
«Der Mensch erscheint im Holozän» betitelte Max Frisch im Jahr 1979 eine Erzählung – nachweislich falsch, da die ersten Menschen einen Zeitabschnitt früher in der Erdgeschichte erschienen, im späten Pleistozän. Mit ähnlicher Nonchalance wollten Wissenschafter den nächsten Zeitabschnitt einläuten:
Das Anthropozän, benannt nach der Spezies, die drauf und dran ist, ihren Lebensraum und den vieler weiterer Arten zu zerstören.
Einmal abgesehen davon, dass es etwas unsinnig ist, einen Zeitabschnitt nach jener Spezies zu benennen, die gerade dabei ist, sich aus der Geschichte zu verabschieden, handelt es sich vor allem um einen Fall spiezistischen Grössenwahns, selbst noch in dessen Kritik. Denn sogar die grauenhaftesten Auswirkungen menschlichen Tuns werden die Fähigkeit dieses Planeten, Leben zu erhalten, nicht beenden können.
Kein Zeitabschnitt wurde von der Wissenschaft je nach einer Spezies benannt. Wenn eine Klasse von Spezies das verdient hätte, dann die Cynaobakterien (Blaugrünalgen), dank derer überhaupt erst Leben in die Bude kam. Bevor Wissenschafter mit der versuchten Erfindung eines neuen Zeitabschnitts Ruhm suchten, hätten sie fairerweise das Mesoarchaikum in Cyanobakterikum umtaufen müssen.
siehe auch: «Warum es in die Irre führt, über den menschgemachten Anteil am Klimawandel zu streiten»
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