nei panni del narratore maschile Ricco, nel cui piccolo bar, un’ex-latteria, la gente si ritrova per un caffè al mattino e per festeggiare il dopo il lavoro. È una vita semplice e tranquilla che gli piace e che gli permette di osservare le persone con uno sguardo amorevolmente ironico, compreso se stesso.  

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  • Ein ganz unerwarteter Mord

    Hinter dem irreführenden Titel verbirgt sich ein kluger Kriminalroman – mit mittelmässigen Italienischkenntnissen flüssig zu lesen, aber Obacht: Suchtgefahr! – mit einer nicht unwahrscheinlichen Geschichte, die in der fiktiven emilianischen Stadt Valdenza* spielt, in einem witzigen Stil erzählt wird und gleichzeitig ernste Themen der italienischen Gesellschaft und insbesondere der Beziehungen zwischen Männern und Frauen berührt. In ihrem ersten Kriminalroman schlüpft die Autorin in die Rolle des männlichen Erzählers Ricco, in dessen kleiner Bar, einer ehemaligen Molkerei, man sich morgens zum Kaffee trifft und abends nach der Arbeit feiert. Es ist ein einfaches, ruhiges Leben, das er geniesst und das ihm erlaubt, die Menschen mit einem liebevoll-ironischen Blick zu beobachten, auch sich selbst.

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  • Igel-News #11: Maschendraht-Pläne

    Stefan Raab: Maschen-Draht-Zaun, Lied (3’44“)

    Inzwischen wiegt Moritz seit vier Tagen stabil etwas über 450 Gramm, nachdem ich die Futterration etwas reduziert hab. (Das von dir empfohlene Igelfutter wird demnächst aus Deutschland zugestellt, Barbara, die Beschaffung war nicht ganz einfach.)

    Eine kürzlich befragte Fachfrau riet mir, die baldige Auswilderung ins Auge zu fassen. Noch mindestens 100 Gramm muss Moritz und ein noch ein paar Grad müssen die Nachttemperaturen zwar noch zulegen; aber ich hab mich schon mal mit den Vorbereitungen auseinandergesetzt, Pläne studiert und 10 Meter Maschendraht, Zaunpfählchen und Zeltheringe gekauft. Bin ja gespannt!

    Folge #10 Folge #12
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    (Ursprünglich publiziert auf Facebook als Folge #12)


    Einige Reaktionen auf Facebook:

    Joachim: Ich liebe es, in welches grossartige Projekt das ausgeartet ist.

    Billo: Manchmal schwant mir, dass es tatsächlich ausarten könnt… 

    Anna Maria: Darf ich fragen, warum du die Futterration reduziert hast? Als ich meinen Igel aufgezogen habe, gestartet mit 200 g, habe ich soviel hingestellt dass immer etwas übrig geblieben ist. Nur so kann man sicherstellen dass die kleinen Stacheltiere genug zunehmen. Am Schluss wog er 700 g. Aber wenn deiner seit vier Tagen nicht mehr zunimmt, und du die Ration reduzierst, wie soll er dann 100 g zunehmen?

    Billo: Das Tempo der Gewichtszunahme kürzlich war zu hoch und vermutlich mit ein Grund für immer weicheren Kot. Zudem experimentiere ich mit dem Futter und geb drum kleinere Portionen. Ab nächster Woche gibt’s dann eh Igel- statt Katzenfutter, bin gespannt.

    Laura: Aspetta ancora un po’ prima di lasciarlo! Marzo è un mese imprevedibile e oggi, col clima impazzito, potrebbe essere pericoloso! Il riccio non ha fatto un letargo regolare.

    Billo: Assolutamente corretto, Laura.

    Ruedi: Vielleicht fühlt sich Moritz einsam bei dir. Möchtest du ihm nicht noch ein Gschpänli suchen? Könntest es Max taufen.

    Billo: Igel sind Einzelgänger. Ich gehe davon aus, dass Moritz aus einem Winterschlafnest entwichen ist auf der Suche nach Nahrung, da er im Herbst zu wenig Reserve hatte anlegen können. Da er weniger als 200 g wog, als ich ihn fand, hatte er wohl noch mit Mutter und Geschwistern in der Höhle gelebt; andere Igel fand ich damals aber nicht. Vielleicht sucht Moritz dann im Sommer eher eine Maximiliana, oder umgekehrt. Aber nur für die – relativ ruppige – Paarung, danach werden beide wieder froh um Ruhe sein.

  • Igel-News #10: Igel rebelliert

    Links der Futternapf (schon wieder leer), in der Mitte die Schlafhütte und rechts der vom Igel gewählte Versäuberungsplatz.

