Mir träumte, ein Sozialforschungsinstitut habe sich beim Verein fair-fish (den ich gegründet und damals geleitet hatte, Anm. d. Red., 25.12.2025) vorgestellt mit der Idee einer Studie über die Änderung des Konsumentenverhaltens beim Fischkauf.
Schon ein einziger Tag Lektüre der «Kleinen Zeitung» (11.09.2012) genügt, den Dégoût vieler Menschen in Österreich zu verstehen – nicht aber deren Duldsamkeit, die Mitschuld trägt an den Verhältnissen.
Bundeskanzler Werner Faymann, Grazer Bürgermeister Siegfried Nagel, Kürbis für sterisches Kernöl
Feig und unerträglich
Bundeskanzler Faymann hat – wenn wir eine strenge politologische Regel anwenden – im Grunde schon verloren: weil er dementieren muss. Er muss dem Vorwurf entgegnen, dass von staatlichen Verkehrsunternehmen bezahlte Inserate mit seinem Konterfei als damaliger Verkehrsminister kein Polit-Marketing für ihn persönlich gewesen seien. Seit Jahren klumpen sich Enthüllungen, Gerüchte, Forderungen und Repliken um diese Frage betreffend Missbrauch von Amt und Steuergeldern.
Rechtsanwälte im Disput, Porzellan um 1770, vermutlich Italien (European Sculpture and Decorative Arts / Wikimedia Commons)
Nicht angesichts der Zerstörung des Gazastreifens, sondern heute vor vierzehn Jahren tobte auf meiner Facebook-Wall ein heftiges Wortgefecht über die Kritik an der Politik Israels. Es scheint mir als Zeitzeugnis interessant genug, hier dokumentiert zu werden. Und es macht deutlich, dass Frieden im Nahen Osten nicht zuletzt voraussetzt, dass auch wir uns fern vom Geschehen um Verständigung untereinander bemühen.
Video-Still aus «Zug für zwei Halunken» von Robert Aldrich, mit Lee Marvin und Ernest Borgnine (USA., 1973)
Ich hatte gestern nacht einen bemerkenswerten Traum. War mit Andi unterwegs, irgendwo in Italien. Wir bestiegen einen Zug, den die Leute dort für etwas vom Feinsten hielten.
Christian Kern, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) von 2010 bis 2016
Nachdem die ÖBB die Bahnverbindung von Graz nach Westen Jahr um Jahr ausdünnen und die zweitgrösste Stadt Österreichs zunehmend an den Tropf aus Wien hängen, dürfte erwartet werden, dass wenigstens in dieser Intensivstation seriös gearbeitet werde. Leider nein; den Patienten, pardon: den Passagieren, die partout nach Graz reisen wollen, werden in Wien sportliche Höchstleistungen abverlangt, die keiner der ÖBB-Bosse je erbringen könnte. Oder Sie, Herr Kern? Die Wette gilt!
Super, jetzt also müssen sich die Banken 50 Prozent der Schulden Griechenland ans Bein streichen! Und sie müssen ihren Eigenkapitalanteil ganz schnell auf 9 Prozent aufstocken, um etwas krisenfester zu werden. Toll, endlich werden jene zur Kasse gebeten, die das ganze Schlamassel verursacht haben…
Die verbotene Glühbirne
Hitziges Tagebuch ab Oktober 2010
Die EU hat die gute alte Glühbirne verboten. Die Konsument/innen spielen brav mit, denn es geht ja immerhin ums Energiesparen, und da haben wir alle doch ein schlechtes Gewissen… (mehr …)
Den folgenden Post hatte ich Anfang Mai 2010 auf Facebook veröffentlicht und damit eine ausführliche Debatte entfacht, die mir über den Tag hinaus wert scheint, hier festgehalten zu bleiben. (Auffallend übrigens , dass langanhaltende Debatten inzwischen selten geworden sind, jedenfalls auf Facebook; Anm. d. Red., 09.12.2025)
Guenter hat auf seinem Facerbook-Profil eine interessante Debatte lanciert, die ich hier gern zugänglich machen möchte. Im Kern geht es darum, bis zu welcher Grenze unsere Gesellschaft tolerant sein soll gegenüber Gepflogenheiten von Menschen, die sie aus fremden Kulturen zu uns bringen – und mit welchen Mitteln wir für uns Selbstverständliches wie insbesondere die Rechte der Frauen durchsetzen. Bewirken Verbote Sinnvolles? Müssten Menschen abgewiesen werden, die sich bei der Einreise nicht auf unsere Gesetze verpflichten? Spielen wir nicht Rechtsaussen in die Hände, wenn wir weiterhin wegschauen?
Als Schweizer ist mensch vermutlich verwöhnt. Jedenfalls beim Bahnfahren. Einmal in Österreich unterwegs, winken dafür ungeahnte Erlebnisse. Übrigens auch beim zweitenmal, und in beliebiger Wiederholung. Für die Österreicher/innen, die ihr Land nicht zum Vergnügen bereisen, ist das nicht lustig. Darum hier ein freundeidgenössisches Plädoyer: Weg mit der Spitze der ÖBB – hin zur fusionierten SÖBB!