    Andere Leute legen sich einen Hund zu, um aus der Wohnung zu kommen. Mir genügt der Igel, der sich mir hungrig in den Weg gelegt hat. Er frisst nun seit fünf Wochen ordentlich Katzenfutter, legt ordentlich zu und hinterlässt entsprechend viele Häufchen auf den alten Zeitungen, mit denen ich die Kiste täglich zwei- bis dreimal neu auslege, in der er seine Fresswinterschlaf verbringt.

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  • Igel-News #09: pro Tag 10 Gramm

    Moritzli nimmt seit zehn Tagen stetig zu.

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  • Igel-News #08: Filmtip

    Screenshot aus dem hier vorgestellten Film

    Wer jetzt schon wissen will, wie (m)ein Igel lebt, nachdem er wieder in die Freiheit gelassen worden ist, gibt sich diesen halbstündigen Film [1] mit faszinierenden Aufnahmen aus allen Lebensphasen, darunter ruppige Sexszenen, obersüsse Babies und nicht zuletzt der Beweis, dass Igel selbst in der Natur einfach überall hinscheissen, selbst auf den Eingang zur eigenen Hütte. Unglaublich, das alles!


    Folge #07Folge #09
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    (Ursprünglich publiziert auf Facebook)


    [1] «Abenteuer einer Igelfamilie» – übrigens ein Naturfilm der wohltuenden Art, ohne musikalische Untermalung und mit wenig Geschwätz.



    Einige Reaktionen auf Facebook:

    Irmy: Die fressen ja auch Obst und trinken Wasser am Bach.

    Billo: Wenn’s keine Insekten hat.

    Eva: Danke für den Tipp! Das werde ich mir unbedingt ansehen. Ich hatte ja letztes Jahr seit Jahren leider kein Igeli mehr in meinem MitteneinderStadthintermHausgarten. Es wurde so viel gebaut und es gibt so rücksichtslose Nachbarn und Pseudogärtner. Ich hoffe, dieses Jahr wird sich wieder eine Familie zeigen und ich darf sie allabendlich begrüssen, beobachten und des nachts an meinen Wasserstellen schmatzen, hüsteln, trippeln und sonst so einiges hören… Ich liebe sie einfach.

    Ana: Nuja, wir dressierten Menschen würden gegebenenfalls auch überall «unter uns lassen», wenn man uns nicht zeitig aufs Töpfchen gezwungen hätt…

  • Igel-News #07: Igelrennbahn

    Foto links: Konstruktion mit Rennbahn und zwei Kisten, das Igeli versteckt seine Nase in einer Kloppapierkartonrolle.
    Foto rechts: Die aktuelle Fresswinterschlafeinrichtung.

    Moritzli und ich haben eine Menge gelernt in den zweieinhalb Wochen seit meinen letzten News, mit Rat von Fachpersonen auf Websites oder per E-Mail – und mit viel trial & error.

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  • WaldLeben? Eine Reise in meine Vergangenheit

    Kürzlich wurde ich unerwartet in meine eigene Vergangenheit entführt. Verena Rothenbühler und Oliver Schneider, beide Zürcher Historiker, recherchierten Quellen zum Thema Waldsterben und waren dabei auch auf den Verein «WaldLeben» gestossen, den ich zusammen mit ein paar Freunden 1983 gegründet hatte – für die Erhaltung des Waldes überall auf der Welt.

    Wir hatten nicht einfach auf dem plötzlichen Medienhype mitreiten und die üblichen Forderungen aus ökologischer Sicht stellen wollen, sondern eigenverantwortliches Handeln fördern und damit Glaubwürdigkeit und Machbarkeit solcher Forderungen an Politik und Wirtschaft beweisen. Unser Ziel war es gewesen, mindestens 100’000 Menschen in der Schweiz zu finden, die sich freiwillig bereit erklärten, ihre Autofahrten auf ein Minimum zu beschränken, ihre Wohnung bis höchstens 19 °C zu heizen – und von den Behörden auf allen Ebenen Taten zu fordern. 

    Ob ich Zeit für ein paar Fragen hätte? Ja, sicher; aber ich musste mich erst einmal in meinem Archiv wieder in unsere damaligen Aktivitäten einlesen, es war so viel geschehen für mich seither. Was ich auf Anhieb fand, war ein Ordner mit den Ausgaben der Zeitschrift «Luftpost», die wir von 1984 bis 1990 herausbrachten und die ich redigiert und gestaltet hatte. Und während ich durch die 32 Ausgaben blätterte, staunte ich immer wieder, was wir damals alles getan und geschrieben hatten. Es ging längst nicht nur ums Auto, auch wenn dessen Gebrauch im Zentrum stand. Einzelne Aktionen hatte ich vergessen, auch deren Zahl und Vielfalt. Waldbegehungen zusammen mit Förstern, Tourneen zu Fuss oder mit Ross und Wagen durch die Dörfer, kulturelle Veranstaltungen im öffentlichen Raum, Sternwanderung aus allen Regionen der Deutschschweiz aufs Rütli, Demonstration für saubere Luft in St. Gallen mit 4000 Menschen, kurze Besetzung der Quaibrücke oder von Parkplätzen in Zürich, Vorstösse an Krankenkassen wegen der Folgen der Luftverschmutzung, und so weiter. Grössere Aktionen hatten wir jeweils zusammen mit verschiedenen nationalen und regionalen Organisationen geplant und umgesetzt.

    Aus den Wurzeln verschiedenster Gräser

    Die Art unseres Tuns hingegen war mir sogleich wieder vertraut. Der Verein «WaldLeben» zählte nur wenige Mitglieder, personell viel wichtiger waren die Menschen in den verschiedenen Regionen der Deutschschweiz, die sich autonom unter dem Motto «WaldLeben» zusammenfanden und aktiv wurden, graswurzelartig und ohne Direktiven von einer Zentrale. Meine Aufgabe als Initiant beschränkte sich auf die Redaktion der Zeitschrift als Mittel der Kommunikation untereinander und gegenüber einer interessierten Öffentlichkeit, auf Koordination soweit gewünscht und auf Gedankenanstösse. Die lose organisierten Gruppen in den verschiedenen Regionen bestanden aus Menschen, die sich aus anderen Zusammenhängen bereits kannten; einige von ihnen hatte ich zu Beginn kontaktiert, weil ich sie von früheren gemeinsamen Tätigkeiten kannte, beim Förderverein für Umweltschutzpapier und Selbstverwaltung, bei der Leser Zeitung, beim M-Frühling und ähnlichen Gelegenheiten.

    Trainingslager für die Erderwärmung?

    Das anderthalbstündige Gespräch mit meinen beiden Interviewern war auch für mich selber sehr aufschlussreich, weil ihre Fragen wie Scheinwerfer in eine Zeit meines Lebens leuchteten, die längst vergangen schien. Mir wurde etwa bewusst, dass die damals heftige Diskussion um das Waldsterben und die damit verbundenen Aktionen beider Lager (Autoverzicht versus «Mein Auto fährt auch ohne Wald») rückblickend betrachtet als Trainingslager für die weit bedeutendere und heftigere Debatte um die Erderwärmung hätte dienen können. Wir hätten nur am Thema dran bleiben brauchen, als der Hype in den Medien vorüber war. Reportagen über den Zustand des Waldes in der Schweiz und in anderen Ländern wären auch zehn, zwanzig, dreissig Jahre später nötig und interessant geblieben; denn nur weil inzwischen Autos mit Katalysatoren und Industrieanlagen mit Abgasfiltern ausgerüstet werden mussten, waren die Ursachen der Luftverschmutzung und des Waldsterbens ja nicht an der Wurzel behoben worden. Die zunehmende Erderwärmung war für einigermassen informierte Zeitgenossen zwar schon damals als drohendes Hintergrundrauschen wahrnehmbar; aber es schien noch so fern, dass der thematische Bogen vom Waldsterben bis dorthin wohl zu weitgespannt schien, zumal damals die Kräfte schon zur Bekämpfung des sauren Regens sehr beschränkt waren. Hätten wir in unserem damaligen Aktivismus so langfristig gedacht, wie wir es von den Förstern bei den Waldbegehungen eigentlich gelernt hatten, dann hätten wir nicht nochmals von vorne beginnen müssen, als der Streit um die Erderwärmung begann.

    Rationierung der Brennstoffe?

    Der Verein WaldLeben hatte sich nach ein paar Jahren nicht aufgelöst, weil das Problem in den Medien kaum mehr präsent war, und auch nicht wegen steter Geldknappheit. Wir gaben aus inhaltlichen Gründen auf. 1988 hatten wir die Idee für eine Volksinitiative zur Rationierung von Treibstoffen lanciert und zahlreiche Organisationen zur Stellungnahme und Mitarbeit eingeladen. Bei den Umweltorganisationen stiessen wir allerdings auf schroffe Ablehnung, einzig Greenpeace und die Schweizerische Energie-Stiftung begrüssten unseren Vorschlag. In einer Luftpost-Leserumfrage sprach sich eine knappe Mehrheit für die Idee aus. Auch die Mitgliederversammlung stand mehrheitlich hinter der Idee, beschloss aber, sie mangels Partnern fallen zu lassen. Gleichzeitig beschlossen wir die Auflösung des Vereins, da wir dessen Anliegen inzwischen wenigstens teilweise von anderen Organisationen wahrgenommen sahen. Der Name WaldLeben ging an die seit Jahren aktive Gruppe in Zürich über, die Luftpost wurde als unabhängige Zeitschrift weitergeführt und diente als Organ für den 1986 gegründeten Verein freund/innen/der/erde (Schweizer Mitglied im des Internationalen Verbands Friends of the Earth International), bis sich dieser sich Ende 1990 auflöste. (Später wurde Pro Natura zum Schweizer Mitglied von FOEI).