«Ein Leben in Leidenschaft» heisst der deutsche Nebentitel dieser Biografie – und trifft in zweifacher Hinsicht: Die Entwicklung van Goghs war von der wilden Leidenschaft zu malen gezeichnet, mehr als von allen andern Leidenschaften. Und Irving Stone, auch er ein Autodikakt, erzählt van Goghs Geschichte mit einer Leidenschaft, der ich sich als Leser nicht mehr entziehen konnte. Was Malen wirklich heisst, hab ich erst mit diesem Buch begriffen.
Ein Bild der koreanisch-deutschen Theologin Sung-Hee Lee-Linke: Wahrheit ist wie Wasser, Du kannst sie nicht in Deiner Hand behalten, sie fliesst Dir weg; denn Du besitzst sie nicht.
Ich hab mir wieder mal einen tiefen Einblick in die hohe Politik gegönnt und frag mich einmal mehr: Wie behämmert muss man sein, um im Theater Politik eine Rolle zu erhalten und diese ein Weilchen durchzuhalten?Der Anlass: Der Budgetkompromiss der rot-schwarzen Regierung Österreichs, wegen der eben gehabten Wahlen taktisch verspätet und wegen kommender Wahlen taktierend zwischen Skylla und Charybdis bzw. zwischen roten und schwarzen Klientelen.
Der «rote» Kanzler verkündet erfreut, dass drei Viertel der neuen Steuererhöhungen die Wirtschaft treffen «und nicht auf die einzelnen Haushalte überwälzt werden können». Hat der Herr eigentlich auch mal was studiert?
Der «schwarze» Vizekanzler und Finanzminister seinerseits hält sich zugute, dass er eine «breite Vermögenssteuer» habe verhindern können – ist der Herr eigentlich Millionär?
Dafür holt der sogenannt christliche Kassenwart das Geld nun bei den Familien. Das ist kein Wunder: Eine Partei, welche noch immer die katholische Kirche mit ihrem unglaublich altertümlichen Frauenbild verteidigt (Priesterinnenverbot, Zölibat), kann von «Familienpolitik» vielleicht schwatzen – eine Ahnung von dem, was Familien sind und brauchen, haben die Herren offensichtlich nicht. Oder es ist ihnen in «höherem» Interesse wurscht.
Und eine Partei, welche die einmal erlangte Macht noch selten genutzt hat für jene, deren Stimmen sie erhielt, sondern schlicht zum Schutz endlich errungener Privilegien für Gewählte und Entourage, mag von «Sozialpolitik» schwatzen – eine Ahnung davon, wie Menschen ohne Privilegien leben und was sie brauchen, haben diese Obergenoss/innen offensichtlich nicht. Oder sie haben den Mut nicht, am Tisch der Reichen zu den Armen zu stehen.
Die zweitägige Übung der gesamten Regierung in einer Therme (wo man die Dinge so schön baden gehen lassen kann) bringt für 2011 Einsparungen von anderthalb Milliarden Euro. Zwei Drittel dieses Effekts hätte man mit einem simplen Federstrich und ohne teure Luxusklausur erzielen können: Durch sofortige Streichung der Frühpension («Hacklerpension») würde den Staatshaushalt 2011 um eine Milliarde entlasten. Einst für Schwerarbeiter eingerichtet, diente sie zunehmend als Dank für geleistete Bürodienste. Weil von andern hart erkämpfte Errungenschaften besondere Freude machen, mochten sich die vereinigten Privilegienvertreter nicht davon verabschieden; einzigen Neulingen soll der Zugang zur staatlich finanzierten Frührente erschwert werden.
Ehrlich und politisch wär’s, als Regierung hinzusehen und zuzugeben: Leute, erstens haben wir’s nicht geschafft, das Geld dort zu holen, wo es wirklich ist, und darum gilt zweitens und bis auf weiteres, die Ausgaben den vorhandenen Mitteln anzupassen, damit ihr drittens mithelft, eine Politik durchzusetzen, welche das fehlende Geld für nötige Dinge nicht länger bei jenen holt, die eh zuwenig davon haben.
Das wäre Politik, da würden die Interessen blank gelegt.
Stattdessen wird heute Politik bloss im Reden gemacht, und bloss pro domo. Besonders schön hat das die Verkehrsministerin demonstriert, nach jenen zwei Tagen in der Therme. Gefragt von der Kleinen Zeitung, was denn die Sparbeschlüsse für die längst geplanten Tunnelbauten nun bedeuteten, führte sie aus: «Ich bin immer schon für den Ausbau der grossen Verkehrsachsen eingetreten, und zwar aus verkehrs- und umweltpolitischen Gründen. Mir war es besonders wichtig, dass auch die langfristige Finanzierung…» usw. usf. Auf die Nachfrage der Kleinen Zeitung, was das denn nun konkret heisse, fuhr sie unbeirrt fort: «Ich habe immer gesagt, dass…»
Die Dame, seit «immer», nämlich zwei Jahren im Amt, gehört nur zufällig zu einer SP und ist nur zufällig in Österreich zuhause – sie und ihre Regierungskollegen könnten auf ähnliche Weise überall in Europa für jede erdenkliche Partei tätig sein…
Wenn es etwas gibt, was mich bei derlei Beobachtungen halbwegs froh macht, dann dies: Dass diese Politiker/innen die Scheisse, die sie und ihre Vorgänger angerichtet haben, nur verwalten. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn sie auf die Idee kämen, sie auch noch zu gestalten.