    Brückenschlag von links-grün bis bürgerlich-konservativ

    Meine Interviewer fragten, warum für uns das Auto im Zentrum unserer Argumentation gestanden hatte. Ich bin nicht sicher, ob wir uns das damals explizit überlegt hatten; vielleicht hatten wir das einfach intuitiv so entschieden. Jedenfalls ist das Auto, gerade in einem Land der Wohnungsmieter wie der Schweiz, für viele der einzige private Raum, über dessen Gebrauch sie einigermassen frei entscheiden können. Also war das Auto der beste Ansatzpunkt für die freiwillige Selbstbeschränkung, auf der wir aufbauen wollten. Mieter dagegen können bestenfalls ihren individuellen Konsum einer bestehenden Heizung beeinflussen; Werktätige haben so gut wie keinen Einfluss auf den Verbrauch fossiler Energie an ihrem Arbeitsort. 

    Weiter wollten sie wissen, ob denn WaldLeben vor allem Menschen links der Mitte angesprochen habe. Nein, ich erinnere mich an gute Begegnungen auf unseren Wanderungen von Dorf zu Dorf und, unter Führung lokaler Förster, durch die Wälder, mit bürgerlich, konservativ eingestellten Menschen, nicht zuletzt die Förster selbst, die schon für ihren Beruf eine konservative Haltung mitbringen müssen, um Bäume mit einer Lebensdauer von fünf oder mehr Menschengenerationen zu hegen und zu schützen. Und ich erinnere mich an ein Treffen mit dem damaligen, oft als stockkonservativ belächelten Bundesrat Alphons Egli, der eine Abordnung von uns empfing, während unsere bunte Truppe mit Ross und Wagen vor dem Bundeshaus wartete. Nach Ablauf der geplanten Viertelstunde wurde Eglis Sekretär nervös und zeigte immer wieder auf die Uhr; doch Egli wischte protokollarische und terminliche Bedenken beiseite: Ich will jetzt mit diesen jungen Menschen reden, denn das ist wichtig, was sie tun – und er entliess uns erst nach einer Dreiviertelstunde. Auch wenn dieser intensive persönliche Austausch hernach in der Politik kaum Folgen zeigte, vielleicht auch, weil Egli nach einer Amtsperiode schon wieder zurücktrat, zeigten diese und viele andere Begegnungen, dass das Waldsterben Menschen in allen Schichten und politischen Lagern betroffen machte, auch einen Freund, der damals der Autopartei nahestand, und auch meinen Vater, der mit den links-grünen Überzeugungen seiner Kinder grosse Mühe hatte, die persönliche Erklärung zur Reduktion seines Autogebrauchs aber unterzeichnete und ernst nahm.

    Ja, wenn es uns gelungen wäre, diesen Brückenschlag mit Schwung weiterzutragen, auch über die Sprach- und Landesgrenzen hinaus, dann wäre die Gesellschaft vielleicht besser vorbereitet gewesen für die viel grösseren Herausforderungen durch die Erderwärmung, die heute immer mehr Menschen bewusst werden, viele aber auch hilflos machen. Kann sein, dass wir zu uns zu sehr dagegen sträubten, feste Strukturen für unser Tun zu schaffen. Allerdings glaube ich bis heute nicht daran, dass klar strukturierte und zentral geführte Bewegungen wirklich jene Veränderung bewirken, die notwendig ist, damit immer mehr Menschen lernen, anders miteinander und mit der Welt umzugehen.

    PS: 
    Menschen anregen und befähigen, selber Schritte zu machen, hat mich immer besonders interessiert, auch später. Bei WaldLeben die «Persönliche Erklärung», in der M-Frühling-Zeitschrift Tips für Alternativen zum üblichen Konsum, bei KAGfreiland die Drehscheibe, über die sich Konsumenten und Bauern leichter finden konnten, bei fair-fish die leicht merkbare Formel «Fisch max. 1x im Monat» und für jene, die es genauer wissen möchten, den Fischtest.
    Die Veränderung im Grossen wird nicht nachhaltig sein, wenn sie nicht im Kleinen gelebt wird.

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